Einkaufen unter freiem Himmel

Lübecker Nachrichten   19.03.2020

Der Wochenmarkt in Bad Oldesloe wird gut genutzt – Frische Luft sorgt für weniger Angst vor Ansteckung – Es wird mehr gekauft als sonst – Gefragt ist Lagerware

Von Bettina Albrod

Der Wochenmarkt in Oldesloe wird besser besucht als sonst.Fotos: Bettina Albrod

Bad Oldesloe. „Bleiben Sie gesund!“ heißt der neue Gruß in Zeiten von Corona, und auch auf dem Wochenmarkt in Bad Oldesloe hört man ihn am Mittwoch überall. Es ist nicht das einzige Neue auf dem Marktplatz – die Stände wurden mit einem Mindestabstand von 1,50 Meter aufgebaut, und Angebote von Kleidung und nicht essbaren Dingen fehlen ganz. Die entstandenen Lücken werden von Kunden aufgefüllt, denn jetzt kaufen mehr Menschen als sonst auf dem Wochenmarkt ein.

„Das ist das Gute am norddeutschen Wind“, erklärt Jürgen Wulff, der einen Käsestand hat. „Wenn hier einer hustet, wird es gleich vom Winde verweht.“ Keiner fasse die Waren an, das werde sofort unterbunden. Wulff erklärt sich die vielen Einkäufe auch als Folge der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen. „Wenn die Leute Homeoffice machen und Schulen und Kitas dicht sind, dann essen sie auch nicht mehr in Kantine oder Mensa, sondern Zuhause. Dann muss auch mehr eingekauft und für die ganze Familie gekocht werden.“

Einige haben die Familie dabei und ihren Nachwuchs im Schlepptau oder auf den Rücken geschnallt. Überall hört man das C-Wort, nur an einem Stand wehrt man ab: „Kein Corona-Gespräch mehr.“ Trotzdem haben alle das Thema im Hinterkopf. So werde mittlerweile viel mehr als sonst eingekauft, erklären gleich mehrere Händler. „Am Sonnabend war der gesamte Markt leer gekauft“, hat Sonja Lauschke beobachtet, auch ihr Fischwagen ist da keine Ausnahme. „Die Leute kaufen, was sie sehen, der Preis spielt dabei gar keine Rolle.“ Der Wochenmarkt sei ein Freiluft-Supermarkt und biete deshalb gute Hygiene-Bedingungen, das würden die Kunden wollen.

Sie bekommen aber längst nicht mehr alles, was sie wollen. „Auf dem Großmarkt werden Möhren jetzt zugeteilt“, erzählen Anja Schmidt und Alexander Farendorff umgeben von frischem Gemüse. „Jeder bekommt nur noch eine Stiege.“ Die Kunden wollten Lagerware haben, die sich lange hält, deshalb seien Kartoffeln, Spitzkohl, Rüben oder Kürbis schnell weg. „Nur frischen Salat gibt es in Massen, der ist nicht so gefragt.“ Die Kunden würden gebeten, Abstand zu halten, die Waren dürften nicht berührt werden und gingen nur durch wenige Hände: „Die kommen direkt vom Erzeuger.“

„Man achtet mehr auf Hygiene“, bestätigt Kundin Claudia Maercker, die auch immer Desinfektionsmittel dabei hat. Auf dem Wochenmarkt kaufe sie aber ohnehin immer ein. Doch jetzt sei mehr los als gewöhnlich, erklärt Christoph Müller, der ebenfalls Gemüse verkauft. Gekauft würden haltbare Sachen wie Kartoffeln oder Gemüse, das man gut einfrieren könne. Thomas Wilken vom Oldesloer Hof Wilken ist aufgefallen, dass die Leute vorsichtiger werden und mehr Abstand halten. „Es gibt auch keine Selbstbedienung, und die Teller mit den Proben, die sonst überall zum Kosten angeboten werden, sind verschwunden.“ Gleichzeitig sei die Nachfrage gestiegen. Er verkauft schon die letzten Eier einer Palette, dabei ist es noch früh.

Katrin Martin hat sich in einer Schlange angestellt, die sich vor einem Fleisch-Wagen gebildet hat. „Es fällt auf, dass alle größere Abstände halten“, sagt sie. Normalerweise kaufe sie nur sonnabends auf dem Wochenmarkt ein, aber weil sie gerade im Homeoffice arbeite, könne sie mittwochs hingehen. Sie kaufe nicht anders ein als sonst, allerdings mehr: „Ich kaufe für Nachbarn mit ein.“ Statt Nachbarn am Stehtisch zu sein, sind Gerhard Oldag und Klaus-Dieter Auktun heute auf Abstand gegangen und stehen einander gegenüber. „Sonst trinken wir ja nebeneinander Kaffee“, sagt Oldag. „Hier ist viel los, wenn alle zuhause sind, ist schon das Einkaufen ein Event.“

Caroline Hübscher ist gelassen und kauft ein, was sie immer holt. „Erst einmal können wir die Vorräte verbrauchen, die wir noch haben, ehe wir Neues holen“, meint sie. Angst vor dem Verhungern habe sie nicht. „Wir haben drei Hühner, die immer mal ein Ei legen.“ Gelassenheit ist auch Martina Afheldt wichtig, die im Brotwagen steht. „Die Leute kaufen vielleicht mal ein Brot mehr zum Einfrieren“, sagt sie, auch Vollkornbrot sei gefragt, weil es länger haltbar sei. Sie als Anbieter würden zeigen, dass der Wochenmarkt weiterhin da sei und dass es weitergeht.

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