Ankommen, um zu gehen

Stormarner Tageblatt  09.06.2020

Das Stormarner Hospiz „Lebensweg“ hat in Corona-Zeiten seine Arbeit aufgenommen

Susanne Rohde Bad Oldesloe Vor einigen Wochen öffnete das stationäre Hospiz Lebensweg im Sandkamp seine Pforten und empfing inzwischen seine ersten Gäste. „Ich bin immer noch überwältigt, wenn ich hier reinkomme. Es gibt eine besondere Energie in unserem Haus. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit sind wir nun voll in der operativen Arbeit. Und unsere Mitarbeiter sind super motiviert, auch wenn die Technik noch nicht vollständig funktioniert“, sagt Sabine Tiedtke, die fast täglich im Hospiz vor Ort ist.

Große Nachfrage

Für die Initiatorin und Geschäftsführerin des Hospizes ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung, aber der nicht einfache Alltag in Zeiten der Corona-Pandemie hat auch bei ihr inzwischen Spuren hinterlassen. „Es ist sehr anstrengend. Alles ist neu und wir mussten uns erst mal finden im Alltag“, so die Bankkauffrau und gelernte Krankenschwester, die auch ein wenig traurig ist, dass die Einweihung des Hospizes nicht wie geplant öffentlich groß gefeiert werden konnte.

„Wir haben jetzt einen Übergang zu einem ganz neuen Abschnitt. Die Rollen wechseln, und ich muss damit klar kommen, dass ich jetzt meine eigene Rolle finden muss.“ Das sei sehr aufregend und natürlich müssten sich die Ablaufstrukturen noch endgültig finden. „Aber mein Eindruck und die Rückmeldungen sind so, dass sich die Gäste und auch die Angehörigen bei uns sehr wohl fühlen und total dankbar sind für die Unterbringung in unserem Hospiz“, betont Sabine Tiedtke. Die Nachfrage nach Plätzen im Hospiz sei sehr groß und es gebe bereits eine lange Anfrageliste. „Ein Gremium entscheidet dann, wer kommt, je nach individueller Situation“, so Tiedtke.

Im Eingangsbereich werden Gäste und Besucher an der Rezeption empfangen. Hier steht auch ein Sideboard mit einem so genannten Seelenhäuschen mit der Aufschrift „Alles, was die Seele ausmacht, lebt weiter“ und vielen Windlichtern – für jeden Gast eines. Wenn ein Gast verstorben ist, wird eine Kerze angezündet. Die Angehörigen dürfen sich dann einen der 20 beschrifteten Steine aus dem Seelenhäuschen als Andenken mitnehmen. „Man hat das Gefühl, die Gäste kommen bei uns an und machen sich dann auf den Weg“, erklärt sie.

Zum Glück wurden die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ein bisschen gelockert, und deshalb dürfen die zurzeit acht Gäste auch täglich Besuch von ihren Angehörigen empfangen, die lediglich einen Mund-Nasenschutz tragen und sich in eine Liste eintragen müssen, wenn sie kommen und gehen. Viele sitzen bei schönem Wetter auf ihrer kleinen Terrasse, aber leider dürfen das Café und die so genannte Dorfmitte mit Klavier, Kamin und Sitzecke noch nicht genutzt werden. Noch fehlen auch einige der insgesamt 30 Mitarbeiter, und auch die rund 20 Ehrenamtlichen dürfen noch nicht starten mit ihrer Arbeit im Haus. „Die scharren schon mit den Hufen, weil sie uns im Haus unterstützen wollen. Jetzt beschäftigen sie sich draußen und kümmern sich fleißig um die Grünanlagen“, so Sabine Tiedtke.

Fast alle Räume sind inzwischen eingerichtet worden. „Wir haben noch einiges an Erstausstattung anzuschaffen, so viele Dinge müssen noch besorgt werden, an die wir im Vorfeld nicht gedacht haben und die nun nötig sind. Durch Corona ist natürlich der finanzielle Aufwand bezüglich Masken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln sehr viel höher als gedacht“, so die Geschäftsführerin. Deshalb seien leider auch ordentlich Kosten entstanden, die man nun irgendwie begleichen müsse. Vorgesehen waren dafür auch öffentliche Veranstaltungen, die jetzt aber wegen Corona nicht stattfinden könnten.

Grünanlagen wachsen

„Unsere Betriebskosten sind hoch und Geld kann momentan nicht reinkommen. Der größte finanzielle Batzen sind die Personalkosten“, so die Initiatorin. „Deshalb gucken wir, ob wir irgendwie unter den ,Rettungsschirm’ kommen.“ Das Haus sei ganz bewusst noch nicht voll belegt, um alles erst mal in Ruhe aufbauen zu können. Dadurch gebe es jetzt natürlich hohe Anlaufverluste.

Die Grünanlagen mit Büschen und Bäumen wachsen und gedeihen am Sandkamp. Die Rasensaat ist bereits aufgegangen und sobald das Gras betretbar ist und der Zaun vollendet werden kann, kommen auch die drei tierischen Bewohner des Hospiz’: Cremchen, Enjo und Bernd, die knuffigen Alpakas.

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