Neustart mit Hürden

Stormarner Tageblatt  06.06.2020

Zu Besuch bei Restaurant- und Barbetreiber Alessio Zagari nach der Corona-Zwangspause

Gastronom Alessio Zagari im „Laurent“: „Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen, wenn wir durchhalten und überzeugen.“ Nie
Gastronom Alessio Zagari im „Laurent“: „Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen, wenn wir durchhalten und überzeugen.“ Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Türen sind wieder offen, einige Gäste sitzen an den Tischen. Die Gastronomie darf seit wenigen Wochen wieder öffnen. So auch das Oldesloer „Laurent“. Ende April besuchten wir Gastronom Alessio Zagari mitten im Corona-Shutdown. Er zeigte sich damals besorgt, aber optimistisch und hoffte auf eine baldige Chance weiterzumachen.

Jetzt, einige Wochen später, sitzen wir wieder gemeinsam im „Laurent“ am Oldesloer Marktplatz und besprechen, wie damals abgemacht, die Situation nach der Corona-Schließung. Die erste Zwischenbilanz: „Es läuft zögerlicher wieder an, als ich gedacht hätte“, sagt Zagari mit einigen Sorgenfalten auf der Stirn. Aber er wisse von zahlreichen Kollegen in Stormarn und Hamburg, dass das überall so sei. „Es ist noch bei manchen Leuten Angst da. Es geht immer darum, wie das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird“, so der Gastronom. „Wir erfüllen alle Vorschriften. Wer uns kennt, weiß, dass wir professionell sind und niemand Angst wegen der Hygiene haben muss“, führt er aus.

So manche Stammgäste sind schon zurückgekehrt. „Aber es gibt so 20 Prozent, die sonst immer kamen, die fehlen. Es sind vor allem die Älteren, die sich Sorgen machen. Zudem fehlen die Geburtstage, Firmenfeiern und Partys“, so der Gastronom. Die nutzbare Fläche im „Laurent“ sei auf unter 50 Prozent geschrumpft, weil die Abstände eingeplant werden müssen. „Aktuell sind wir bei 30 bis 40 Prozent unserer normalen Gästezahl. Die laufenden Kosten sind aber da. Es muss sich etwas tun, damit man nicht Probleme bekommt“, sagt er. Er habe im Vergleich noch Glück. Viele Lieferanten und Partner kenne er seit Jahren und haben Rechnungen gestundet. „Aber auch das muss ja irgendwann gezahlt werden.“

Er habe bemerkt, dass die Gästezahl langsam steige. „Man hört, es werde lange Zeit dauern, bis es wieder normal läuft. Viele arbeiten noch von zuhause oder gehen nicht in die Stadt. Aber für uns waren die letzten drei Monate schon eine lange Zeit“, so Zagari.

Seine „Bar Laurent“ in der Mühlenstraße bleibt bis auf weiteres geschlossen. „Was willst du in einer Bar, in die nur 15 Gäste kommen dürfen? Das hat weder Atmosphäre, noch rechnet es sich, stellt er klar. Wenn eine zweite Corona-Welle im Herbst komme, müsse der Staat sich für alle in der Branche etwas einfallen lassen. „Alles geht, wenn die entsprechende Unterstützung da ist“, so Zagari. „Ich bin leidenschaftlicher Gastronom und kein reiner Kaufmann. Wer nur kaufmännisch rechnet, sagt irgendwann, dass sich das nicht mehr lohnt und macht was anderes“, erklärt er. Das sei nicht seine Art. Aber er wolle auch nicht nochmal von vorne anfangen müssen.

Entscheidend sei jetzt, dass die Innenstadt attraktiver werden, so dass die Menschen zurückkommen, die sich umgewöhnt haben. „Umgewöhnung passiert schnell. Bad Oldesloe muss mehr attraktive Gründe bieten, in die Fußgängerzone zu kommen. Das galt schon vor Corona“, so der erfahrene Gastronom. „Wir bleiben optimistisch, dass wir es schaffen, wenn wir durchhalten und überzeugen.“

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