Klima- und Brandschutz: Kreis will nachhaltiger bauen

Lübecker Nachrichten   04.03.2020

Stormarn ist landesweit Vorreiter beim Klimaschutz – Jetzt will der Kreis seine eigenen Gebäude und  künftige Gewerbegebiete auf Nachhaltigkeit trimmen

Von Marcus Carstens

Bad Oldesloe. Bauen und Gewerbeentwicklung sind zwei essenzielle Planungsgebiete des Kreises Stormarn. Für beide Bereiche soll künftig verstärkt der Aspekt Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, soweit es in der Macht des Kreises steht. Die CDU hat dafür einige Vorschläge entwickelt, die am 4. März im Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss diskutiert werden sollen. Konkret geht es um fünf Punkte:

■ 1. Bei der Planung künftiger Bauvorhaben des Kreises sind, soweit technisch möglich, langlebige und recycelbare Baustoffe einzusetzen. Verbundbaustoffe sind, soweit möglich, zu vermeiden, da sie im Falle eines Abrisses oder eines Umbaus als Sondermüll entsorgt werden müssen.

„Wir wollen die Brandgefahr auf ein Minimum reduzieren und keinen Sondermüll mehr auf unseren Dächern verbauen“, betont Ausschuss-Vorsitzender Wolfgang Gerstand (CDU). Pappe und Bitumen seien gute Stoffe, die viele Architekten auch noch bevorzugten, allerdings eben auch mit den entsprechenden Risiken. „Wir wollen Klimaschutz und vorbeugenden Brandschutz“, sagt Gerstand. Und auf lange Sicht gesehen werde es auch günstiger, wenn keine teuren Sanierungen anfallen.

Mit dem Bauamt des Kreises hat Wolfgang Gerstand bereits Rücksprache gehalten, und die anderen politischen Fraktionen stünden den Plänen auch sehr aufgeschlossen gegenüber. „Im Grunde ist das ja alles nichts Neues, im Industriebau wird seit 20 Jahren so verfahren“, erklärt der CDU-Mann aus Bad Oldesloe. Im Bereich öffentlicher Gebäude gebe es aber im ganzen Norden noch erheblichen Nachholbedarf.

■ 2. Bei der Planung sind regenerative Energiesysteme einzuplanen. Photovoltaik-Anlagen auf Dächern und an Fassaden, Heizsysteme mit erneuerbaren Energien und Gründächer sind zu bevorzugen. Das neue Rettungszentrum in Hammoor soll bereits weitgehend nach den neuen Standards erbaut werden.

■ 3. Bei Flachdächern sind „kraftschlüssig verbundene Dachaufbauten“ zu vermeiden, da zum Beispiel verklebte Bitumen-Dachaufbauten einschließlich der Wärmedämmung als Sondermüll bei einer Sanierung oder Reparatur teuer entsorgt werden müssten. Zu bevorzugen sind lose verlegte und mechanisch gesicherte Systeme. Die dann verwendeten Dachbaustoffe können sortenrein aufgenommen werden und entweder einer anderen Verwendung oder dem Recycling zugeführt werden. Aus Brandschutzgründen sind Dachbaustoffe zu vermeiden, die mit offener Flamme verlegt werden und eine hohe Eigenbrandlast besitzen.

■ 4. Flächenmanagement: Die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) wird gebeten, bei der Neuplanung von Gewerbegebieten darauf zu achten, dass der Flächenverbrauch minimiert wird. „Viele kleinere und mittlere Betriebe benötigen relativ wenig Lager- und Bürofläche“, erklärt Gerstand. „Derartige Betriebe könnten in einem großen Baukörper zusammengefasst werden. Stichwort Kompetenzzentrum, Zentrum für Handwerk, Gründerzentrum oder wie auch immer.“ Bei einem zweigeschossigen Baukörper könnten im Erdgeschoss Lagerraum und im 1. Obergeschoss Raum für Büros geschaffen werden. Entsprechende Beispiele gebe es bereits. „Da wo es möglich ist, sollte auch in die Höhe gebaut werden.“

WAS-Chef Detlev Hinselmann denkt ebenfalls bereits in diese Richtung, auf einer vorherigen Sitzung des Bauausschusses hatte er entsprechende Pläne und Möglichkeiten vorgestellt, zum Beispiel auch, was Parkflächen angeht. Gewerbeflächen würden immer knapper, doch die Nachfrage von Unternehmen sei weiterhin hoch, sagte Hinselmann vor Kurzem. Und nicht nur Wolfgang Gerstand rechnet mit weiteren Anfragen von ansiedlungswilligen Firmen in den kommenden Jahren. Gerstand: „Man denke nur an die Feste Fehmarnbelt-Querung.“ Schon jetzt werde das Gebiet zwischen Fehmarn und Hamburg für Skandinavier immer interessanter.

■ 5. Bei der Anlage/Erstellung von Ausgleichsflächen ist darauf zu achten, dass diese Flächen möglichst im Verbund mit anderen, bereits vorhandenen Flächen angelegt werden, um so größere Biotopverbundsysteme zu schaffen.

Die Sitzung des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses findet heute, 18 Uhr, im Raum F 22 der Kreisverwaltung statt.

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