Grüne schlagen innovative Wohngemeinschaft für VHS-Gelände vor

Lübecker Nachrichten   19.03.2020

Soll die Stadt Bad Oldesloe nur Wohnungen im konventionellen Stil oder auch innovative Wohnformen zulassen? Darüber sind sich weder Politik noch Verwaltung einig

Von Dorothea von Dahlen

Das alte VHS-Gebäude an der Königstraße in Bad Oldesloe.fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Was tun, wenn die Kraft im Alter nicht mehr reicht, das große Haus und den Garten in Schuss zu halten? Einige Oldesloer möchten dann nicht isoliert in eine Wohnung ziehen, sondern streben Mietgemeinschaften an. Die Grünen haben deshalb im Wirtschafts- und Planungsausschuss angeregt, auf dem alten VHS-Gelände auch ein solches Wohnprojekt zu berücksichtigen. Doch es herrschte große Unsicherheit, wie das realisiert werden könnte – organisatorisch und finanziell.

„Ein früherer Nachbar hat versucht, so etwas anzustreben. Da es bisher in Bad Oldesloe nicht möglich war, ist er nach Lüneburg gezogen“, berichtete Hartmut Jokisch (Grüne), der den Vorsitz im Wirtschafts- und Planungsausschuss für die Präsentation abgegeben hatte. Da das gesamte Gebiet am Burgberg seit vielen Generationen mit Kirche, Pastorat, Gemeindehaus, der Stiftung St. Jürgen und anderen Institutionen dem Gemeinwohl verpflichtet gewesen sei, dränge sich solch eine sozial orientierte Wohnform geradezu auf.

Diese Idee sei bereits im Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs verankert, weil er seniorengerechtes Wohnen mit Mehrfamilienhäusern, aber auch Single-Apartments als Modell koppele. Bislang stehe nur fest, wie die Gebäudehülle aussehen solle, die Gestaltung innen lasse sich durchaus variabel entscheiden. Zudem gebe es sogar eine Förderung, die jedoch nur ausgeschüttet werde, wenn die Stadt einem solchen Projekt wohlwollend gegenüber stehe und dies in einem Quartiersentwicklungskonzept zum Ausdruck bringe.

Während Linke und SPD sich mit dieser Idee anfreunden können, äußerte Bürgermeister Jörg Lembke Bedenken. Er fragte, wie sich Jokisch die Gegenfinanzierung vorstelle. „Wir werden hohe Kosten für die Sanierung der Altlasten in der Hanglage zum Stadtarm haben. Eine Erbpacht wird das nicht refinanzieren können“, wandte er ein. Diskutiert wurde danach, ob ein Teil des Geländes für das innovative Projekt reserviert werden soll, um es einem interessierten Investor auf Erbpachtbasis zu vergeben.

Ob dies tatsächlich möglich ist, blieb offen. Einwände gegen das Vorhaben kam auch den Reihen der FBO. Manfred Lieder etwa bezeichnete es als „totgeborenes Kind“, weil es hohe Entwicklungskosten nach sich ziehe. „Ich schwimme etwas“, sagte Uwe Möllnitz (CDU). Das Ziel, eine innovative Wohnform nach Bad Oldesloe zu bringen, sei zwar löblich. Doch stelle sich die Frage, inwieweit das Bebauungsplan-Verfahren dadurch verzögert werde.

Anita Klahn (FDP) machte letztlich darauf aufmerksam, dass sich unter den Gästen des Ausschusses ein Experte in Sachen Mietgemeinschaft befinde. Und in der Tat hatte Ulrich Langenberg die Debatte verfolgt und bekam Rederecht. Er gehört der Gruppe „Moin“ an, die sich schon seit einigen Jahren auf Vereinsbasis um ein solches Wohnprojekt bemüht.

„Wir haben schon versucht, mit einem Investor gemeinsam etwas zu entwickeln. Aber das war nicht möglich. Jetzt richten sich unsere Hoffnungen auf die Stadt“, sagte Langenberg. Nach seinem Dafürhalten sei es wichtig, nicht zu warten, bis ein Geldgeber komme, sondern darauf einzugehen, welche Bedürfnisse die Bevölkerung habe. Wenn auf dem Gebiet 30 Prozent Sozialwohnungen entstehen sollen, müsse ohnehin ein Quartiersentwicklungskonzept erstellt werden. „Das berührt im Übrigen nicht den B-Plan. Den können Sie laufen lassen. Das Inhaltliche können Sie im Verkaufsvertrag einbinden“, riet Langenberg.

Jokisch plädierte abschließend an alle Ausschuss-Mitglieder, die Angelegenheit noch einmal zu überdenken. „Als Stadt sollten wir das Heft in der Hand behalten und unsere gesellschaftspolitischen Vorstellungen umsetzen, statt auf den schnellen Euro zu schauen“, sagte er. Letztlich sprach sich die Mehrheit dafür aus, das Thema noch einmal zu vertagen.

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