Abstand halten zwischen Schaukeln und Radieschen

Stormarner Tageblatt  12.05.2020

Kleingartenvereine der Kreisstadt verzeichnen in Corona-Zeiten Ansturm auf Parzellen

Ralf Klesch, Abdurrahman Cecitlioglu und Bernhard Maes (v.l.) vom Vorstand des Kleingärtnervereins von 1950 halten Abstand zwischen Blumenbeet und Rasenfläche. Rohde
Ralf Klesch, Abdurrahman Cecitlioglu und Bernhard Maes (v.l.) vom Vorstand des Kleingärtnervereins von 1950 halten Abstand zwischen Blumenbeet und Rasenfläche. Rohde
Schaukeln und Spielgeräte für Kinder sind in vielen Kleingärten zu sehen.

Schaukeln und Spielgeräte für Kinder sind in vielen Kleingärten zu sehen.

Susanne Rohde Bad Oldesloe Wer einen Garten hat, kann sich jetzt in der Corona-Krise glücklich schätzen. In einer Zeit, in der Urlaubsreisen immer noch tabu sind, bleibt einem nur die Natur vor der eigenen Haustür, um sich zu erholen – zumal, wenn das Wetter so herrlich ist, wie in diesem Frühjahr. Das merken auch die Kleingartenvereine in der Kreisstadt, denn sie verzeichnen eine erhöhte Nachfrage nach Parzellen.

Im Kleingartenverein von 1950 in der Industriestraße grünt und blüht es auf 4,6 Hektar, dass es eine Freude ist. Die Ligusterhecken sind auf 120 Zentimeter Höhe in Form geschnitten und in vielen Gärten spielen Kinder und hüpfen auf ihren Trampolins. „Wir haben keine Probleme, unsere Parzellen schnell wieder zu verpachten“, sagt Ralf Klesch vom Vorstand des Vereins.

Platz für Rentner und Familien mit Kindern

Auch wenn sich die Pachtpreise inzwischen erhöht haben, gehen die Kleingärten auch zu höheren Preisen viel schneller weg, als früher. Im Schnitt betragen die Kosten – je nach Wertermittlung und Pflegezustand – rund 3000 Euro für die Übernahme eines Kleingartens mit Laube und allem im Garten befindlichen Inventar. Inzwischen sind die meisten Laubenpieper nicht mehr nur Rentner mit viel Zeit, sondern in erster Linie Familien mit Kindern. Davon zeugen Schaukeln, Plantschbecken und Trampoline in den 80 Parzellen. Manche der meist 400 qm großen Gärten ähneln daher eher einem Spielplatz, aber immer noch gibt es die Vorgabe, dass die Kleingärten nicht in erster Linie dem Freizeitvergnügen und Grillpartys, sondern dem Gärtnern und Anbau für die eigene Versorgung mit Obst und Gemüse dienen sollen.

Früher wurde hier bis zum letzten Quadratzentimeter geackert“, sagt Ralf Klesch. Und das ist jetzt wieder angesagt – die Selbstversorgung mit Kartoffeln, Zwiebeln, Radieschen und Johannesbeeren erfährt gerade eine Renaissance. Auch die Hühnerhaltung ist wieder in. „Wir unterliegen als Verein dem Bundeskleingartengesetz, deshalb sind wir auch eine öffentliche Grünanlage“, sagt Bernhard Maes vom Vereinsvorstand. Das heißt, dass jeder Bürger das Vereinsgelände für einen Spaziergang nutzen darf. Hundebesitzer sind allerdings dazu angehalten, ihre Vierbeiner anzuleinen, was leider nicht immer der Fall ist.

Im September wollte der Verein eigentlich sein 70-jähriges Bestehen groß feiern. „Das müssen wir jetzt natürlich canceln“, bedauert Bernhard Maes, der seit 20 Jahren „Finanzminister“ des Vereins ist, aber selbst gar keinen Garten mehr bewirtschaftet. Auch der gemeinsame Arbeitsdienst auf dem Gartengelände wurde jetzt wegen Corona eingestellt, auch alle anderen öffentlichen Termine wurden ausgesetzt. Kontakte über den Gartenzaun sind natürlich erlaubt – aber auf Abstand! „Jeder hier hält sich im Großen und Ganzen an die Regeln“, betont Abdurrahman Cecitlioglu. Zum Beginn der Corona-Krise habe sogar mal die Polizei vorbeigeschaut und kontrolliert, ob hier Partys gefeiert würden, so der 2. Vorsitzende des Vereins. Doch das große Vereinshaus, das sonst gerne auch extern für Feiern gemietet wird, bleibt vorerst ver- schlossen. „Vor Corona war die Hütte alle zwei Wochen für Feiern vermietet, jetzt ist erst mal alles abgesagt“, so Ralf Klesch. Die Arbeit in den Kleingärten wurde aber nicht eingeschränkt, jeder darf nach wie vor ackern und wirtschaften, nur Pächter aus Hamburg durften bisher nicht anreisen. Die meisten Kleingärtner kommen aber aus Bad Oldesloe und Umgebung. Luxus ist für die Laubenpieper, dass jede Parzelle mit Wasser und Strom ausgestattet ist. Einige Lauben ähneln daher Wochenendhäuschen, und natürlich wird hier auch schon mal übernachtet.

„Wir bekommen Anfragen ohne Ende“ Auch im Kleingärtnerverein am Hohenkamp, der vor zwei Jahren sein 100-jähriges Bestehen feierte, wird eifrig gesät, gepflanzt und Rasen gemäht. „Wir bekommen momentan Anfragen ohne Ende“, wundert sich Heidrun Badur, seit 35 Jahren Vereinsvorsitzende. Meist seien das Familien mit Kinder, denen jetzt vielleicht die Decke auf den Kopf fällt. „Wir hatten zwar noch nie eine Warteliste, aber jetzt fällt uns ein regelrechter Run auf unsere Kleingärten auf“, führt Heidrun Badur weiter aus.

D as Vereinsgelände mit seinen 56 Parzellen gehört seit zwei Jahren der Stadt Bad Oldesloe. Angebaut werden hier in erster Linie Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf. „Schließlich schmecken Bohnen und Kartoffeln aus dem eigenen Garten am allerbesten“, ist sich Heidrun Badur ganz sicher.

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