Betrachtungen zum Wochenausklang: Corona verändert den Kreis Stormarn

Stormarner Tageblatt  23.05.2020

Stormarner Wochenschau

Corona verändert den Kreis Stormarn

„Einkauf nur mit Maske“ – kein Problem...Megi Balzer

„Einkauf nur mit Maske“ – kein Problem…Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Auffällig Es ist dem aufmerksamen Leser in dieser Woche nicht entgangen. Bei zahlreichen Einbrüchen in Gartencentern oder bei Garten- und Landschaftsbauern wurden Kleingeräte und allerlei Nützliches für Terrasse, Garten und Blumenbeet erbeutet. Es muss dem aufmerksamen Leser vorkommen, als würden da regelrechte Bestelllisten abgearbeitet, schließlich wollen auch Langfinger ihre Freizeit im heimischen und vor allem im gepflegten Garten verbringen. Der Grund kann aber auch ein anderer sein – wie unsere Karikaturistin es zeichnerisch festgehalten hat – vielleicht wurde ja auch nur die Regel „Einkauf nur mit Maske“ von einigen Zeitgenossen allzu wörtlich ausgelegt.

Renaissance Ob Autokino, Autodisco oder Autogottesdienst. Das Auto – das liebste Kind der älteren Generationen, bei der Jugend längst nicht mehr so angesagt – erlebt eine Renaissance. So fährt man in die Disco, um einem DJ beim Auflegen zuzusehen, tanzt zwischen Lenkrad und Gaspedal und läuft Gefahr, die Veranstaltung erst wieder verlassen zu können, wenn die letzte Platte verklungen ist. Man fährt in den Autogottesdienst, um seinem Schöpfer nahe zu sein, alles sehr gewöhnungsbedürftig. Einzig das Autokino kommt uns vertraut vor, nur dass der Ton heutzutage über das Autoradio komme und nicht ein blecherner Lautsprecher ins Auto gehängt werden muss. Aber seien wir mal ehrlich, ein Ersatz für Club- oder Discobesuch, für Gottesdienst oder Kinoabend ist das nicht.

Weggeschaut Um den Frust nicht zu erhöhen, so heißt es, bleibt die Oldesloer Stadtverwaltung beim Geschehen auf dem Exer inkonsequent. Zwar werden immer wieder die ausgehängten und gültigen Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Kontaktbeschränkungen verletzt, doch es bleibt bei Ermahnungen. Der Bürgermeister versteht dies als Solidarität mit Jugendlichen, die wieder Fußball spielen wollen. Dass der ehemalige Vorsitzende des Kreisfußballverbands ein großes Herz für sie zu haben scheint, verwundert nicht und ist menschlich nachvollziehbar. Aber es gibt Eltern, die sich irritiert zeigen, die ihre Kinder genau daher nicht auf den Kunstrasen und ins Skateland lassen, weil sie es dem Nachwuchs nicht erklären können, weshalb im Supermarkt später wieder Mundschutz getragen und 1,50 Meter Abstand gewahrt werden soll. Eigentlich hatte die Stadtverwaltung angekündigt, den Kunstrasen zu sperren, wenn Regeln nicht eingehalten werden. Doch davon sieht man trotz abendlicher Partytreffen ab. Man fürchtet die Kritik derer, die sich an die Regeln halten und nur Freistöße und Elfmeter trainieren. Doch der Frust entsteht jetzt an anderer Ecke. Denn während Verwaltung und Ordnungsamt auf dem Exer quasi wegschauen, fühlen sich Geschäftsleute zum Teil gegängelt. Wie groß wäre das von der Verwaltung am Exer eingeforderte Verständnis, wenn der Frisör plötzlich die Sicherheitsvorkehrungen weglässt, Restaurants jeden Stuhl freigeben oder Geschäfte die Mundschutzpflicht ignorieren? Oder wo sind Augenmaß und Solidarität, wenn das Parkticket abgelaufen ist?

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