Restaurants bereiten sich auf den Corona-Alltag vor

Stormarner Tageblatt  16.05.2020

Ab 18. Mai dürfen auch in Stormarn Gastronomen wieder unter strengen Bedingungen öffnen

Kandelar- Betreiber Rainer Hinz hat für jeden Tisch Desinfektionsmittel herstellen lassen.Nie
Kandelar- Betreiber Rainer Hinz hat für jeden Tisch Desinfektionsmittel herstellen lassen.Nie
Ein Mann der deutlichen Worte:  Dehoga-Präsident Axel Strehl. nie

Ein Mann der deutlichen Worte: Dehoga-Präsident Axel Strehl. nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Mundschutz, Plexiglaswände, Desinfektionsflaschen, minimale Dekos, Warnschilder und um spätestens 22 Uhr schließen sich die Türen. Der Restaurantbetrieb wird am Montag auch in Stormarn wieder möglich sein, aber er ist nicht mit dem Alltag zu vergleichen, den es bis März gab. Es gibt zahlreiche Regeln zu beachten: So müssen Gäste voranmelden und ihre Kontaktdaten hinterlegen, damit bei einer Infektion im jeweiligen Restaurant die Infektionsketten zurückverfolgt werden können. Doch die Gastronomiebranche schaut trotz der schwierigen Umstände positiv auf die Möglichkeit.

„Nichts ist schlimmer als totaler Stillstand“

„Zehn Wochen Schließung sind zehn Wochen, die fehlen“, sagt Axel Strehl, der das Restaurant Strehl in Ahrensburg betreibt und Präsident der Dehoga Schleswig-Holstein ist. Manche Regeln seien relativ aufwendig umzusetzen und erzeugen neue Kosten. „Aber Regeln sind kein Wunschkonzert und wir freuen uns, dass es weitergeht. Nichts ist schlimmer als totaler Stillstand“, sagt Strehl. „Wir wollen das Vertrauen der Gäste zurückgewinnen. Es geht wieder los“, sagt er. Er selbst nimmt sich für sein Restaurant noch bis zum 22. Mai Zeit für die Wiedereröffnung.

Sein Kollege Dirk Steenbock, Vorsitzender der Dehoga Stormarn und Betreiber des Restaurants „Braaker Krug“, sieht unter den Gastronomen im Kreis einen „verhaltenen Optimismus“. „Für einen gelungenen Neustart zur Öffnung der Betriebe ist diese Übergangslösung so zu akzeptieren. Weitere Lockerungen werden dann hoffentlich in Kürze danach erfolgen“, sagt Steenbock. Weder Strehl noch Steenbock sind Restaurants im Kreis bekannt, die nicht mehr öffnen können, weil ihnen die Corona-Krise das finanzielle Genick brach. „Wenn es das gibt, wird es aber auch erst später rauskommen. Eigentlich ruft niemand bei uns an und sagt, dass er pleite sei“, erklärt Strehl.

Für Rainer Hinz vom Bad Oldesloer Restaurant „Kandelar“ wird es „höchste Zeit, dass es jetzt losgeht“. Bis Ende April seien die Verluste noch einigermaßen zu verkraften gewesen, doch alles, was seit dem 1. Mai passiert sei, sei „nun richtig bitter“. Zusammen mit dem Hotel Hinz, das an das Restaurant angrenzt, würden zehntausende Euro in der Kasse fehlen. Insgesamt sei es ein Drittel des Jahresvolumens.

Er hat seine Platzanzahl von 50 auf 30 Plätze reduziert. An jedem Tisch werden extra hergestellte Desinfektionsflaschen mit Restaurantlogo stehen. Natürlich sei sein Personal geschult, und auf die Regeln werde mit Schildern hingewiesen. Damit diese international verständlich seien, habe er extra Icons entwickelt. Er habe einen Kredit aufgenommen, um gut über die nächsten Monate zu kommen. „Ich möchte auf keinen Fall Personal entlassen. Ohne mein Personal bin ich nichts“, sagt er. „Wir freuen uns auf alle Gäste. Wir setzen alle Regeln um. Ich hoffe, dass im August dann wieder alles auf Kurs ist“, so Hinz.

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