Bildungskarten liegen noch immer in der Schublade

Lübecker Nachrichten   27.02.2020

Stormarner Familien warten seit vier Jahren, bequem Angebote aus dem Bildungspaket abrufen können – Doch die Ausgabe verzögert sich weiter

Bad Oldesloe. Wird es eine unendliche Geschichte bleiben oder nimmt alles einen krönenden Abschluss? Zu Spekulationen, wann die Bildungskarte letztlich in Stormarn eingeführt wird, mag sich derzeit niemand aus der Politik hinreißen lassen. Schließlich ist das Thema seit Sommer 2016 akut. Damals einigten sich die Kreistagsabgeordneten darauf, dass das nach Meinung vieler Experten unkomplizierte digitale Abrechnungssystem eingeführt wird. Schließlich hängt das althergebrachte Antragsverfahren in Papierform die Hürden so hoch, dass nur bei wenigen der eigentlich berechtigten Familien Geld aus dem Bildungspaket der Bundesregierung tatsächlich ankommt.

Auf eine Erleichterung der Abwicklung hoffen auch Sportvereine oder andere Träger, die Freizeit- oder Bildungsangebote für Kinder aus nicht so begüterten Verhältnissen bereithalten. Beim jüngsten Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistags stand das Thema zum erneuten Mal auf der Agenda. Der Beschlussvorlage zufolge liegen die Plastikkarten bei der Verwaltung schon in der Schublade. Dass sie noch nicht ausgeteilt worden seien, habe an erneuten Abstimmungen bezüglich des Datenschutzes gelegen, heißt es in dem Papier.

Nach einem Bericht aus dem zuständigen Fachbereich der Kreisverwaltung, der mündlich vorgetragen wurde, sollen diese Probleme inzwischen aber ausgeräumt sein. Laut der Ausschussvorsitzenden Margot Sinning sollen die Verträge mit dem Kartenanbieter Sodexo inzwischen abgeschlossen und an alle teilnehmenden Kommunen zum Gegenzeichnen verschickt worden sein. Nun warte man nur noch darauf, dass sie unterschrieben zurückkommen. Dann könne es mit der Kartenausgabe losgehen.

Glücklich zeigt sich Margot Sinning über das schleppende Verfahren nicht. „Wir reden hier über eine Zeitspanne, die schwierig ist, um es höflich auszudrücken“, sagt sie. Immerhin der Auftrag an die Verwaltung schon 2016 erteilt worden. Nach jahrelangem Stillstand sei einer neuen Mitarbeiterin das Projekt in die Hand gedrückt worden, die es in sechs Monaten auf den aktuellen Stand gebracht habe. „Alle sind genervt. Aber man muss sagen, dass dies kein optimales Licht auf uns als Kontrollorgan wirft“, sagt die Ausschussvorsitzende.

Zeit habe freilich auch die Ausschreibung in Anspruch genommen, die bei Projekten dieser Art zwingend vorgeschrieben sei. Nicht zuletzt habe auch eine Änderung im Datenschutz für weiteren Verzug bei dem Projekt gesorgt.

Auf Anfrage teilt Dr. Edith Ulferts, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit bei der Kreisverwaltung mit, dass bisher noch keine der angeschriebenen Kommunen den Vertrag unterzeichnet hat. Insofern steht der Termin für die Ausgabe der Karten weiter in den Sternen. Bezüglich der Angebote hat es ihrer Information auch keine Änderung gegeben. Bezuschusst werden die drei Bereiche Mittagsverpflegung, soziokulturelle Veranstaltungen und Lernförderung.

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