Oldesloer Musikschule: Virtueller Unterricht als Chance

Lübecker Nachrichten   27.05.2020

Online-Schulung hat sich etabliert – Noch keine Lösungen für das Spielen in Gruppen und das Singen im Chor

Bad Oldesloe. Musik und Tanz hellen gleichermaßen die Stimmung auf. In Zeiten der Corona-bedingten Kontaktsperren können die schönen Künste ein probates Mittel gegen Schwermut sein. Umso sehnsüchtiger warten viele Schüler der Oldesloer Musikschule für Stadt und Land darauf, ihre Instrumente wieder im Konzert mit anderen zu spielen. Das ist zwar nach den derzeitigen Regelungen noch nicht möglich, doch zieht die Schule sämtliche Register, um die Entwicklung ihrer Eleven den Umständen entsprechend zu fördern.

„Wir mussten den kompletten Betrieb ja wie alle am 16. März einstellen. Zum Glück konnten wir mit dem Einzelunterricht am 11. Mai wieder beginnen“, sagt Musikschulleiter Marian Henze. Reichlich Desinfektionsmittel anzubieten, sei die eine Sache, doch je nach Bau- und Spielweise des Instruments gelte es, besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um eine mögliche Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger zu vermeiden. Im Speziellen betreffe dies den Unterricht in Gesang sowie bei sämtlichen Holz- und Blechblasinstrumenten. Da in diesen Fällen mit der Tonerzeugung auch feuchte Luft ausgeatmet werde, sei die Gefahr, dass es zu Tröpfcheninfektionen komme, recht groß.

Deshalb werden diese Fächer in den größten Räumen unterrichtet. So können Schüler und Dozenten genügend Abstand voneinander halten. „Zusätzlich trennen wir beide noch mittels Aerosolbarrieren. Das sind Aufsteller, zwischen die eine Folie gespannt ist. Da gelangt kein Tröpfchen auf die andere Seite“, erklärt Henze.

Gute Erfahrungen macht die Schule offenbar auch mit den Online-Angeboten, die entwickelt wurden, als der Live-Unterricht noch nicht wieder möglich war. „Man trifft sich auf einer Internetplattform. Das funktioniert im Einzel- wie im Gruppenunterricht“, berichtet der Musikschulleiter. Abgesehen davon, dass einige Dozenten und Schüler zurzeit ohnehin das virtuelle Lernen dem Präsenzunterricht aus gesundheitlichen Gründen vorzögen, stelle das Online-Angebot eine gute Ergänzung dar. „Sicher ist der persönliche Kontakt wichtig. Aber diese neue Form bietet auch ungeahnte Chancen“, sagt Henze.

Als Beispiel nennt er die von der Schule für Ballett und Tanz entwickelten Kurse zur Frühförderung. „Die Kinder werden auf eine Fantasiereise durch den Garten mitgenommen und angeregt, sich dazu zu bewegen“, erklärt Henze. Das Angebot richte sich insbesondere an Neueinsteiger, die ausprobieren wollten, ob sie sich für Ballett begeistern können. Einige Kinder trauten sich auch gar nicht in die Musikschule, wenn sie noch keine richtige Ballettkleidung haben. Beim Test im heimischen Umfeld fühlten sie sich sicherer.

In sechs von acht Fachbereichen der Schule ist Heimunterricht am Bildschirm möglich. Dazu gehören Klavier, Holz- und Blechbläser, Schlaginstrumente, Streicher, Zupfinstrumente, Gesang und Tanz. Virtuell soll auch der gesamte Unterricht nachgeholt werden. „Dazu soll der Beginn der Sommerferien genutzt werden. Das ist mit den Schülern schon abgesprochen. Wir möchten vermeiden, dass Gebühren erstattet werden müssen. Für einen gemeinnützigen Verein wie wir einer sind, wäre das existenzgefährdend. Zum Glück hat es keine Kündigungswelle gegeben“, sagt der Musikschulleiter.

Die Nachteile des Online-Musizierens will Henze aber keinesfalls verschweigen. „Die Klangqualität hat ihre Grenzen und wenn die WLan-Verbindung schwächelt, hat man etwas Schwierigkeiten“, sagt er. Doch nicht nur das. Denn bis dato weisen sämtliche Apps, die eine Live-Übertragung ermöglichen, eine große technische Schwäche auf. Zeitgleiches Singen im Chor oder mit instrumentaler Begleitung sowie das Spielen in der Gruppe ist in Echtzeit kaum möglich. Das ausgesendete Signal kommt stets mit Verzögerung beim jeweiligen Empfänger oder Zuhörer an. „Das latenzfreie Musizieren ist noch Zukunftsmusik“, fasst es Henze zusammen. So können Schüler ihre Beiträge auch im Gruppenunterricht nur nacheinander präsentieren. Für das erste Vorspiel, das die Musikschule am Donnerstag, 28. Mai, veranstaltet, ist dies kein Hinderungsgrund. Alle Schüler, die Lust haben, etwas vorzutragen, können von 18 Uhr an ihr Können unter Beweis stellen. dvd

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