Eltern verständnisvoll – Nur wenige Kinder in der Notbetreuung

Lübecker Nachrichten   17.03.2020

Leere Klassenräume und Flure in den Oldesloer Schulen – Der große Run der Eltern auf die Notfallbetreuung blieb auch  andernorts aus

Von Sandra Freundt und Markus Carstens

Bad Oldesloe. „Schließung von Schulen und Kindertagesstätten ab Montag, allerdings mit einer Notfallbetreuung für Kinder der Klassen 1 bis 6, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, beispielsweise im Gesundheitswesen, und dazu einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie leisten“ – so lautete der Erlass der Landesregierung am vergangenen Freitag.

Speziell diese Notfallbetreuung bereitete einigen Schulleitern Sorge, da nicht abzusehen war, wie viele Familien dieses Angebot nutzen würden. Und auch viele Eltern waren verunsichert, so dass beim Familienzentrum der Oase die Drähte am Freitag heiß liefen. „Wir konnten viele jedoch beruhigen und alle zeigten sich einsichtig“, berichtete Oase-Chefin Wiebke Finck. „Ein Vater sagte sofort, dass er in dieser Situation selbstverständlich Urlaub nehmen werde“, sagte Fick erfreut. Die Oase bietet grundsätzlich nicht nur eine Notfallbetreuung an, sondern organisiert auch Ganztagsangebote an Oldesloer Schulen. Beides fällt nun jedoch größtenteils aus – zunächst bis zum 19. April.

Die Lage an den Schulen blieb dann auch entspannt: An der Theodor-Storm-Schule gab es tatsächlich gar keinen Betreuungsbedarf, Schulleiter Martin Nirsberger betonte aber: „Sollte sich für Dienstag und Mittwoch noch Bedarf zeigen, sind wir selbstverständlich vor Ort.“ An der Ida-Ehre-Schule waren es zwei Kinder, die sich zur Betreuung einfanden. „Mit ihnen werden unterrichtsrelevante Themen besprochen, zwischendurch allerdings auch Brettspiele gespielt“, sagte der stellvertretende Schulleiter Sven Baumann, der auch für die folgenden Tage ein Notfallteam vor Ort hat. „Mehr als diese dürfen sich in der Schule auch nicht aufhalten“, ergänzt Henning Bergmann, Schulleiter der Theodor-Mommsen-Schule, der einen Schüler in der Betreuung hat. Diese Erweiterung des eigentlichen Erlasses gilt seit Montag bis zunächst Mittwoch.

Auch an den Grundschulen blieb die Lage übersichtlich: „Bei uns hätten die Schüler dank eines Schulentwicklungstages heute sowieso schulfrei gehabt“, erklärt Sascha Plaumann, Leiter der Schule am Masurenweg, der am Montag lediglich zwei Kinder zu betreuen hatte. „Ich glaube nicht, dass es die nächsten Tage mehr werden“, erklärte er.

Während die Stadtschule mit vier Kindern auch nur minimal mehr zu verzeichnen hatte, fanden sich an beiden anderen Grundschulen – der Klaus-Groth-Schule und der Grundschule West – mit jeweils knapp zehn Kindern am Vormittag und jeweils vier für den Nachmittag im Verhältnis gesehen schon fast viele in den Lerninstituten ein. „Ob diese tatsächlich alle Eltern in den aufgeführten Berufen haben, haben wir nicht nachgefragt. Dafür sind die Schulen selbst zuständig“, erklärte Andrea Kefrig-Blase von der Oase, der die Betreuung von Kindern dieser beiden Schulen obliegt. „Wir haben dabei – anders als bei unserer Ferienbetreuung – bewusst Mitarbeiter an beiden Einrichtungen vor Ort, um die Vermischung zu vermeiden“, betont sie. Zudem werden ihre Schützlinge angehalten, bestimmte Verhaltensregeln zu beachten. „Nach draußen auf den Schulhof gehen wir aber schon, schließlich ist frische Luft gut.“

Auch woanders im Kreis Stormarn das gleiche Bild: In die Matthias-Claudius-Grundschule in Reinfeld kamen gestern Morgen ganze vier von 474 Schülern. „Schön, dass es offenbar überall noch familiäre Netze gibt, die solche Engpässe auffangen können“, sagte Schulleiterin Anke Rohweder den LN und sprach von einer insgesamt entspannten Atmosphäre. Kollegen, die der Risikogruppe zuzurechnen sind, seien gestern zu Hause geblieben.

An der Dörfergemeinschaftsschule Zarpen mussten Eltern im Vorwege einen Antrag ausfüllen, um in den Genuss der Notfallbetreuung zu gelangen – mit dem Ergebnis, dass lediglich ein einziges Kind zum Schulbeginn am Montag kam.

Auch in den Kindergärten blieb der große Ansturm auf die Notfallbetreuung aus. „Die Eltern sind sehr einsichtig und haben andere Möglichkeiten gefunden“, sagte Oldesloes Pastorin Anke Vagt, die als Vorsitzende des Kita-Ausschusses die drei Kindertagesstätten der evangelischen Kirchengemeinde betreut. In allen drei Kitas seien nur einzelne Kinder von den Eltern gebracht worden. In den meisten anderen Stormarner Kitas war die Lage ähnlich. Das bestätigte zum Beispiel auch das DRK, das in Stormarn Träger von 23 Kitas ist. Die Erzieher wiederum sind fast alle vor Ort. „Sie können an der Konzeption der Kita arbeiten und Liegengebliebenes aufarbeiten“, erklärte Anke Vagt.

„Wir haben auch Mitarbeiter aus Risikogruppen, die natürlich gerade zu Hause bleiben“, ergänzt Udo Finnern, Geschäftsführer des Stormarner DRK. Auch andere Bereiche wie etwa die ambulante Pflege seien personell ausgedünnt. „Da beschränken wir uns auf das medizinisch Notwendige“, erklärte Finnern. Und alle Pflegedienste hätten zwei Leitungen, die derzeit abwechselnd im Home Office arbeiteten.

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