Betrachtungen zum Wochenausklang: Was die Gemüter erhitzt…

Stormarner Tageblatt  22.02.2020

Stormarner Wochenschau

Was die Gemüter erhitzt…

Patrick Niemeier und Cordula Poggensee

Ein Platz mit ohne Nun ist er also weg: der Muschelläufer. Und das Rondeel quasi verwaist. Keiner weiß, für wie lange der überdimensionierte Mann im blauen Anzug auf dem noch mehr überdimensionierten Schneckengehäuse untersucht werden muss, ob er wieder aufgepäppelt werden kann oder er es überhaupt wieder schafft. Fast 15 Jahre stand die Plastik auf dem idyllischen Platz, immer im Blick der Fußgänger und Café-Besucher. Und tat, was er offenbar am besten konnte: Gemüter spalten. Die einen fanden ihn ganz okay, die anderen schrecklich. Im Grunde die perfekte Ausstattung für diesen Platz, denn wenn den Besuchern die Gesprächsthemen ausgingen, ließ sich immer noch über den Muschelläufer erklecklich streiten. Und nun? Der große Blonde mit dem blauen Anzug gehört weiter zum Rondeel. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er im Augenblick gar nicht da ist: Und so ist das Rondeel jetzt der Platz mit ohne Muschelläufer…

Leinen los Landleben und Hund – das passt zusammen. Allerdings gilt das häufig eher für die beteiligten Menschen, denn „Land und Hundeleben“ bedeutet für die Vierbeiner auch in der ländlichen Gemeinde Leinenzwang. Weder innerhalb der Orte noch außerhalb oder in den benachbarten Wäldern dürfen Hunde häufig das tun, was sie am meisten mögen: Frei herumrennen und toben. Ganz abgesehen davon, dass die Vierbeiner durch das Herumtollen mit anderen Hunden ein artgerechtes Sozialverhalten lernen, müssen sie auch auf den Spaß an der Bewegung verzichten. Entsprechend ist der Vorstoß in Trittau, in der Gemeinde eine große Freilauffläche für Hunde anzulegen, sowohl für die Tiere als auch für ihre Besitzer ein Grund zu Freunde. Und wenn der Zaun erst steht, heißt es mitten auf dem Land: Leine los….

in der Opferrolle Dass es für die Landwirte nicht einfach ist, dass sie sich immer mehr Bürokratie ausgesetzt fühlen, was zu Frust führt, ist verständlich. Dass sie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten – das ist Fakt. Dass sie nicht fair vom Lebensmittelhandel behandelt werden, ist ein Unding. Da muss man ansetzen und gesamtgesellschaftliche Lösungen finden, die auch sehr viel mit Konsumverhalten und Kapitalismuskritik zu tun haben. Es braucht den Dialog und das Miteinander. Das war auf dem Kreisbauerntag durchaus Thema. Immer wieder wurde der Dialog gefordert. Doch teilweise vermisste man dabei ein wenig mehr Selbstkritik. Es wirkte in manchen Beiträgen so, als werde den Landwirten übel mitgespielt, als seien die Verbraucher undankbar, als sei die Gesellschaft undankbar. Doch andererseits wäre jeder Landwirt ohne seine Abnehmer seine Existenzberechtigung los. Klimaschutz und Tierschutz sind nicht erfunden worden, um Landwirte zu gängeln, sondern entstehen aus Notwendigkeiten heraus. Fakt ist: Die Opferrolle steht den eigentlich doch selbstbewussten Landwirten nicht.

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