Gastronomie bereitet Neustart vor

Lübecker Nachrichten   09.05.2020

Am 18. Mai dürfen sie loslegen – Große Freude, aber auch viele Sorgen und Bedenken

Von B. Albrod, D. von Dahlen und S. Fofana

Mocca-Geschäftsführerin Tamara Krück freut sich, dass sie bald wieder die Tür des Restaurants für Gäste aufschließen kann.Foto: SUSANNA FOFANA (2), HFR

Bad Oldesloe. Bei den Betroffenen im Gastgewerbe herrscht nach wochenlanger Corona-Pause vor allem Erleichterung. Dehoga-Landespräsident Axel Strehl aus Ahrensburg begrüßt die Öffnung der Restaurants als ein wichtiges Zeichen. „Ich bin froh, dass wir am 18. Mai wieder anfangen können“, sagt er. „Ob ein Betrieb bei so vielen Einschränkungen auch wirtschaftlich ist, ist eine andere Frage.“ Nach acht Wochen Stillstand habe die Branche stark gelitten. „Ich habe in meinem Restaurant alle Tische auf Abstand gestellt, jetzt passen 25 Zweiertische auf 250 Quadratmeter.“

Mit einem Ansturm rechnet Strehl nicht. „Es kommen zwar schon Anrufe und die Gäste möchten gerne wieder essen gehen, aber die Vorsicht bleibt.“ Er hoffe aber auf eine gute Belegung und auf baldige Normalität.

„Ich habe es erst vor einigen Minuten erfahren, dass es ab dem 18. Mai wieder losgehen kann“, sagte Destan Sabani vom „Hotel Wiggers“ in Bad Oldesloe am Donnerstag. Die Belegschaft müsse sich jetzt einen Überblick über die Hygienevorschriften verschaffen. Dass ein Mindestabstand von Tisch zu Tisch eingehalten werden müsse, sei klar. Doch was dies für die Zimmerbelegung bedeute, nicht.

Erfahrung mit der Arbeit unter Corona-Bedingungen konnte wiederum die Inhaberin des Hotels „Reinfeld“ sammeln. Schließlich durften dort seit dem 18. März schon Handwerker, Geschäftsreisende und andere Gäste mit Genehmigung einkehren, die beruflich in der Karpfenstadt oder dem Umfeld zu tun hatten. „Wir haben uns auch schon darauf eingestellt, nur jeden zweiten Tisch beim Frühstück zu besetzen“, sagt Birgit Kraus. Auch das Tragen von Handschuhen sei zur Selbstverständlichkeit geworden.

„Wir sind zwar froh, dass es jetzt weitergeht. Aber ob sich mit der Öffnung für uns so viel ändern wird, ist fraglich. Wir sind ja kein Ostseehotel, in dem viele Urlauber anreisen. Unser Geschäft zielt eher auf Durchreisende vom Fährverkehr aus Travemünde oder Besucher von Veranstaltungen. Aber die Karl-May-Spiele sind abgesagt, der Hafengeburtstag und anderes mehr“, sagt Birgit Kraus.

So sieht es auch der Inhaber des Hotels „Hinz“ in Bad Oldesloe. „Ich wäre dieses Wochenende auch ausgebucht gewesen, weil viele nach Hamburg wollten. Es wurde aber alles storniert. Uns fehlt der Gast, der kommt und bleibt“, sagt Rainer Hinz. Buchungen von Reisenden aufgrund von gewerblicher Tätigkeit hat auch er aufgenommen. Das alles habe aber den Verlust nicht aufwiegen können. Der Umsatz sei auf 1000 Euro abgesackt.

Vorbereitet ist Hinz aber schon perfekt auf die Ankunft etwaiger Urlauber. Er hat nicht nur alle Zimmer auf Vordermann gebracht, Teppiche gereinigt und den Wänden Farbe spendiert, auch ließ er Desinfektionsmittel in Fläschchen mit eigenem Logo abfüllen, damit sich jeder Gast zu den im Hause ohnehin praktizierten Hygienemaßnahmen noch zusätzlich schützen kann.

Tamara Krück (38), gemeinsam mit Gökhan Akdemir (37) Geschäftsführer in der „Mocca-Lounge“ Bad Oldesloe, ist „glücklich, dass es ein Stück vorangeht“. Das Restaurant hat am 17. März geschlossen und möchte nun pünktlich am 18. Mai wieder öffnen. „Aber auch mit Respekt vor den Maßnahmen.“ Sowohl die Gäste als auch die Angestellten und sie selbst möchten sich sicher fühlen.

Die Chefin: „Ich hoffe, dass die Gäste die Maßnahmen auch akzeptieren und mitmachen.“ So muss die Tischzahl reduziert werden, damit der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann. Auch im Außenbereich werde es eine gute Distanz zwischen den Tischen geben. „Wir werden erst einmal mit der vollen Öffnungszeit und neuer Karte starten“, sagt Krück. Sie haben die freie Zeit kreativ für die Entwicklung neuer Gerichte, ein neues Design und neue Cocktails genutzt.

Das „Casalinga“ in Reinfeld nimmt eine Sonderstellung ein. Als alle Restaurants in der Corona-Krise schließen mussten, betraf es nicht nur das eigene kleine Restaurant. Da Inhaberin Andrea Stintat (57) mit ihrem Team auch frische Pasta für andere gastronomische Betriebe fertigt, brach mit der Schließung ein gesamter Geschäftsbereich weg. Mit ihrer Frischetheke galt der Reinfelder Betrieb auf der anderen Seite als Lebensmitteleinzelhändler und durfte weiter öffnen. Nun jedoch seien die Gäste auch wieder „froh, wenn sie die Auszeit im Lokal genießen können“. Die Umsetzung in dem kleinen Lokal mit 25 Sitzplätzen werde nicht ganz einfach. Stintat: „Wir werden Tische herausnehmen müssen. Das ist für uns nicht optimal.“ Der Abstand von 1,50 Metern werde nur mit der Hälfte der Tische eingehalten. „Ich habe es so genommen, wie es gekommen ist“, sagt die „Casalinga“-Chefin.

Auch Sabine von Elm, Restaurantleiterin im „Restaurant Glantz“ in Delingsdorf, weiß, dass die Verluste hoch werden. „Wir sind ein Saisonbetrieb“, erläutert sie. „Am 18. Mai ist die halbe Saison schon um, das bedeutet jetzt schon 50 Prozent Umsatzeinbußen.“ Dennoch sei es schön, dass es wieder losgehe. „Wir richten eine Selbstbedienungs-Lounge mit Speisen rund um die Erdbeere ein, und zum Restaurant wird der Saal mitgenutzt, der sonst nur für Feiern geöffnet wird.“ Dadurch könne genügend Abstand zwischen den Gästen garantiert werden. Der Kuchenverkauf werde an einen Außentresen verlegt und Speisekarten werden laminiert, um sie desinfizieren zu können, sowie mit QR-Code versehen, damit sie über das Mobiltelefon lesbar werden. „Wir haben schon viele Anrufe bekommen. Man kann auch schon reservieren, aber nicht in großen Gruppen“, betont Sabine von Elm.

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