Warten aufs schnelle Internet

Lübecker Nachrichten   25.02.2020

In Oldesloe hapert es bisher an der digitalen Infrastruktur – Digitalpakt soll Abhilfe schaffen

Von Susanna Fofana

Bad Oldesloe. Schülerinnen und Schüler sollen immer besser auf das Leben in einer digitalen Welt vorbereitet werden. Finanzielle Unterstützung beim Aufbau bestimmter Standards bekommen die Schulträger jetzt durch den vom Bund aufgelegten Digitalpakt. Die Stadtschule gehört zu den digitalen Vorreitern in der Kreisstadt. „Die I-Pads sind täglich im Gebrauch“, betont Schulleiterin Sabine Prinz. Vor weniger als zwei Jahren wurden die ersten zwei Modellklassen der Grundschule mit I-Pads ausgerüstet. Mittlerweile gibt es 26 Geräte pro Klassenstufe. „Dürfen wir I-Pad spielen?“ fragt ein Schüler der Eisbären-Klasse seinen Lehrer Ben Hintz, der sich gemeinsam mit Sven Klusmann und David Berner um die neue Technik an der Schule kümmert.

Wie dieser Schüler empfinden viele das Lernen am I-Pad als Spiel. Die Lern-App kann sogar wie ein Spiel aussehen, wenn Flugobjekte auf richtige Ergebnisse gesteuert werden. Hintz: „Es eröffnet eine neue Kreativität.“ Prinz ergänzt: „Es ist eine sachgerechte Form der Motivation. Lernprozesse werden optimiert.“ Die Eisbären-Klasse hat gerade ein Hörspiel erstellt. Dafür hätte man früher ein Tonstudio gebraucht. Zuerst wurde das Märchen geschrieben, dann das deutliche Vorlesen geübt, Bilder wurden eingefügt. Jeder Schüler konnte in seinem Tempo üben und sich mit anderen über die Ergebnisse austauschen. Hintz ist begeistert: „Sie kamen mit einem tollen Ergebnis wieder.“

Mit der App „Classroom“ kann sich der Lehrer in jedes Gerät einschalten. Ein blaues Feld mit Monitor zeigt dem Schüler dann an, dass er gerade beobachtet wird. Inhalte können geteilt werden und zudem alle Geräte via WLan oder Bluetooth mit dem großen Flatscreen-Fernseher verbunden werden. Derzeit hakt es in der Stadtschule noch an der Geschwindigkeit, mit der das Internet in die Klassen kommt. Die drei Minuten, die es jetzt dauert, bis sich alle anmelden können, da die Leitung schwächelt, „sind einfach zu lang“, sagen die Lehrer. Sie wünschen sich eine stabile, schnelle Internetleitung und Support, wenn sie wirklich einmal Probleme haben.

Bad Oldesloe ist eine von insgesamt 31 finanzschwachen Gemeinden in Schleswig-Holstein, die für die Digitalisierung ihrer Schulen eine Vollfinanzierung vom Land erhalten. Die Stadt bezahle zum Digitalpakt „keinen Eigenanteil“, erläutert Sylvia Frautz, die in der Verwaltung als Sachbereichsleiterin für Schulen, Sport und Kindertagesstätten zuständig ist. In diesem Fall profitiert die Stadt als Schulträger von der Fehlbedarfszuweisung im Jahr 2017. Eine Vollfinanzierung gibt es ansonsten im Kreis Stormarn nur noch für Ammersbek und Rethwisch. Letzteres wird sich laut Thomas Sobczak, Fachbereichsleiter Bürgeramt, auf den Oldesloer Schulverband auswirken.

Insgesamt bekommt die Stadt Bad Oldesloe als Schulträger von sieben Schulen mit mehr als 3000 Mädchen und Jungen vom Land innerhalb der nächsten fünf Jahre rund 1,2 Millionen Euro. Der Löwenanteil wird zum Aufbau einer verlässlichen und schnellen digitalen Infrastruktur benötigt. Erst danach kommen die Wunschlisten der Schulen für digitale Endgeräte an die Reihe. Schnelles Internet soll später einmal überall in den Oldesloer Schulen verfügbar sein – auch in verwinkelten Altbauten, wo derzeit zwar eine schnelle Internetleitung via Glasfaser die Schule erreicht, doch innerhalb des Gebäudes auf der Strecke bleibt. Bis auf die Schule am Kurpark sind bereits alle Oldesloer Schulen an das Glasfasernetz angeschlossen.

Der erste Schritt in Richtung Digitalpakt soll die Aufstellung eines Datencontainers sein, den man sich wie einen Schiffscontainer vorstellen soll. Der künftige Standort ist im Oldesloer Schulzentrum angedacht. Die Aufstellung wird in diesem Jahr den Anfang der Maßnahmen im Rahmen des Digitalpakts für die Oldesloer Schulen bilden. Die ersten 250 000 Euro im Fünf-Jahres-Plan hat der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss bereits freigegeben. Bevor es konkret losgeht, müssen jedoch jeweils Förderanträge gestellt und Zuwendungsbescheide abgewartet werden.

Landesweit haben die 250 Schulträger bis Anfang Februar seit September 2019 erst sieben Anträge gestellt und bis zu dem Zeitpunkt wurde auch noch kein einziger Zuwendungsbescheid erteilt. Die Schulen werden sich noch etwas gedulden müssen, bis es zu spürbaren Verbesserungen im Unterrichtsbetrieb kommt. Denn zuerst muss die komplette Erneuerung der Server-Infrastruktur erfolgen.

Laut IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein) dauert der Internetanschluss mit Glasfasertechnologie aufgrund von Bauarbeiten bis etwa Spätsommer dieses Jahres. Mit der Zentralisierung der Server rechnet die Stadt bis Anfang 2021, der Anschluss an das Schulportal Schleswig-Holstein wird auf Frühjahr 2021 geschätzt. Der Löwenanteil der Fördersumme landet mit rund
387 000 Euro bei der Theodor-Mommsen-Schule mit ihren mehr als 1000 Schülerinnen und Schülern. Für die Ida-Ehre-Schule mit circa 822 Kindern und Jugendlichen sind rund 294 000 Euro vorgesehen.

Derzeit sind von der Stadtverwaltung mit der Umsetzung des Digitalpakts zwei Kollegen aus dem IT-Bereich und eine Kollegin aus dem Sachbereich Schulen beschäftigt. Die Projektdurchführung soll laut Verwaltung im Zeitumfang einer halben Stelle extern vergeben werden. Die Umsetzung setzt einen regelmäßigen Austausch mit den Schulen voraus. Viele Maßnahmen sollen parallel angeschoben werden.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.