Oldesloer Kulturszene fährt vorsichtig hoch

Stormarner Tageblatt  25.05.2020

Inken Kautter freut sich über den Neuanfang im Kub und anderswo

Derzeit mehr  Ruhestätte statt Musentempel: Bad Oldesloes  Kultur- und Bildungszentrum. nie
Derzeit mehr Ruhestätte statt Musentempel: Bad Oldesloes Kultur- und Bildungszentrum. nie
Kub-Chefin Inken Kautter.Nie

Kub-Chefin Inken Kautter.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Auch die Oldesloer Kulturszene ist in der Corona-Krise per Notbremsung zum unerwarteten Halt bei voller Fahrt gekommen. Veranstaltungen sind seit Mitte März komplett abgesagt, Pflasterart ist in den Herbst verlegt, der Kulturtag wird erst 2021 wieder stattfinden und das Stadtfest wurde sogar bis ins Jahr 2022 verschoben.

Das ansonsten zu dieser Jahreszeit lebendige Treiben im Kultur- und Bildungszentrum ist vollständig zum Erliegen gekommen. Wo sich Sprachschüler, Musiker, Zuschauer und Cafébesucher treffen, herrscht seit zwei Monaten gähnende Leere.

Mit den aktuellen Lockerungen der Landesregierung kann der Betrieb nur sehr langsam wieder ein wenig hochgefahren werden.

Als erste Institution hat die Musikschule ihren Einzelunterricht wieder aufgenommen. In dieser Woche öffnet erst das Café, dann möchte die Volkshochschule zumindest schon mal ihre wichtigen Sprachkurse fortsetzen und die Stadtinfo wird wieder Öffnungszeiten anbieten können – wenn auch voraussichtlich stark eingeschränkt an zunächst nur zwei Tagen in der Woche.

Bad Oldesloes Inken Kautter freut sich über den Neuanfang, auch wenn die Vorsicht die nächsten Schritte prägt. „Natürlich würde ich lieber eine Wiedereröffnungsfeier mit ganz vielen Menschen machen, aber das müssen wir uns für später aufheben“, sagt sie lachend. Kultur und Bildung zu vermitteln und dabei die bestehenden Regelungen einzuhalten sei ein schwieriger und wackeliger Drahtseilakt. „Wir lernen gerade umzudenken“, sagt die Kulturmanagerin: „Fast alles, was wir geplant hatten, ist so erst einmal nicht möglich.“ Die Veranstaltungen aus dem Kub-Spielplan, die bis zur Sommerpause stattfinden sollten sind alle verschoben oder abgesagt worden.

Die „Normalität“ im Veranstaltungsbetrieb ist noch nicht wieder in Sicht. Die Grenze von maximal 50 Zuschauern und die Abstandsregeln machen es zur Zeit schwer, klassische Veranstaltungsformate umzusetzen.

„Wirtschaftlich wie atmosphärisch ist das eine Herausforderung für alle Kultursparten“, so Kautter: „Wir müssen uns fragen, was zur Zeit möglich ist und mit den Einschränkungen umgehen. Wir könnten vielleicht zum Beispiel kleine Lesungen im Park anbieten, sobald es wärmer wird.“ Die Kub-Chefin und ihr Team arbeiten daher mittlerweile ganz konkret an kontaktarmen Kunstprojekten, um die Kultur in Bad Oldesloe weiterhin sichtbar zu halten.

Zum Beispiel wird die Bevölkerung aufgerufen, ihre Gedanken dazu, was in zehn Jahren von der Corona-Krise bleiben wird, schriftlich mitzuteilen. Alle eingehenden Anschreiben werden ungelesen in einer Zeitkapsel vergraben und erst im Jahr 2030 wieder gehoben und dann laut vorgelesen.

Außerdem werden kleine kulturelle Interventionen im öffentlichen Raum stattfinden, die erst auf den zweiten Blick als organisierte Kultur sichtbar sind. Alles in Rücksprache mit dem Ordnungsamt, um Gefährdungssituationen im Vorfeld ausschließen zu können. „Die Bemühung nicht allzu sichtbar zu werden und möglichst wenige Menschen anzuziehen, ist ungewohnt„ gibt Inken Kautter zu „normalerweise ist es ja andersherum.“

Auch für die eigentlich für den Juni im Kub geplante Opernpremiere „Die Zauberflöte“ wird weiter nur online geprobt. Da aber das explizit ausgesprochene Verbot von Veranstaltungen mit „erhöhter Freisetzung von Tröpfchen“ die Aufführung auch in den kommenden Monaten unwahrscheinlich macht, ist die Premiere als „virtuelle Zauberflöte“ im August im Internet geplant.

„Dass wir auf diesem Wege doch noch an dem Opernprojekt teilhaben dürfen, ist ein kleiner Lichtblick für die Oldesloer Opernfans“, sagt Kautter. Sie dankt den jungen Musikern und ihrem Regisseur Anthony Pilavachi für ihre schnelle Reaktion auf die ungewohnten Umstände.

Kautter hat die Hoffnung darauf, dass ab dem Herbst auch wieder der reguläre Spielbetrieb im Kub möglich ist, nicht aufgegeben. „Der Spielplan für das Kub steht und ich drücke die Daumen, dass die tollen Veranstaltungen alle stattfinden können. Mir fehlen die Kabarettabende, die Konzerte und das Theater schon jetzt. Und ich hoffe, dass das nicht allzu lange so bleibt. “

Auch an anderen Stellen fährt das kulturelle Leben langsam wieder hoch. So lädt die Galerie BOart im Rahmen der Möglichkeiten zu Ausstellungen in den bekannten Räumlichkeiten ein. Die Musikszene hingegen muss sich weiterhin auf Online-Streamings beschränken.

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