Lembke: „Das Verständnis der Oldesloer ist da“

Lübecker Nachrichten   21.03.2020

Bei den Spiel- und Sportplätzen wird das Verbot noch häufig missachtet – Stadt und Polizei kontrollieren und ahnden

Von Susanna Fofana

Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke hat im Moment gut zu tun.foto: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. „Keinem fällt es leicht, aber das Verständnis ist da“, fasst Oldesloes Pressesprecherin Agnes Heesch die aktuelle Situation der Oldesloer in der Corona-Krise zusammen. Einen Tag zuvor waren noch Mitarbeiter des Ordnungsamtes zum Kontrollgang in der Oldesloer Innenstadt unterwegs gewesen. Und sie forderten allerletzte Geschäfte zur Schließung auf, die dies durch Verunsicherung noch nicht mitbekommen hatten.

Die Oldesloer Fußgängerzone ist seitdem in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur noch die erlaubten Läden wie Apotheken, Zeitschriftenläden, Bäcker und Friseure haben geöffnet. In einigen der geschlossenen Geschäfte finden hinter den nun dunklen Schaufensterscheiben noch letzte Aufräumarbeiten statt, bevor es endgültig in die amtlich verordnete Corona-Pause geht.

Wie inzwischen fast alles ist auch die Stadtverwaltung auf Wunsch der Mitarbeiter für Publikumsverkehr geschlossen. Dies bedeute nicht, dass dort weniger gearbeitet werde, beteuert Bürgermeister Jörg Lembke. Mal abgesehen davon, dass er keine Abendtermine mehr habe, gebe es in der Stadtverwaltung „keine Langeweile“. Der Bürgermeister: „Wir haben im Moment gut zu tun und arbeiten Reste auf.“

Zudem werde nach internen Lösungen gesucht, wenn in einem Bereich weniger zu tun sei und in einem anderen durch geplante Frühjahrsurlaube mehr Arbeit anfalle. So könnten beispielsweise Sozialpädagogen aus derzeit geschlossenen Schulen die Johanniter bei Personalproblemen in der Gemeinschaftsunterkunft unterstützen. „Die Mitarbeiter sind ganz taff. Wir werden die Verwaltung am Laufen halten“, versprach Lembke. Es werde zudem versucht, Möglichkeiten für Homeoffice zu schaffen. Als unfreiwillige Teststrecke für die Zukunft wird derzeit auch in einigen Bereichen der Verwaltung das persönliche Erscheinen durch Besucher minimiert. Heesch: „Viele Dienstleistungen werden digital angeboten.“

Durch den derzeitigen Ausfall sämtlicher Sitzungen befürchtet Lembke, dass Verwaltung und politische Gremien später öfter oder länger tagen müssen. Oder vielleicht sogar in den Sommerferien. Noch geht er davon aus, dass die Maisitzungen stattfinden werden. Ansonsten käme es im Juni zu Sitzungen mit 40 oder 50 Tagungsordnungspunkten. Eine Videokonferenz für die Stadtverordnetenversammlung und andere Zusammenkünfte ist nicht möglich. Das Gemeindeverfassungsrecht schreibt die Öffentlichkeit vor. Heesch: „Wir denken erst einmal bis zum 19. April.“ Lembke zweifelt daran, dass die Kita-Reform in diesem Jahr umgesetzt werden kann. Er hofft auf eine Verschiebung um ein Jahr.

Einige städtische Bereiche laufen (fast) normal weiter. Am Freitag finden beispielsweise noch drei Trauungen in Bad Oldesloe statt. Außer dem Brautpaar dürfen in der Kreisstadt auch die Eltern, Trauzeugen und ein Fotograf dabei sein. Dieses Mindestmaß an Teilnehmern gehört für Lembke zu seinem Verständnis von einer Hochzeit dazu.

Am Donnerstag mussten die letzten touristischen Gäste die Stadt verlassen. Wie alles andere ist auch der Wohnmobilstellplatz auf dem Exer gesperrt. Verboten ist zudem das Betreten sämtlicher Spiel- und Sportplätze in Bad Oldesloe. Doch dieses Verbot wird häufig missachtet. Solche Zuwiderhandlungen sind – wie bei den anderen angeordneten Maßnahmen – Straftaten nach dem Infektionsschutzgesetz. Lembke: „Es steht jedem frei, die Verbote zu ignorieren.“ Aber derjenige müsste die Konsequenzen tragen.

Zuständig für Kontrolle und Überwachung ist das städtische Ordnungsamt. Auch die Oldesloer Polizeidienststelle wird die Stadt durch Kontrollen unterstützen. Lembke: „Die Polizei wird ganz bewusst Straftaten ahnden.“ Die Verwaltung bittet die Bürger, die Anweisung der Behörden ernst zu nehmen und zu befolgen. Zuwiderhandlungen werden als Straftaten mit hohen Geldstrafen oder Freiheitsentzug geahndet.

In den sozialen Medien wird gerade von etlichen Verstößen – insbesondere durch Jugendliche – im gesamten Stadtgebiet berichtet. Und die Befürchtung geäußert, dass es durch das Missachten zu einer Ausgangssperre für alle kommen könnte.

Der Bürgermeister: „Noch nie mussten wir in unserer jüngsten Geschichte so weitreichende Maßnahmen treffen, die das öffentliche Leben in unserer Stadt derartig einschränken.“ Das Ziel sei es jetzt, die Ausbreitung der Infektion bestmöglich zu verlangsamen. Er bittet die Bürger, die Maßnahmen bestmöglich zu beachten und ihre direkten sozialen Kontakte einzuschränken. Lembke: „Ich wünsche mir, dass sich alle daran halten.“

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