Oldesloer startet Petition gegen neues Gewerbegebiet

Lübecker Nachrichten   20.02.2020

Anwohner, Naturschützer, aber auch Bauern betrachten die Versiegelung weiterer Ackerflächen im Außengebiet von Bad Oldesloe mit großen Vorbehalten – 103 Gegner haben schon unterschrieben

Von Dorothea von Dahlen

Das Gewerbegebiet am Rögen soll hinter der Spedition Schmechel erweitert werden.foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Etliche Jahre war Bad Oldesloe von neuen Gewerbeansiedlungen mehr oder weniger ausgenommen. Das ändert sich offensichtlich gerade. Nicht nur, dass der Online-Händler Amazon und neuerdings auch Asklepios sich im privat vermarkteten Gebiet an der B 208 niederlassen werden, die Nachfrage nach verkehrsgünstig gelegenen Grundstücken in der Kreisstadt nimmt offenbar wieder zu. Bürgermeister Jörg Lembke zufolge „ist der Druck ungebrochen“. Um interessierten Unternehmen freie Flächen bieten zu können, sei die Erweiterung des bereits bestehenden Gewerbegebiets B 86 in nördlicher Richtung unabdingbar. Doch regt sich offenbar auch Protest. Gegen die Neuausweisung ist eine Online-Petition gestartet worden.

Ein rechtskräftiger Bebauungsplan existiert für das etwa 30 Hektar große Areal, das im Norden an die Grabauer Straße und im Süden an das Gewerbegebiet am Rögen grenzt, noch nicht. Lembke zufolge haben aber dort schon ansässige Unternehmen nach Möglichkeiten gefragt, dort zu expandieren. Insofern sei es sinnvoll, dieses Gebiet planerisch mit großer Priorität zu behandeln. Sicherlich trage auch die geplante Ertüchtigung des alten Industriegleises dazu bei, neue Firmen für den Standort Bad Oldesloe zu interessieren.

Das begrüßen wohl nicht alle Oldesloer. So wurde auf der Plattform Change.Org eine Petition gegen das Vorhaben ins Leben gerufen. Der Urheber, ein Oldesloer namens „Markus B.“, der nach eigenen Angaben selbst betroffen ist, kritisiert, dass die Stadt Bad Oldesloe mit der Neuausweisung Entwicklungsmöglichkeiten für den Wohnungsbau aus der Hand gibt. Die unmittelbar angrenzende Siedlung, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sei – inklusive Kita und Schule – bekomme „ein Gewerbegebiet direkt vor die Nase gesetzt“.

Der Beschwerdeführer hat seine Bittschrift gleichermaßen an Bürgerworthalterin wie Bürgermeister gerichtet. Die Bewohner des familienfreundlichen Umfelds müssten mit den negativen Folgen leben wie etwa einer höheren Immissionsbelastung und dem Anstieg des Verkehrsaufkommens, schreibt er. Letzteres stelle eine Gefahr für die Sicherheit der Kinder auf ihrem Schulweg dar.

Zu den 103 Unterzeichnern, die sich bis dato gegen eine Erweiterung des Gebiets ausgesprochen haben, zählt auch der Natur- und Artenschützer Dr. René Sternke. „Ich habe mich mit den Petetenten solidarisiert, weil durch den Ausbau des Gewerbegebietes Lebensräume für Wildtiere und Wildpflanzen verloren gehen. Ich hatte weiterhin den Eindruck, dass die Anwohner eine Herabminderung ihrer Lebensqualität befürchten. Auch ihr Anliegen, ihr gewohntes Lebensumfeld zu erhalten, scheint mir verständlich und unterstützenswert“, schreibt er auf Anfrage der LN. Insbesondere durch den Ausbau der Windkraft, aber auch andere Formen der Industrialisierung würden die Lebensräume der geschützten Arten gegenwärtig drastisch verknappt.

Verknappen wird sich aber auch landwirtschaftlich nutzbares Gebiet rund um die Kreisstadt. Dass bis dato als Acker genutzte Flächen wie diese umgebrochen werden, um darauf Gewerbe anzusiedeln, stößt deshalb auch den Landwirten sauer auf. „Grundsätzlich haben wir uns als Verband auf die Fahnen geschrieben, uns für einen sparsamen Flächenverbrauch einzusetzen. Die zunehmende Zersiedlung und Versiegelung des Bodens bereitet uns Sorgen“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Dessen Mitglieder verlören eine wichtige Existenzgrundlage. Außerdem sei der Ackerboden ein durchlässiger Wasserspeicher und trage zum Klimaschutz bei. Nicht zuletzt führe der Verlust von Flächen zu erheblichen Preissteigerungen. Inzwischen sei mit einem Hektarpreis von durchschnittlich 40 069 Euro ein Zenit erreicht.

Und doch betrachtet Koll die Situation pragmatisch. Vergessen werden dürfe nicht, dass Bad Oldesloe als zentraler Ort gehalten sei, den Menschen Arbeitsplätze bieten zu können. Insofern werde sich der Verband Ansiedlungen gegenüber nicht versperren. „Wir werden sehen, ob sich dort anderes Gewerbe als der kritisierte Versandlogistiker ansiedeln wird. Insofern betrachten wir die Erweiterung mit einem weinenden und einem wachsamen Auge“, sagt Koll.

Der Verfasser der Petition schlägt im Übrigen vor, das neue Gewerbegebiet weiter nach Westen hin zu verschieben. Statt direkt ans Oldesloer Westend anzugrenzen, könne alternativ eine gleich an die Biogasanlage anschließende Fläche für das Projekt genutzt werden.

Ob sich das realisieren lässt, ist fraglich. Zum einen hängt eine solche Entscheidung vom Interesse des Eigentümers ab, zum anderen rechnen womöglich schon im Rögen ansässige Betriebe damit, nach Norden in das neue Gebiet zu expandieren.

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