Schulen rüsten sich für Abi-Prüfungen

Lübecker Nachrichten   17.04.2020

Die Vorbereitungen sind aufwendig, aber machbar, sagen die Schulleiter

Von Sandra Freundt

Bad Oldesloe. Unruhige Zeiten für Lehrkräfte und Prüflinge des diesjährigen Abitur-Jahrgangs in Stormarn. Eben noch hatten sich die Jugendlichen entsprechend der Themen der traditionellen Mottowochen verkleidet, im nächsten Moment folgten die Schulschließungen und die Ungewissheit über die Durchführung der Prüfungen. Das ist nun alles geklärt, Dienstag nächster Woche wird die erste Abitur-Klausur geschrieben – allerdings unter strengen Auflagen durch das Ministerium. Die einzelnen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe bereiten sich derzeit gerade darauf vor. „Das ist schon ein sehr hoher organisatorischer Aufwand“, sagen die Schulleiter alle, betonen jedoch direkt: „Aber wir kriegen das hin!“

„Das Desinfektionsmittel wird uns direkt von einer ortsansässigen Apotheke angemischt, die Handschuhe für die Kollegen, die die Aufsicht übernehmen, sind eingetroffen. Die Tische sind mit dem nötigen Sicherheitsabstand aufgestellt und markiert“, sagt Sven Baumann, stellvertretender Schulleiter der Ida-Ehre-Gemeinschaftsschule (IES) in Bad Oldesloe. 75 Abiturienten werden sich an der IES den Prüfungsanforderungen stellen. „Wir haben den Vorteil der Festhalle, in der normalerweise sowieso die Prüfungen stattfinden. Auch die Mensa beziehen wir mit ein. Profilkurse wie Kunst und Musik benötigen zudem ihre Fachräume und sind von der Personenanzahl auch klein, sodass das gut zu bewerkstelligen ist“, erklärt er. In den nächsten Tagen werden dann noch die Markierungen in den Fluren und auf dem Schulhof verklebt, damit auch dort die vorgegebenen Regularien eingehalten werden können. In zwei Dienstversammlungen am Montag gibt es schließlich noch mal genaue Anweisungen für die Aufsichtskräfte.

Aufgeteilt auf zwei Räume – die Aula und die Mensa – schreiben die 41 Prüflinge der Immanuel-Kant-Schule in Reinfeld ihre Klausuren. „Der organisatorische Aufwand war schon sehr groß“, erklärt auch Schulleiterin Jennifer Behnke. Sie hat ganz besonders darauf geachtet, dass auch der Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Tischen so groß ist, dass dieser auch dann noch gegeben ist, wenn ein Schüler mal aufstehen muss. Nun müssen nur noch die Abstände auf dem Schulhof markiert werden, damit auch beim Kommen und Gehen der Schüler das Kontaktverbot gewahrt bleibt.

Bereits seit Osterdienstag ist das Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide eifrig am Planen und Organisieren. Für die 90 Prüflinge wurden 14 Räume vorbereitet. Für jeden Raum gibt es einen genauen Sitzplan, der im Bedarfsfall dem Gesundheitsamt vorgelegt werden kann. Noch verhandelt Schulleiterin Brigitte Menell wegen der Desinfektionsmittel-Spender. „Wir hätten gern kontaktlose, das ist aber nicht so einfach, diese sind wohl hauptsächlich für Krankenhäuser vorgesehen.“ Am Prüfungstag hat das Bargteheider Gymnasium drei Eingänge geöffnet. Der Eintritt ins Gebäude ist dabei genau vorgeschrieben, alle haben sich unter Aufsicht die Hände zu waschen und zu desinfizieren. „Jeder wird genau nach seinem gesundheitlichen Zustand befragt und darf die Räume nur einzeln betreten. Die Abläufe sind daher doch anders und zeitaufwendiger als normalerweise“, so die Schulleiterin. Bedenken, dass etwas nicht klappt, hat sie aber nicht: „Die Anweisungen aus Kiel sind sehr detailliert, zwar aufwendiger, aber gut umsetzbar.“

Gleiches sagte auch Henning Bergmann vom Oldesloer Gymnasium. Mit 115 Abiturienten stellt die Theodor-Mommsen-Schule (TMS) die größte Anzahl an Prüflingen im Kreis. Bewusst habe man dabei darauf verzichtet, große Räume zu nutzen. „Es ist eine besondere Situation, da sollte man den Schülern zumindest eine Art Wohlfühl-Atmosphäre bieten“, betonte Bergmann, der nun in 19 Räumen die Klausuren schreiben lässt. Zu zwei verschiedenen Zeiten werden die Prüflinge an fünf Eingängen in Empfang genommen. Alle werden zudem noch einmal gesondert an die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen erinnert.

„Wir sind ja auch alle fast erwachsen, können die Vorgaben auch einsehen und gut umsetzen“, erklärt Yannick Mosel, der am Dienstag am Oldesloer Gymnasium in Chemie seine erste Abi-Klausur schreibt. Yannick fühlt sich gut vorbereitet. „In den zwei Wochen Schulausfall hätten wir eh keine neuen Themen durchgenommen. Unser Lehrer war aber permanent für uns zu erreichen, spätestens zwei Stunden nach einer Anfrage bekam man schon die Antwort“, betont er. Dass die Prüfungen durchgeführt werden, findet er gut. „Ein Abitur nur nach den Durchschnittsnoten könnte von einem zukünftigen Arbeitgeber als Notabitur ausgelegt werden.“ Schade findet der 18-jährige aber, dass man sich vorher und nachher nicht austauschen kann. Und seine Freundin Henrike bedauert den Ausfall des Abiballs. Sie hatte dafür bereits ein Kleid.

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