Möglicher Ansturm: Kliniken wappnen sich

Lübecker Nachrichten   18.03.2020

Die Krankenhäuser in Stormarn sehen sich gut aufgestellt, falls sie plötzlich viele Corona-Patienten aufnehmen müssen. Auch die Kreisverwaltung ist im Krisenmodus und richtet ein Bürgertelefon ein.

Von Markus Carstens

Bad Oldesloe. Bislang gibt es noch keinen schwerwiegenden Corona-Fall in einem der Stormarner Krankenhäuser. Doch die Einrichtungen stellen sich darauf ein, dass es nicht so bleiben wird. Auch die Kreisverwaltung hat in den Krisenmodus geschaltet. „Es funktioniert aber alles gut“, versichert Stormarns Landrat Henning Görtz.

Bis gestern wurden im Kreis elf (Vortag acht) bestätigte Fälle gezählt. Die Personen befinden sich allesamt in häuslicher Quarantäne. Laut Landrat Görtz sind die meisten Reiserückkehrer, einen Schwerpunkt gebe es nicht im Kreis. Die genauen Orte werden nicht mehr bekannt gegeben. Die Krankenhäuser seien – aus heutiger Sicht – gut aufgestellt und hätten genug Kapazitäten. Pläne für eventuelle Notkliniken wie im Lauenburgischen gebe es bislang nicht. Das würde auch das Landessozialministerium als Krankenhaus-Aufsicht entscheiden.

In den vorhandenen Kliniken ist man für einen eventuellen Ansturm von Corona-Patienten gewappnet. „Momentan läuft der Krankenhausbetrieb in der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe reibungslos“, sagt Geschäftsführerin Sigrun Senska. „Als spezifische Maßnahmen sind unsere Mitarbeiter, vor allem in den Zentralen Notaufnahmen, mit umfangreichem Schulungsmaterial ausgestattet und durch unser Hygienepersonal direkt informiert worden.“

„Gemäß der Aufforderung der Bundesregierung werden wir unsere internistischen Intensivkapazitäten sukzessive freiräumen und nicht dringend notwendige Operationen verschieben“, erklärt Senska. „Darüber hinaus werden wir bei Ausweitung der Lage unsere Beatmungskapazitäten ausbauen und zusätzliche Intensivbetten bereitstellen.“ Mit den Mitarbeitern stimme sich die Geschäftsführung bezüglich einer eventuellen Kinderbetreuung ab, gegebenenfalls würden Dienste getauscht.

„Außerdem informieren wir Patienten und Interessierte über die Startseiten unserer Kliniken über den Umgang und aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit den Kliniken“, sagt Senska weiter. „Aus Sicherheitsgründen erlauben wir Angehörigen und Besuchern im Moment nicht, die Klinik zu betreten. Ausnahmen gelten für Palliativpatienten. Patienten, die kein eigenes Telefon besitzen, bieten wir an, die Klinik-Telefone kostenfrei zu nutzen.“

Wenn ein Patient stationär aufgenommen wird und zum Beispiel Erkältungssymptome oder pneumonale Probleme zeigt, testet die Klinik auf das Coronavirus – insbesondere, wenn der Patient aus einem Risikogebiet kommt. Bisher habe sich kein Verdachtsfall bestätigt. Geschäftsführerin Senska weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Patienten bei ersten unklaren Symptomen wie Husten oder Fieber zunächst telefonisch an den Hausarzt oder den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung wenden sollten, der bundesweit unter der Telefonnummer 116 117 erreichbar ist.

Auch das St.-Adolf-Stift in Reinbek bereitet sich intensiv auf einen möglichen Patienten-Ansturm vor. „Es sind viele logistische Fragen zu klären“, sagt Andrea Schulz-Colberg, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel, wie man mit einem Corona-Kranken zum Röntgen komme.

Das Stift hat eine Isolierstation mit derzeit zwölf Betten. Alle bisherigen Coronatests seien negativ verlaufen, sagt Schulz-Colberg. Die betroffenen Patienten hätten an der normalen Influenza gelitten. Auf den Fluren und in den Zimmern mit insgesamt 351 Betten herrsche derzeit relative Ruhe. „Wir hoffen, dass alle verfügten Maßnahmen greifen und es so bleibt.“

Nicht notwendige Operationen hat das Krankenhaus verschoben. Die meisten Patienten seien einsichtig, auch die meisten Besucher, aber längst nicht alle. Für die hat die Reinbeker Klinik einen Sicherheitsdienst engagiert, der den Besucherstopp überwacht und gegebenenfalls durchsetzt. Auch an der Lungenklinik Großhansdorf wird penibel auf die Einhaltung des Besucherstopps geachtet. „Denn hier sind Patienten, die ja schon eine Atemwegserkrankung haben“, heißt es von der Klinik.

Bisher sind dem Kieler Gesundheitsministerium acht erkrankte Personen aus Schleswig-Holstein gemeldet, die stationär behandelt werden. Um weitere Kapazitäten zu schaffen, hat das Land an die Kreise und kreisfreien Städte erlassen, dass ab sofort in Vorsorge- und Reha-Einrichtungen keine entsprechenden Maßnahmen mehr erbracht werden dürfen.

Es dürfen hierfür keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufgenommen werden. Nur Maßnahmen bei Personen, die bis zum 16. März begonnen worden sind, dürfen zu Ende geführt werden. Davon ausgenommen sind Leistungen der Anschlussheilbehandlung. Diese sind vorrangig für Patienten aus Schleswig-Holstein und Hamburg zu erbringen.

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