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Stormarner Tageblatt  23.04.2020

Bad Oldesloes Stadtarchivarin Sylvina Zander sagt „tschüs“

Freut sich auf Ihren Ruhestand nach 23 Jahren als Stadtarchivarin:  Dr. Sylvina Zander. privat
Freut sich auf Ihren Ruhestand nach 23 Jahren als Stadtarchivarin: Dr. Sylvina Zander. privat

Susanne Rohde Bad Oldesloe Eigentlich war zum Abschied eine Feier mit Kollegen und Weggefährten im Rathaussaal geplant, aber die muss jetzt ausfallen, wie so vieles in Zeiten von Corona. „Die Abschiedsfeier wird aber später noch nachgeholt“, verspricht Dr. Sylvina Zander. Die Stadtarchivarin geht jetzt nach 23 Jahren und unter vier Bürgermeistern im Dienste der Stadt Bad Oldesloe in den verdienten Ruhestand.

„Die Arbeit hat mit immer sehr viel Spaß gemacht. Die Oldesloer Geschichte ist spannend und die Stadt hat so viele Schichten und Facetten. Da ist das Stadtarchiv eine tolle Fundgrube“, erzählt die Stadtarchivarin der Kreisstadt: „Und ich hatte nie Probleme, die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung war immer gut.“

D er Einstieg in die Rente war schon im vergangenen Jahr vorgesehen, doch weil sich kein Nachfolger fand, blieb die 67-Jährige noch ein Jahr länger in Amt und Würden. Was allerdings nicht so schlimm war, denn so konnte Sylvina Zander noch besser an ihrem neuesten Buchprojekt arbeiten und recherchieren. Aber vor vier Wochen musste auch die Stadtarchivarin ins Dauer-Home-Office, zuhause in ihrer Wohnung in Lübeck. Die gebürtige Mecklenburgerin wuchs in Lübeck auf, wo sie bis heute lebt. Täglich fuhr sie mit dem Zug zur Arbeit nach Bad Oldesloe, das wird ihr jetzt doch ein bisschen fehlen.

„In Lübeck bin ich verwurzelt, aber Oldesloe bleibe ich verbunden“

„Es ist ein komisches Gefühl, aber ich werde weiterhin ab und zu zwecks Recherche für mein Buch nach Oldesloe fahren“, sagt Sylvina Zander, die in Hamburg Kunstgeschichte studierte und in Wirtschafts- und Sozialgeschichte promovierte. Noch während des Studiums heiratete sie und bekam zwei Kinder. Geschichtsthemen haben es ihr schon immer angetan, und so war ihre erste Arbeitsstelle im Lübecker St.-Annen-Museum, wo sie eine Ausstellung und einen Katalog über Carl Julius Milde erarbeitete. In Lübeck entstand auch ihre Promotionsarbeit über die Geschichte der Lübecker Mädchenbildung.

„In Lübeck bin ich verwurzelt, aber Oldesloe bleibe ich verbunden“, sagt die frisch gebackene Pensionärin. Am 15. Januar 1997 trat sie ihre Stelle als Leiterin der Kulturabteilung und des Stadtarchivs in der Kreisstadt an, zunächst nur als Mutterschaftsvertretung. „Bad Oldesloe war damals Neuland für mich. Anfangs machte ich nur wenig Archivarbeit, dafür aber viel Kultur“, erzählt Sylvina Zander. Dazu gehörten Konzerte und Vorträge, die Frauenkulturtage und Städtepartnerschaften sowie andere Events. Legendär und bei vielen Oldesloern in bester Erinnerung sind die Jazzkonzerte im Rathaussaal, die Sylvina Zander mehr als 20 Jahre lang organisierte. „Jazz lief super, die Nachfrage war enorm und die Atmosphäre toll. Mit dem Neubau des Kub haben sich die Rahmenbedingungen geändert und die Jazzreihe wurde eingestellt“, bedauert Sylvina Zander. Dafür steigerte sich die Arbeit im Archiv immer mehr. „In den Anfangsjahren trat das Stadtarchiv hinter die Kulturarbeit zurück. Ich habe es dann nach und nach aufgebaut“, so die Archivarin. „Der Altbestand war ja verzeichnet und der Grundstock für meine weitere Arbeit“, so Sylvina Zander. Neben Vorträgen und Ausstellungen sowie einem VHS-Kursus zur Stadtgeschichte arbeitete sie an Projekten mit Oldesloer Schulen und vor allem mit der Universität Hamburg zusammen.

Das Schreiben war schon immer ihre Leidenschaft und so hinterlässt die Stadtarchivarin jede Menge Fachaufsätze in Katalogen und Zeitungen. Aber sie verfasste auch viele Broschüren, wie etwa über den verheerenden Oldesloer Bombenangriff, den Salzpfad und über das Oldesloer Kindervogelschießen. Quasi „nebenbei“ schrieb Sylvina Zander fünf Bücher über die Oldesloer Stadtgeschichte, also etwa alle fünf Jahre ein Buch.

I n ihrem ersten Buch recherchierte sie über die Geschichte der Oldesloer Bürgerschützengilde, im zweiten Buch geht es unter dem Titel „Oldesloe – Die Stadt, die Trave und das Wasser“ um die Trave. „Das Buch ist mein Lieblingskind, es ist mit viel Liebe gemacht und verkauft sich immer noch gut“, so die Autorin. „Oldesloe und sein Bad“ ist der Titel des dritten Buches, das zum 200. Badjubiläum erschien. Die Geschichte der Oldesloer Juden erschien unter dem Titel „Ich bin an diesem Ort geboren“, und das aktuelle Buch befasst sich mit Bad Oldesloe in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.

„Ich will unbedingt noch etwas über die Oldesloer Saline schreiben“

„Das Buch sollte eigentlich längst fertig sein, es ist aber unfassbar viel Stoff“, sagt Sylvina Zander. Es soll aber im Herbst dieses Jahres erscheinen. Und es gibt natürlich auch schon Ideen für ein sechstes Buch, das sie im Ruhestand schreiben will. „Ich will unbedingt noch etwas über die Oldesloer Saline schreiben“, sagt Sylvina Zander, die auch für das Stormarnlexikon Beiträge schreibt. Und sie möchte sich auch wieder dem Zeichnen widmen. Außerdem sind da ja auch noch zwei Enkelkinder, die gerne was mit ihrer Oma unternehmen möchten.

Eine Nachfolgerin ist mit Celina Höffgen ebenfalls schon gefunden. Die junge Archivarin ist seit dem 6. April offiziell im Amt und wurde von Sylvina Zander bereits eingearbeitet. „Es war wirklich schwierig, jemanden zu finden. Aber bei ihr hatte ich gleich ein gutes Gefühl“, freut sich Sylvina Zander.

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