Wie viel Schulsozialarbeit braucht Bad Oldesloe?

Stormarner Tageblatt  06.03.2020

Der Alltag in den Schulen wird rauer / Kinder- und Jugendbeirat setzt sich für mehr Schulsozialarbeiter ein

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Mobbing, psychische Probleme, körperliche Auseinandersetzungen: Der Alltag an weiterführenden Schulen in Bad Oldesloe ist rauer geworden. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Bildungs- , Kultur- und Sozialausschusses (BSKA) der Stadtverordnetenversammlung deutlich. Mehrfach war in vergangenen Jahren über das Thema Schulsozialarbeit debattiert und abgestimmt worden. Mit der Tatsache, dass keine neuen Stellen geschaffen wurden, möchte sich der Kinder- und Jugendbeirat nicht abfinden. Und so nutzte der Beirat sein Antragsrecht und stellte im BSKA die Forderung, jeweils einen neuen Schulsozialarbeiter an der Ida-Ehre-Schule (IES) und an der Theodor-Mommsen-Schule einzustellen.

Die Liste an Herausforderungen und Aufgaben, die die Jugendlichen bei den Sozialarbeitern sehen, ist lang. Lennard Hammelberg, Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats, machte deutlich, dass vorhandene Probleme mit mehr Sozialarbeitern schneller in den Griff zu bekommen seien, zugleich würden Folgeprobleme der Gesellschaft erspart.

Mit Miriam Rohde, Kunstlehrerin an der IES, hatte der Beirat eine Mitstreiterin an der Seite, die aus dem Schulalltag berichtete: „Wir sind immer häufiger in Unterrichtssituationen mit verschiedensten Problemen konfrontiert. Seien es körperliche oder seelische Beeinträchtigungen“, so Miriam Rohde: „Schüler nehmen sich im Raum der Schulsozialarbeit auch einfach gerne mal eine Auszeit, wenn sie sie brauchen“, weshalb es wichtig sei, dass der entsprechende Bereich immer besetzt sei. Auch die Elternarbeit werde immer herausfordernder „In der Oberstufe haben wir es immer häufiger mit psychischen Erkrankungen bei Schülern zu tun. Lehrer kommen an ihre Grenzen“, so die Lehrerin.

Der Vorschlag des Kinder- und Jugendbeirats, dass zwei neue Stellen aus dem Etat für nicht besetzte Stellen der Verwaltung bezahlt werden könnten, ist juristisch nicht praktikabel, wies Bürgermeister Jörg Lembke den Vorstoß der Jugendlichen zurück.

„Ich finde es bedenklich, auf welche Art und Weise dieses Thema hier erneut auf den Tisch kommt. Ich bin erschrocken, wie der Kinder- und Jugendbeirat sich scheinbar instrumentalisieren lässt“, führte Anita Klahn (FDP): „Wir benötigen eine Übersicht und Richtlinien für die Schulsozialarbeit in Bad Oldesloe. Erst dann kann man gerecht entscheiden.“ Klahn musste sich dafür Kritik von Grünen, Freien Wählern, Linken und Familienpartei anhören.

„Ich habe viel Sympathie für den Ansatz von Frau Klahn“, so Jörn Lucas (CDU). „Den Bedarf bestreitet niemand, aber es muss auch eine Gegenfinanzierung geben“, so Andreas Lehmann (CDU). Die Christdemokraten schlugen daher als Kompromiss zwei halbe Stellen vor. Zu wenig aus der Jugendlichen, der Linken, der Grünen und der Familienpartei zu wenig. „Das wirkt wie ein Alibibeschluss. Man weiß, dass daraus nichts wird“, so ein aufgebrachter Hendrik Holtz (Die Linke). „Man wird dann keine Mitarbeiter für diese halben Stellen finden und damit hat es sich dann wieder erledigt. Das ist politisches Kalkül“, glaubt auch Wolfgang Schmidt (Freie Wähler).

Mehrheitlich wurde der Antrag der Jugendlichen abgelehnt. Der CDU-Antrag, den die SPD identisch auch stellen wollte, wurde mehrheitlich angenommen.

Die Liberale Klahn ließ sich von persönlichen Angriffen nicht aus der Ruhe bringen und setzte sich mit ihrem Antrag durch, dass eine Übersicht und Richtlinien erarbeitet werden sollen. Die Jugendlichen reagierten enttäuscht. „Für uns ist das Ding damit nicht durch“, so Hammelberg. „Wir bringen den Antrag erneut ein“, sagt er.

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