Die große Osterstille

Stormarner Tageblatt  14.04.2020

Ein Corona-Osterfest, das die Menschen in Stormarn so schnell nicht vergessen werden

Leere und Stille auf dem Oldesloer Kirchberg: Zu Ostern ein sehr untypische Bild.Nie
Leere und Stille auf dem Oldesloer Kirchberg: Zu Ostern ein sehr untypische Bild.Nie
 
Thomas Wilken
Thomas Wilken

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Feiernde Menschen am Osterfeuer, lachende Kinder bei der großen Ostereiersuche, kritische Ostermärsche und volle Kirchen – über all das hätten wir an dieser Stelle berichtet. Doch dieses Jahr ist alles anders und doch fiel Ostern natürlich nicht aus.

Der Sonnabend in der Oldesloer Innenstadt fühlte sich sogar fast ein wenig „normal“ an. Da sich herumgesprochen hatte, dass nun kleine Familienfeiern in Schleswig-Holstein doch möglich sind, war es im Vergleich zu den Vorwochen geradezu voll in der Fußgängerzone. Denn es wurde schnell noch für das Osteressen eingekauft. „Ich kann mich echt nicht beschweren. Wir hatten richtig guten Zulauf. Heute war es schon richtig heftig am Anfang“, sagt Thomas Wilken vom gleichnamigen Hof in Bad Oldesloe, der einen Stand auf dem Wochenmarkt betreibt. „Mir sind einige großen Kunden weggebrochen, wie Restaurants zum Beispiel. Aber das wird aufgefangen durch mehr Mitmenschen, die nun auf dem Markt einkaufen, weil sie auch nicht essen gehen können an den Osterfeiertage“, sagt er.

Die Baumärkte konnten sich sogar einer noch deutlich höheren Resonanz erfreuen als sonst. Da das Wetter sehr gut war, aber an Osterurlaub und große Ausflüge nicht zu denken war, nutzten viele das verlängerte Wochenende, um den Garten hübscher zu machen oder lange geplante Renovierungen und Sanierungen durchzuführen. „Ich musste eigentlich ein Teil aus dem Baumarkt abholen, das ich benötige, aber ich bin ja nicht verrückt“, sagt Gerrit Jansen, der einen professionellen Hausmeister- und Gartenservice in der Kreisstadt betreibt. „Die Schlangen vor den Türen waren zum Teil sehr lang. Aber auch bei manchen Supermärkten musste man erst noch draußen warten“, sagt Jansen. Er ist viel in der Stadt unterwegs und stellte fest, dass sich die meisten Menschen an die Vorgaben halten. „Manche werden es aber wohl nicht verstehen. Spannend ist, dass das oft Ältere sind, die totale Rücksicht von anderen verlangen, aber sich selbst nicht so verhalten“, hat er beobachtet.

Während im Gegensatz zu Super- und Baumärkten die Kirchen leer bleiben mussten, wurden übrigens viele Predigten und Grußworte online veröffentlicht.

Am Exer lockte das Wetter einige Sportler in die Nähe der gesperrten Sportflächen. Polizeistreifen sahen nach dem Rechten, es blieb aber zumeist bei freundlichen Ermahnungen. „Man geht joggen, aber dann kennt man alle Strecke jetzt schon auswendig.. Wir sind hier auch im Verein, aber können keine Angebote nutzen, weil es sie nicht gibt“, sagt ein junger Sportler, der am Rande des Fitnessparcours einen kleinen nicht abgesperrten Bereich mit einer Freundin für Übungen nutzt. „Die Maßnahmen sind trotzdem okay. Wir sollten nicht jammern. Andere mussten in den Krieg, wir müssen nur zuhause bleiben in einer Krise“, sagt er.

Familien trafen sich im Kurpark der Kreisstadt, wo jahrelange ein großes Ostereiersuchen stattfand. Tatsächlich hatte sich bei einigen nicht herumgesprochen, dass es nicht stattfinden werde. Sie zeigten sich verwundert. Sie hätten gedacht, dass Kinder ja nicht gefährdet seien. Aber nun nutzten sie den Ostersonntag für lange Spaziergänge im Familienkreis, das private Osterfeuer hätten sie abgesagt. Ostern fiel also wie man sehen konnte insgesamt nicht aus, es war 2020 nur ziemlich anders.

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