Betrachtungen zum Wochenausklang: Menschen, Tiere, Kuriositäten

Stormarner Tageblatt  06.06.2020

Stormarner Wochenschau

Menschen, Tiere, Kuriositäten

Prost Mahlzeit: Eltern zahlten nicht fürs Mittagessen.Megi Balzer
Prost Mahlzeit: Eltern zahlten nicht fürs Mittagessen.Megi Balzer

Patrick Niemeier und Volker Stolten

Unendliche Geschichte Ein stark kritisierter Caterer wurde vom Hof gejagt, der Wunschpartner-Nachfolger hat nun nach neun Monaten gekündigt. Wer dachte, dass die unendliche Geschichte rund um die Versorgung der Grundschulkinder in Bad Oldesloe vorläufig beendet sei, sah sich getäuscht. Weil zu viele Eltern für die Mittagsversorgung nicht zahlten, warf ein Bio-Caterer überraschend hin. Eine Geschichte, die nur Verlierer kennt. Die Kinder stehen ohne Essen da. Die Eltern bekommen Mahnungen vom Inkasso-Unternehmen, die Lokalpolitik kritisiert die Verwaltung, die Schuld an der Situation sein soll. Der Vertrag sei nicht gut, die Eltern nicht genug eingebunden und so weiter. Dabei muss man tatsächlich sagen, dass im vergangenen Sommer die Verwaltung alles in Bewegung setzte, um den Wünschen der Eltern und der Lokalpolitik nachzukommen. Einzelne Mitarbeiter verschoben Urlaubstage und arbeiteten Überstunden, damit zum neuen Schuljahr eine funktionstüchtige Mensa vorhanden sein konnte – sie sehen sich jetzt durchaus zu Recht ungerecht beurteilt. Tatsächlich scheint es zu einfach und etwas absurd, der Verwaltung die Schuld daran zu geben, dass Eltern Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Man muss auch fragen, was bei der Kommunikation unter den Eltern und an der Schule sowie in der Kommunikation der Eltern und der Schule mit dem Caterer schief lief, so dass die Situation dermaßen eskalieren konnte. Wurden finanziell Bedürftige unterstützt? Gab es unterhalb der Eltern keinen Kontakt, keine Unterstützung? War bekannt, dass für finanzielle Unterstützung Anträge gestellt werden müssen? Half man sich untereinander? Wer wusste seit wann von diesem Problem?

Mission Bambi Bei den Tieren verhält es sich wie bei den Menschen: Es gibt sauschlaue, weniger schlaue und dumme. Zu denen, die etwas auf dem Kasten haben, zählen die Krähen. Denen passiert so etwas, wie in diesem Fall, nicht. Sie sind sehr clever, kommunizieren miteinander und geben ein drohendes Gefahren-Potenzial gleich an den Nachwuchs weiter. Der weiß ruckzuck, woher der Wind weht, wer böses vorhat, nimmt die Flügel in die Hand und zieht Leine. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Bei Rehen scheint diese Gabe nicht so ausgeprägt zu sein. Sie geben eine Gefahren-Quelle nicht unbedingt an den Nachwuchs weiter. Frei nach dem Motto: Rehaugen zu und durch. Wer jetzt aber vielleicht denkt, diese Tiere seien dümmer als die Polizei erlaubt, irrt. Rehe haben sich, auf einen einfachen Nenner gebracht, an die Geräuschkulisse gewöhnt. Das erklärt, warum die Tiere dem Menschen fast ohne Scheu auf die Pelle rücken und plötzlich in Nachbars Garten stehen. Das erklärt, warum sie ihre Kitze trotz der durch landwirtschaftliche Geräte erzeugten Lärmpegel nicht warnen. Die Rehkinder kauern in hohen Wiesen und ducken sich nur noch mehr, wenn der Mähdrescher naht. Dieses Duckmäusertum reicht natürlich nicht. Der Tod der Kitze ist unausweichlich. Gut, dass der Mensch vorausschauend agiert und Mechanismen zur Kitz-Rettung in Bewegung setzt. Vor dem Mähvorgang aufgestellte Kofferradios, aus denen vielleicht laute Heavy-Metal-Musik dröhnt, um Kitze zu vertreiben, Jagdhunde, um die tierischen Kinder aufzuspüren oder Drohnen, die aus der Luft alles im Blick haben, kommen zum Einsatz – der sich das ein oder andere Mal bereits ausgezahlt hat. Schön, dass der Mensch, der Mutter Natur kräftig zusetzt und auf der Erde eigentlich überflüssig ist wie ein Kropf, in diesem speziellen Fall alles richtig macht. So lange die Rehe sich nicht auch noch an laute Radiomusik gewöhnen … Noch klappt’s. Nicht nur der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

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