Oldesloer Politiker retten zehn Linden vor der Säge

Lübecker Nachrichten   16.02.2020

Aus Sicherheitsgründen möchte der Bürgermeister die Bäume im Wolkenweher Weg fällen lassen. Umweltausschuss will das jedoch verhindern – und votierte einstimmig für den Erhalt

Von Markus Carstens

Zu eng? Zu gefährlich? Die Politik ist gegen den Vorschlag des Bürgermeisters, zehn Linden im Wolkenweher Weg zu fällen. fotos: Carstens

Bad Oldesloe. 39 Linden stehen im Wolkenweher Weg in Bad Oldesloe, zehn davon sollen bis Ende Februar gefällt werden. Danach ist es aus naturschutzrechtlichen Gründen erst mal nicht erlaubt. Der Gehweg, vom Konrad-Adenauer-Ring auf der linken Seite gesehen, sei an einigen Stellen zu schmal und mittlerweile zu gefährlich für Fußgänger, erklärt Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos).

Die Linden wurden vor etwa 40 Jahren gepflanzt und nehmen laut Lembke dort inzwischen so viel Platz ein, dass der Gehweg nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Die Oberfläche des ohnehin stellenweise nur noch sehr schmalen Gehweges werde in einigen Bereichen deutlich durch Wurzeln angehoben. Das Entfernen des Plattenbelages und das Ausbessern des Weges hätten nur kurzfristig eine Verbesserung gebracht.

Lembke weiter: „Die Unebenheit des Weges hat bereits vereinzelt zu Unfällen von Fußgängern geführt.“ Außerdem hätten Wurzeln bereits Schäden an privaten Grundstücken verursacht, zum Beispiel an Gartenmauern. Ein Gutachter kam aus Gründen der Verkehrssicherheit zu dem Ergebnis, dass zehn Bäume gefällt werden müssten.

Der Oldesloer Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss sah das jetzt jedoch über alle Parteigrenzen hinweg komplett anders – und kassierte das Vorhaben vorerst ein. Der Bürgermeister kann nun Widerspruch einlegen oder zum Beispiel den Weg sperren.

„Jahrelang ist nichts passiert, und plötzlich sollen zehn Bäume gefällt werden?“, wunderte sich Jens Wieck (CDU). „Wir brauchen die Bäume.“ An anderen Stellen im Stadtgebiet seien die Wege noch schmaler. Außerdem stünde im nächsten Jahr eine Sanierung des Wolkenweher Wegs an, dann könne man auch über eine andere Führung des Gehwegs nachdenken.

Auch Parteikollege Andreas Lehmann kann „die Sicherungsmaßnahme nicht nachvollziehen“. Der Zustand sei seit Jahren ähnlich, es habe keine schweren Unfälle gegeben. „Warum dann gesunde Bäume absägen?“, fragte Lehmann.

Auch die Grünen wollen die Bäume erhalten. „Die Linden haben eine stattliche Größe und sicher noch eine Restlebensdauer von 40 bis 60 Jahren“, sagte Fraktionschef Wilfried Janson. Außerdem genössen sie Bestandsschutz, sie seien vor den Anwohnern dort gewesen. „Wir wollen keinen Präzedenzfall schaffen. Sonst werden nachher noch mehr Bäume abgesägt, zum Beispiel in der Grabauer Straße, der Lübecker oder der Salinenstraße.“ Den Grundstückseigentümern könnte man laut Janson kleine Abschnitte abkaufen oder sie notfalls auch enteignen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl sei es dort zwar schwierig, sagte Sarina Adrion (Grüne), doch auch sie plädierte trotzdem für den Erhalt der Bäume.

Bauamtsleiter Dr. Kurt Soeffing sagte, dass es einen Neubau der Straße sicher nicht vor 2021 geben werde. Und er verwies auf die Verantwortung der Stadt für die Sicherheit der Bürger, falls sich doch mal jemand schwer verletze. Außerdem würden ja neue Linden gepflanzt. Kosten laut Soeffing: etwa 1000 Euro pro Baum.

Wilfried Janson wollte das jedoch nicht gelten lassen. Es müsse andere Lösungen dort geben, den Gehweg sicher herzurichten. „Wir kämpfen um jeden Baum“, betonte der Ur-Grüne und fragte: „Welches Signal senden wir denn da an die Bürger?“ Die Oldesloer Baumschutzsatzung gelte nur für öffentlichen Grund. Janson: „Dann geht die Sägerei im privaten Bereich wieder los.“

Auch Dirk Sommer von der FBO befürwortete eine provisorische Herrichtung und eine große Lösung dann im Rahmen der Straßensanierung. Für die gesamte Maßnahme – Planung und Ausbau – veranschlagt die Stadtverwaltung bislang rund 1,7 Millionen Euro.

In der Sitzung des Umweltausschusses formulierten schließlich CDU und Grüne einen gemeinsamen Antrag für den Erhalt der Linden, dem alle Fraktionen folgten und so die Verwaltung ausbremsten.

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