Betrachtungen zum Wochenausklang: Corona und die Verschlusssache

Stormarner Tageblatt  02.05.2020

Stormarner Wochenschau

Corona und die Verschlusssache

„Menschen einer Stadt“ auf den Haken genommen:  Die  stehen ja auch viel zu dicht zusammen... Megi Balzer

„Menschen einer Stadt“ auf den Haken genommen: Die stehen ja auch viel zu dicht zusammen… Megi Balzer

Stephan Poost und Volker Stolten

Geschäftsschädigend „In Bad und WC ist alles okay.“ Dieser bekannte Slogan mag privat noch stimmen, aber nicht jenseits der guten Stube. Schon gar nicht in Corona-Zeiten. In Innenstädten wie in Bad Oldesloe beispielsweise sorgt das fiese Virus beim sensiblen Thema Stuhlgang für einen Verschlusszustand. Denn nicht eine einzige Toilette ist im Stadtkern geöffnet! In Restaurants nicht, klar. Die sind ja auch geschlossen. Aber warum nicht in Bäckereien, Café-Shops oder in Geschäften, die seit kurzem wieder geöffnet haben?

Denn wohl ein jeder, vom Kind bis zum Senior, kennt das Problem: Im ersten Moment ist noch alles okay, im nächsten Holland in Not. Genau: Die Blase drückt. Da ist dann – trotz Desinfektion, Schutz-Behelfs-Masken und Abstands-Einhaltung – guter Rat teuer. Ein Himmelreich für einen Abort! Keine Chance. Noch nicht, bleibt zu hoffen. In Zeiten der Lockerung sollte es möglich sein, im Notfall seine Notdurft verrichten zu können. Bitte Abhilfe schaffen. Sonst verzichtet der eine oder die andere vielleicht gleich ganz auf Shopping in Bad Oldesloe, um nicht eventuell in die urinale Bredouille zu geraten und vor verschlossenen Toiletten-Türen zu stehen. Das wäre gleich doppelt schlecht fürs Geschäft…

Leere „Menschen einer Stadt“ heißt eine Skulptur in der Oldesloer Fußgängerzone. Doch in den Fußgängerzonen im Land gibt es ja kaum noch Menschen, kaum einer hat noch Spaß beim Einkaufen, vor allem wenn er mit so einem „Snutlappen“ herumlaufen muss. Wäre ja nur folgerichtig, wenn die Skulptur nun aus der Innenstadt entfernt wird, meint unsere Karikaturistin. Doch vielleicht sollte man die Bronze-Plastik doch lieber stehen lassen, weil sie uns an alte Zeiten erinnert. An Zeiten, in denen wir unbeschwert durch die volle Fußgängerzone bummeln, eisschleckend Schaufenster betrachten und wenn es uns überkommt, auch einfach mal so ein Geschäft betreten konnten. Die Skulptur erinnert uns daran, wie es war, als es noch Menschen in der Stadt gab.

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