Lokalpolitik bremst Privatinvestor aus

Stormarner Tageblatt  29.05.2020

Lokalpolitik hat für Teile des neuen Gewerbegebiet Süd-Ost eine Veränderungssperre beschlossen

Die Bauarbeiten für das Amazongebäude schreiten weiter voranNiemeier
Die Bauarbeiten für das Amazongebäude schreiten weiter voran  Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Das privat vermarktete Gewerbegebiet Süd-Ost ist wohl das meist diskutierte Baugebiet im Kreis. Mit großen Erwartungen ausgestattet, entwickelte es sich für den privaten Investor zum Erfolg – und für die Stadt Bad Oldesloe zu einer Mischung aus Ärgernis und Enttäuschung.

Der Grund: Obwohl die Lokalpolitik – bevor der Investor ersten Ansiedlungsverträge abschloss – darauf aufmerksam machte, dass man sich auf dem Areal keine Logistiker und Lager oder prekären Arbeitsplätze wünsche – trat genau dieses Szenario ein. Die erste im vergangenen Jahr groß angekündigte Ansiedlung war das Auslieferzentrum des Internet-Giganten „Amazon“. Ein Unternehmen, das gerade für den Umgang mit seinen Mitarbeitern in der Logistik sowie für die Verhältnisse bei den Subunternehmen, die die Auslieferung durchführen, weltweit immer wieder deutlich in der Kritik steht.

Bis heute hat die Lokalpolitik sich nicht an den Gedanken gewöhnt, dass Amazon dort in einen „hässlichen Schuhkarton“ einziehen wird – so FBO-Politiker Matthias Rohde. Die politisch Verantwortlichen der Stadt wissen allerdings, dass sowohl die Erschließung als auch das Bauvorhaben in der bestehenden Form juristisch nicht anfechtbar sind.

Kaum war der erste Schock verkraftet, wurde erneut der Wunsch an den Grundstücksentwickler herangetragen, dort fortan keine weiteren Logistiker oder ein Lager dort anzusiedeln. Doch prompt kam die zweite Ankündigung: Die Asklepios-Kliniken bauen ein Zentrallager. Spätestens zu diesem Zeitpunkt reichte es auch den Anwohnern aus Rethwischfeld. Sie machten gegen das Gewerbegebiet im Ausschuss mobil, beklagen zunehmenden Verkehr, befürchten, dass vor ihren Häusern immer mehr Fahrzeuge parken,es zunehmend Lärm und Lichtsmog geben würde.

Das fordert die politischen Gremien heraus. Jetzt sucht man nach Möglichkeiten, den Grundstücksentwickler in seiner Ansiedlerauswahl beeinflussen zu können. Die bereits beschlossenen Bauvorhaben könne man zwar nicht mehr aufhalten, denn bei erzwungener Rückabwicklung drohen Schadensersatzforderungen. So ist man versucht, sich mit den ungeliebten Lagerhäusern zu arrangieren.

Eine Konsequenz hat Bürgermeister Jörg Lembke bereits verkündete: Man werden nie wieder eine Gewerbegebietserschließung durch einen privaten Grundstücksentwickler zulassen. In Zukunft solle der Partner wieder ausschließlich die Wirtschafts-Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) sein. Die bisherigen Ansiedlungen seinen „für Bad Oldesloe als Stadt im Prinzip nur eine teure Tasse Tee“.

Die Lokalpolitik hat jetzt in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung außerdem die Chance ergriffen, für die noch nicht erschlossenen Flächen eine Veränderungssperren auszusprechen, damit die Planung nicht wie bisher weitergeht.

Es soll nun ein feineres Erschließungssystem mit kleineren Grundstücksparzellen angedacht werden. Außerdem soll die Leistungsfähigkeit der Verkehrsknoten überprüft werden. Die Lokalpolitiker hatten im Wirtschafts- und Planungssausschuss (WPA) mehrheitlich betont, dass man die Ansiedlung weiterer Lager und Logistiker untersagen werde. Positiv soll nun bewertet werden, ob die bisher untersagten Nutzungen durch Beherbergungsgewerbe und Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude ermöglicht werden.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.