Appelle stoßen auf offene Ohren

Stormarner Tageblatt  23.03.2020

Stormarner bleiben trotz des frühlingshaften Wetter in der großen Mehrheit zu Hause – gähnende Leere herrscht auf den Autobahnen

Das kommt sonst nie vor: Frühlingshaftes Wetter und die Eiscafes – so wie hier in der Bad Oldesloer Mühlenstraße - sind geschlossen, die Ortskerne wie leergefegt. Niemeier
Das kommt sonst nie vor: Frühlingshaftes Wetter und die Eiscafes – so wie hier in der Bad Oldesloer Mühlenstraße – sind geschlossen, die Ortskerne wie leergefegt. Niemeier

Patrick Niemeier, Stephan Poost, Frauke Schlüter und Peter Wüst Bad Oldesloe Während die aktuelle Corona-Lage auch in Stormarn weiter angespannt bleibt – die vom Gesundheitsamt des Kreises bestätigten Corona-Fälle belaufen sich auf 52 Infizierte (Stand: 22. März, 15 Uhr) – halten sich die Stormarner an die Appelle zuhause zu bleiben, wie sie auch von Landrat Dr. Henning Görtz formuliert wurden: „Ich weiß, dass es angesichts des vor uns liegenden Wochenendes und des schönen Wetters dem einen oder anderen besonders schwer fällt, zu Hause zu bleiben. Es ist aber derzeit der beste Weg, die Krise in den Griff zu bekommen. Bitte bleiben Sie zu Hause!“

Lediglich aus Bargteheide war zu hören, dass die Polizei zwei Mal in der Nacht zum Sonntag wegen zahlreicher Jugendlicher und Heranwachsender ausrücken musste. So wurde ein Party gleich zwei Mal aufgelöst. Die Jugendlichen zeigten sich uneinsichtig, so gab es einige Anzeigen sowie eine Festnahme. Der Kreis hat unterdessen angeordnet, dass private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Grillabende oder ähnliche Veranstaltungen, sowie Ansammlungen im öffentlichen Raum ab einer Teilnehmerzahl von fünf Personen untersagt bleiben, sofern keine Verwandtschaftsverhältnisse ersten Grades bestehen.

Gähnende Leere auf der A1 zwischen den Abfahrten Reinfeld und Bad Oldesloe. Anscheinend halten sich die Stormarner und auch die Auswärtigen an die Vorgaben der Landesregierung und blieben zu Hause. Bereits vor Hamburg warnt ein digitales Schild vor der Einreise in das nördlichste Bundesland: „Schleswig-Holstein für Touristen gesperrt“ steht dort in großen Lettern.

Auch auf den Wochenmärkten hielten sich die Menschen an die Abstandsregeln. In Ahrensburg wurden auch die ambulanten Imbissstände geschlossen. “Aufgrund der Verfügung vom Freitag haben wir auch den Imbissbuden auf dem Marktgelände den Betrieb untersagt” , so Bürgermeister Michael Sarach. Viel los auch in den Bau- und Gartenmärkten. Dort war bereits am Vormittag schon reger Publikumsverkehr. Viele Kunden hatten sich am frühen Morgen auf den Weg gemacht und sich dort Baumaterial und Pflanzen gekauft. Aus Sicherheitsgründen durften jedoch in den Ahrensburger Toom-Markt und in das Gartencenter in Siek lediglich kleinere Gruppen in zeitlichen Abständen in die Verkaufsräume hinein.

Viele Bürgermeister – so auch aus Großhansdorf oder Hammoor – appellierten an ihre Bürger, zuhause zu bleiben. Sie bedankten sich bei allen, die sich an die Regeln hielten und warnten jene, die die Aufforderung nicht ernst nehmen. „Zusammenkünfte über fünf Personen, und das gilt auch für Jugendliche und junge Erwachsene, sind verboten und werden zukünftig geahndet“, so Janhinnerk Voß, Bürgermeister von Großhansdorf.

Auch Friseure schließen nun ihre Läden. Der Stadtfriseur aus Bargteheide meint, dass die Bundesregierung nicht genug tue, er sehe die Gefahr durch den engen Kundenkontakt „ein Multiplikator für die Verbreitung des Corona-Virus zu sein“ und schließt.

In Bad Oldesloe ist die Nachricht so langsam durchgedrungen, dass es kein Kavaliersdelikt oder Scherz ist, die abgesperrten Spiel- und Sportplätze zu betreten. Am Sonntag waren trotzdem drei Unverbesserliche beim Kicken auf dem Kunstrasenplatz zu beobachten. Sie nahmen aber reißaus, als sie eine Polizeistreife auf der Straße erblickten. Größere, verbotene Ansammlungen gab es im öffentlichen Raum in der Kreisstadt nicht. Am Sonnabend versuchten einige Jugendliche es geschickt zu lösen, sich in diversen Vierergruppen auf dem Parkplatz in der Lübecker Straße zu treffen. Doch hier reichte eine kurze, aber entschlossene Ansprache zweier Passanten, um diese Zusammenkunft direkt wieder aufzulösen.

Am Sonntag war die Stadt wie leergefegt. Dort wo sonst spätestens nach dem Gottesdienst in der Peter-Paul-Kirche – der ja auch nicht stattfindet – sich die Eis- und Straßencafes füllen waren nur sehr vereinzelte Spaziergänger unterwegs. Die Bäckereien schließen daher mittlerweile auch früher.

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