Absagen und Fragezeichen

Stormarner Tageblatt  13.03.2020

Oldesloer Kultur- und Veranstaltungsbereich vor Herausforderungen / Vogelschießen und Stadtfest fraglich

Das Kultur- und Bildungszentrum (Kub) in Bad Oldesloe ist ein Veranstaltungsort, der weit über die Kreisstadt hinaus Bedeutung erlangt hat. niemeier
Das Kultur- und Bildungszentrum (Kub) in Bad Oldesloe ist ein Veranstaltungsort, der weit über die Kreisstadt hinaus Bedeutung erlangt hat. niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Kaum eine Stunde vergeht, in der nicht eine Vielzahl an Absagen eintrifft. Was findet derzeit noch statt? Was wird – sogar kurzfristig – aufgrund der aktuellen Entwicklung in Sachen Coronavirus abgesagt? Die Veranstaltungsübersicht für jeweils zwei Tage, die die Leser und Leserinnen des Stormarner Tageblatts gewohnt sind, ist tatsächlich schon bei Drucklegung Makulatur. Darauf wollen wir einstweilen verzichten.

Donnerstag am Nachmittag beispielsweise wollte das Kub erläutern, wie das angekündigte hochkarätige Veranstaltungsprogramm der kommenden Tage und Wochen über die Bühne gehen soll. Dann aber trat der Kreis Stormarn auf den Plan mit einer Mitteilung, die unteranderem im Kub eine Krisensitzung zur Folge hatte.

Der Grund: Der Kreis Stormarn untersagt nämlich mit einer Allgemeinverfügung die Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern im Kreis Stormarn bis einschließlich 10. April 2020. „Bei Veranstaltungen dieser Art besteht regelmäßig ein hohes Risiko, das Virus zu übertragen und schnell zu verbreiten“, begründete der Kreis die Maßnahme. Nicht betroffen sind jedoch Schulen, Arbeitsplätze oder ÖPNV, die keine Veranstaltung in dem Sinn sind.

Darüber hinaus dürfen Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 50 Personen nur durchgeführt werden, wenn die Einhaltung geforderter Maßnahmen seitens des Veranstalters sichergestellt ist. Öffentlich zugängliche Veranstaltungen ab einer Teilnehmerzahl von 50 Personen sind dem Gesundheitsamt des Kreises Stormarn vor Veranstaltungsbeginn anzuzeigen.

„Als ich heute morgen zur Arbeit kam, wusste ich auch nicht, wie der Tag sich entwickeln würde“, ist Bad Oldesloes Stadtsprecherin Agnes Heesch am Donnerstagabend ein wenig außer Atem. Am späten Nachmittag gab es ein Krisengespräch mit dem Veranstaltungsmanagement und dem Kulturbüro der Stadt rund um Inken Kautter.

Kautter hatte bereits am Mittag berichtet, dass langsam immer mehr Absagen oder Verschiebungen eintrudeln. Zunächst war die Marschroute, dass vor allem Veranstaltungen mit Beteiligungen von Risikogruppen oder Senioren abgesagt werden. Das gilt für die VHS bis zum Veranstaltungsprogramm. „Das Kino am Nachmittag wird gestrichen und erste Künstler sagen ab“, so Kautter. Betroffen sind davon vor allem internationale Künstler. „Sie können schlichtweg aktuell nicht einreisen oder sie wissen nicht, wie sich das in ein paar Wochen verhält. Ganze Tourneen werden ja aktuell abgesagt“, so Kautter. Dementsprechend ist zum Beispiel das „Trolska Polska“ Big City Light Konzert in Kooperation mit Klngstdt in Absprache mit den skandinavischen Künstlern vom 29. März 2020 auf den 13. März 2021 verlegt worden.

Schlecht sieht es laut Heesch mit dem beliebten Pflasterart-Festival aus, das Mitte Mai stattfinden sollte. „Da treten ja internationale Künstler auf. Wir können uns gerade nicht vorstellen, dass das überhaupt logistisch funktioniert“, so Heesch. „Wir sind da mit den Veranstaltern im engen Kontakt und es wird gemeinsam entschieden“, so Heesch.

Das gilt auch für das Stadtfest und Vogelschießen. „Wir halten es für eine wahrscheinliche Variante, dass wir schauen müssen, ob wir diese Veranstaltungen verschieben können“, so Heesch. Wichtig sei für Organisatoren ja auch, dass sie Planungssicherheit haben. Der Juni sei aber nicht mehr weit weg. „Wir werden hier kurzfristig Gespräche führen. Von unserer Seite ist die Wahrscheinlichkeit, dass verschoben werden muss oder abgesagt, leider relativ hoch“, erklärt Heesch. „Gesundheit und Sicherheit gehen vor“, stellt sie klar.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.