Bäcker in Corona-Zeiten: Viel Brot, keine Torten

Lübecker Nachrichten   09.04.2020

Stormarns Bäcker sind in Corona-Zeiten zwar noch weiter gefragt – Aber auch sie müssen empfindliche Verluste hinnehmen – Snacks und Kuchen gehen zurzeit kaum noch.

Von Britta Matzen und Joachim Strunk

Martina Afheldt von der Reinfelder Bäckerei Rohlf ist froh, dass die Kunden noch zum Brotkaufen kommen. Für Ostern hält sie besondere Leckereien bereit: Osterknoten und Ostereierkekse.Fotos: Britta Matzen/LN-Archiv

Reinfeld. Der Landesinnungsverband des schleswig-holsteinischen Bäckerhandwerks schlägt Alarm. Wegen der Corona-Krise stehe auch die eigene Branche „mit dem Rücken zur Wand“. Die Umsatzrückgänge bewegten sich derzeit zwischen 20 und 70 Prozent. Besonders in den Küstenregionen seien die Auswirkungen existenzbedrohend, erklärt Landesinnungsmeisterin Maren Andresen aus Neumünster.

Das große Problem ihrer Zunft: „Umsätze, die jetzt nicht generiert werden, können auch nie nachgeholt werden. Anders als etwa beim Autokauf kann der Konsum nicht verschoben werden“. Mangelnde Liquidität sei derzeit das Hauptproblem in den Betrieben.

Vor diesem Hintergrund fordert ihr Landesinnungsverband eine bessere finanzielle Unterstützung der Betriebe. „Stundungen helfen nicht, wenn die Kredite später zurückgezahlt werden müssen“, ergänzt Verbandsgeschäftsführer Jan Loleit. Auch Bundesförderungen für Betriebe bis 15 Mitarbeiter könnten im personalintensiven Bäckerhandwerk – im Durchschnitt beschäftigt ein deutscher Bäckereibetrieb 24 Mitarbeiter – nur wenig helfen.

„Es ist schlimm, wie es vielen Kollegen an der Küste geht. Vor allem für diejenigen, die einen großen Café-Anteil haben. Die sind wirklich ganz schlecht dran, weil die Saison nicht stattfindet. Uns selbst bricht auch einiges weg und wir haben Verluste“, schildert Martina Afheldt von der Bäckerei Rohlf in Reinfeld. So sei der gesamte Partyservice weggebrochen, außerdem finde das Geschäft mit den Hotels, Gaststätten und Kindergärten nicht mehr statt. Bäckerei Rohlf belieferte vor der Corona-Krise vier Kindergärten täglich mit Brot, Hotels und Gaststätten orderten Kuchen und Torten für Geburtstage, Hochzeiten und Trauerfeiern. Umsatz, der in der Kasse fehlt.

Martina Afheldt: „Aber dafür haben wir im Ladengeschäft im Moment etwas mehr zu tun. Die Leute brauchen ja Essen für zu Hause.“ Vor der Krise seien die Leute mittags mal eben ein Brötchen holen gegangen, die Kinder hätten in der Mensa gegessen und die arbeitende Bevölkerung in der Kantine. Derzeit spiele sich das Leben in den eigenen vier Wänden ab. „Man isst die Mahlzeiten zu Hause. Dadurch haben wir einen höheren Brotverkauf, ganz eindeutig.“

Tortenbestellungen seien hingegen komplett storniert worden, auch Meterbrot laufe nicht mehr. Ob für Ostern, Geburtstage oder den Partyservice. „Außerdem sind die Konfirmationen alle abgesagt. Darunter leiden wir natürlich auch.“ Zudem hätten sie ihre kleine Café-Ecke schließen müssen. „Aber dadurch, dass wir breit aufgestellt und nicht so snacklastig sind, haben wir das Glück, dass wir überhaupt noch arbeiten können und Umsatz haben“, macht die Chefin des Betriebes deutlich. Dadurch könnten sie zumindest einen Teil von dem ausgleichen, was an Sonder- und Festtagsbestellungen fehle. Dafür sei das zwölfköpfige Team der Bäckerei Rohlf sehr dankbar.

Ähnliches erlebt auch gerade die Kleine Bäckerei in Bad Oldesloe. „Unsere Stammkunden sind uns treu, die kommen nach wie vor. Aber was weggebrochen ist, ist der Betrieb von Müttern und Kindern von der Schule um die Ecke. Und die Handwerker kommen auch nicht mehr“, sagt Juniorchef Marc Henry Ellmer. Das merkt Ellmer ganz deutlich an der geringen Nachfrage nach belegten Brötchen. Eierbrötchen seien bei den Handwerkern immer besonders beliebt gewesen. „Jetzt haben wir ganz viele Eier über. Auch die Käsebrötchen bleiben im Regal liegen.“ Ebenso sei der Lieferservice für die Gastronomie durch Corona auf der Strecke geblieben. „Wir haben auf jeden Fall Einbußen.“ Die Höhe kann der Bad Oldesloer Bäcker noch nicht beziffern. Aber auch hier gibt es positive Tendenzen: „Es geht dafür deutlich mehr Brot. Wir backen teilweise fast das Doppelte an einigen Broten.“

Die aktuellen Sicherheitsbestimmungen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, stellen für die Kleine Bäckerei keine Hürde dar. „Wir haben eine Absperrung, so dass nur ein Kunde zurzeit in den Laden kann. Das klappt ganz gut. Die Leute halten schön Abstand und warten draußen, bis sie drankommen.“ Im Verkaufsteam arbeiteten sie momentan im Schichtdienst. „Wir sind fünf Verkäufer im Laden und wechseln uns in zwei Schichten ab. In der Backstube in der Wiesenstraße sind sie zu dritt – mein Vater, meine Mutter und eine Mitarbeiterin.“

Auch in der Reinfelder Bäckerei Rohlf haben sich Mitarbeiter und Kunden an die neuen Abstandsregeln gewöhnt. „In der Backstube ist es sowieso so, dass der eine in der einen Ecke arbeitet und der andere in der anderen.“ Und beim Verkauf in den Läden in Reinfeld und Zarpen sowie auf den Wochenmärkten in Reinfeld und Bad Oldesloe klappe auch alles vorbildlich.

Martina Afheldt hofft nun auf das bevorstehende Ostergeschäft. Die Backstube habe extra Leckereien gebacken: Osterzöpfe, Osterknoten und Ostereierkekse mit Hagelzucker und Schokolade. Ostersonntag ist von 8 bis 11 Uhr geöffnet, damit die Kunden frische Brötchen bekommen könnten. Karfreitag und Ostermontag sind geschlossen.

Die Kleine Bäckerei aus Bad Oldesloe nimmt das Ostergeschäft dieses Jahr nicht mit: „Wir haben ab Gründonnerstag über die Ostertage geschlossen“, sagt der Juniorchef. Irgendwann müssen sich eben auch mal die Bäcker ausruhen.

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