„Die Festhalle wäre ein guter Ort für Abi-Feiern“

Stormarner Tageblatt  20.02.2020

Diskussion über missratene Werbung für eine Abi-Party in Bad Oldesloe hält an

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Diskussion über die Bewerbung einer Abi-Party in einer Oldesloer Discothek dauert an. Nach der Fassungslosigkeit über die geschmacklose Werbung, die sich sexistisch und diskriminierend zeigte, stellen sich jetzt grundsätzliche Fragen.

Schülerinnen und Schüler argumentieren zum Teil so: Es müssen immer aufwendigere Abi-Bälle gefeiert werden, für die aber in der Kreisstadt keine geeigneten Räume zu finden sind. Daher müssten kostspieligere Locations an anderen Orten angemietet werden. Um das finanzieren zu können, benötige man vorab Einnahmen aus „Abi-Partys“. Diese könne man wiederum nur noch in Discotheken feiern, da es keine geeigneten Räumlichkeiten gebe. Von der Art der Bewerbung dieser Veranstaltung seien aber selbst Jahrgangsmitglieder erschrocken gewesen.

„Aussagen, dass man keine städtischen Räumlichkeiten für Abi-Partys bekommen kann, die man selbst organisiert, können wir so nicht bestätigen“, sagt Agnes Heesch, Sprecherin der Stadtverwaltung. Das gelte auch für Abi-Bälle. „Natürlich kann man die Stormarnhalle, die Festhalle, die Aulen oder andere städtische Räumlichkeiten anmieten“, betont Heesch. Das bedeute auch nicht – wie oft behauptet – dass es in den städtischen Räumen generell keinen Alkohol geben dürfe. „Dafür muss man dann ganz normal eine Ausschankgenehmigung beantragen“, erläutert Heesch. Anfragen von Schülern mit Bezug auf Abi-Partys in städtischen Räumlichkeiten – zu denen die Schulen gehören – habe es aber länger nicht gegeben.

Das Abi-Partykomitee der Theodor-Mommsen-Schule, das zunächst hauptsächlich für die Verbreitung der Werbung – unter anderem über einen Social Media Profil mit dem Namen „TMS.Abi.2020“ – kritisiert wurde, steht mittlerweile nicht mehr im Fokus der Kritik. .„Ich finde es schlimm, wie hier Schüler ausgenutzt wurden, aber auch schlimm, wie sie sich haben ausnutzen lassen“, betonte TMS-Schulleiter Dr. Henning Bergmann, der die entstandene Diskussion begrüßt. Bedenklich sei es auch, dass die Party für Minderjährige zugänglich gewesen sei. Die Kritik an der veranstaltenden Agentur und der Discothek wächst entsprechend.

„Wir können die Qualität der Werbung nicht bewerten. Das soll der Werberat tun“, sagt Stadtsprecherin Agnes Heesch. „Generell ist es so, dass wir in unserer Stadt natürlich keine Form von diskriminierender oder sexistischer Werbung sehen wollen“, so Heesch. So sieht es auch die Oldesloer CDU. Sollte es Verstöße gegeben haben, müsse der Werberat einschreiten und die, die sich von der Werbung betroffenen fühlen, sich wehren. Der deutsche Werberat verweist auf seinen Kodex. Ein offizielles Beschwerdeverfahren sei noch nicht eingeleitet worden. Laut Kodex dürfe aber zum Beispiel Werbung nicht sexuelle Verfügbarkeit suggerieren oder Personen auf ihre Sexualität reduziert werden, wie zum Beispiel der Slogan der Werbung „Naked girls only“ und Aktionen wie „BH gegen Sektflasche“ sowie Kondomverteilungen vermuten lassen könnten. Körperliche Merkmale dürfen nicht diskriminierend herausgestellt werden, wie man es bei der „Liliputaner-Eskalation“werten könnte.

„Die Art und Weise der Abi-Party-Werbung empfand ich persönlich als grob fahrlässige und inakzeptable Grenzüberschreitung. Eine Diskussion der Betroffenen und Verantwortlichen hierüber ist selbstverständlich“, sagt der Oldesloer SPD-Fraktionschef Björn Wahnfried. „Die Bewerbung einer Abi-Party mit sexistischen und diskriminierenden Inhalten ist würdelos und nicht akzeptabel. Ich war schockiert. Der Abi-Jahrgang sollte sich davon distanzieren“, so Grünen-Fraktionschef Wilfried Janson: „Die Festhalle wäre ein guter Ort für Abi-Feiern. Ein weiterer guter Grund diese zu sanieren“, sagt er.

„Dass Abi-Bälle immer teurer werden, liegt nicht nur an fehlenden Locations vor Ort. Es sind auch die immer höheren Ansprüche vieler Abiturienten und Eltern. Teure Ballkleider und Anzüge und sehr anspruchsvolles Catering treiben die Kosten nach oben und diskriminieren auch Abiturienten von einkommensschwächeren Eltern“, so Janson weiter.

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