Spannende Arbeit „im Untergrund“

Stormarner Tageblatt  29.05.2020

Celina Höffgen ist die neue Archivarin der Stadt Bad Oldesloe und seit Anfang April im Amt

Stadtarchivarin Celina Höffgen sucht nach Unterlagen in der Rollregalanlage des Stadtarchivs,  das sich im Untergeschoss des Stadthauses befindet. Susanne Rohde
Stadtarchivarin Celina Höffgen sucht nach Unterlagen in der Rollregalanlage des Stadtarchivs, das sich im Untergeschoss des Stadthauses befindet. Susanne Rohde

Susanne Rohde Bad Oldesloe Archive – sind das nicht diese staubigen, dunklen Kellerräume, wo haufenweise alte Akten, Dokumente, Bücher und sonstiger Papierkram aufbewahrt werden? Und Archivare haben doch eher das Image, ältere und etwas kauzige Typen zu sein, die stundenlang in irgendwelchen Schränken und Kisten herumkramen. So viel zu den Vorurteilen. Celina Höffgen widerlegt sie alle. Die junge Frau ist sportlich, sympathisch und voller Elan – und ihr großer Berufswunsch war es, Archivarin zu werden, weil sie die Arbeit einfach spannend findet. Als Nachfolgerin von Dr. Sylvina Zander, die 25 Jahre lang Archivarin der Kreisstadt war und (wie berichtet) kürzlich in Rente ging, hat Celina Höffgen natürlich recht große Fußstapfen zu füllen. Doch die junge Frau ist zuversichtlich und optimistisch, dass ihr das gelingen wird.

D er Start war stressig und etwas chaotisch, weil er genau in die Corona-Zeit fiel. „Mein erster Arbeitstag war deshalb im Home-Office“, erzählt die 30-Jährige, die an der Uni Potsdam Archivwissenschaften studierte und erst Ende März ihre mündliche Prüfung ablegen konnte. Anfang April saß sie dann endlich zum ersten Mal in ihrem Büro im Stadthaus. „Es ist ein schwieriges Unterfangen, sich im Stadtarchiv zurecht zu finden und die Abläufe dort kennenzulernen“, gesteht die junge Archivarin, die jetzt in Hamburg wohnt und täglich mit Bus und Bahn in die Kreisstadt pendelt.

Vor dem Studium absolvierte Celina Höffgen an der Fernuni in Hagen, wo sie auch geboren wurde und aufwuchs, eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im Archiv. „Ich war die allererste, die dort diese Ausbildung gemacht hat“, sagt Celina Höffgen. Anschließend arbeitete sie im Stadtarchiv in Kamen, wo sie alle Arbeitsabläufe von der Pike auf kennenlernte. „Das hat mir großen Spaß gemacht, aber ich habe es mir erst mal nicht zugetraut, ein Archiv zu leiten“, so die junge Frau. Deshalb absolvierte sie noch einige Praktika, zum Beispiel im Krupp-Archiv in Essen, dem ältesten deutschen Unternehmensarchiv moderner Prägung, sowie im Landeskirchlichen Archiv in Bielefeld. Das Highlight aber war ein Praktikum im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, dem bundesweit ältesten Literaturarchiv mit einem Gesamtbestand von rund fünf Millionen Blatt. „Es war ein tolles Gefühl, einen Original-Brief von Goethe in den Händen halten zu dürfen“, erinnert sie sich.

„Die meisten Archive befinden sich komischerweise in Kellerräumen, selten woanders, und das ist natürlich spannend.“ Auch das Oldesloer Stadtarchiv liegt im Untergeschoss des Stadthauses, gesichert durch dicke Brandschutz- und Panzertüren, denn da lagert quasi das historische Gedächtnis der Stadt. Die älteste Urkunde, die hier aufbewahrt wird, stammt aus dem Jahr 1365 und belegt damit, auf welch lange Tradition das Oldesloer Stadtarchiv, das Mitglied im Verband kommunaler Archive ist, zurückblicken kann. Die meisten Dokumente befinden sich in einer modernen Rollregalanlage, andere werden in Standregalen, Truhen, Kisten und Kartons aufbewahrt.

Insgesamt sind es 370 laufende Meter. „Ich werde mich auf die digitale Langzeitarchivierung mit Hilfe spezieller Archivsoftware fokussieren und alle analogen Bestände erfassen“, erzählt Celina Höffgen frohe Mutes. Denn ihr Auftrag als Archivarin sei es, alle Unterlagen zu sichern und zu erhalten, die im Interesse der Stadt und ihrer Verwaltung liegen könnten. „Mich reizt es, die Geschichte der Stadt Bad Oldesloe kennenzulernen, die Arbeit im Stadtarchiv war bisher schon sehr spannend“, so Celina Höffgen, die auch die Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv und mit dem Kultur- und Bildungszentrum (Kub) intensivieren und einige neue Projekte starten möchte. „Ein bisschen Abwechslung ist schon schön. Ich will ja nicht nur im stillen Kämmerlein sitzen und Akten verzeichnen“, betont die junge Verwaltungsmitarbeiterin, die als Hobbys auch das Schreiben, Klavierspielen und Sport nennt.

I hre erste Aufgabe im Amt war das Beantworten einer Nutzeranfrage. Denn das Stadtarchiv steht jedem Interessierten für Auskünfte und für eigene Nachforschungen zur Verfügung – allerdings nur in einem besonderen Raum und nicht in den Magazinen. In drei räumlich voneinander getrennten Archivräumen werden jahrhunderte alte Urkunden sowie Karten, Pläne und Akten aufbewahrt, aber auch Briefe, Protokolle, Haushaltspläne und Gebäudeakten, Nachlässe, Filme, Karten und Fotos, außerdem eine Zeitungssammlung sowie eine Präsenzbibliothek mit Büchern zur Geschichte von Bad Oldesloe und Schleswig-Holstein.

Mehr als nur ein Aktenschrank

Das Wort „Archiv“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Aktenschrank. Aber eigentlich ist ein Archiv eine Institution oder Einrichtung, in der zeitlich unbegrenzt neben Akten, Dokumenten und Urkunden auch Fotos, Filme oder Tonaufnahmen aufbewahrt werden. Meistens handelt es sich dabei um Unikate. Es gibt öffentliche und private Archive und zunehmend gewinnt die digitale Archivierung an Bedeutung.

Das vor 28 Jahren erlassene Landesarchivgesetz gab den öffentlichen Archiven in Schleswig-Holstein erstmals eine umfassende gesetzliche Grundlage und wies sie auch als moderne Dienstleistungsunternehmen für Forschung, historische Bildungsarbeit und auch Kulturpflege aus. srp

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