Großer Protest gegen Nazi-Aufkleber

Lübecker Nachrichten   09.06.2020

Das Bündnis gegen Rechts organisierte eine spontane Kundgebung gegen Nazi-Propaganda in Bad Oldesloe – Der Staatsschutz ermittelt

Von Markus Carstens

Großes Interesse an der Kundgebung des Bündnisses gegen Rechts: Die Oldesloer wollten ein Zeichen setzen. Foto: Markus Carstens

Bad Oldesloe. Sie standen erst vor genau einem Monat an der gleichen Stelle, um an das Ende des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Am Montagnachmittag versammelten sich das Oldesloer Bündnis gegen Rechts und andere politisch Aktive erneut an der Hude; diesmal jedoch aus brandaktuellem Anlass. Über Nacht waren im Stadtgebiet – bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen – etliche Aufkleber angebracht worden, die eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. „Deutschland Deutschland über alles“ steht auf einem, „Refugees not welcome“ auf einem anderen. Ein weiterer wirbt für die Identitäre Bewegung.

Betroffen war nicht nur das Gebiet um den Bahnhof herum, sondern auch die Innenstadt und andere Stadtteile. „Es waren weit über 100 Aufkleber, wir haben zwölf verschiedene Motive gezählt“, berichtete ein Bündnis-Freund, der selbst rund 50 Aufkleber eigenhändig entfernte. Er vermutet, dass die Aktion eine Folge der bundesweiten Antirassismus-Demonstrationen am Sonnabend war. Das Bündnis ruft alle Oldesloer Bürger dazu auf, solche Aufkleber zu entfernen.

Die Polizei Bad Oldesloe informierte noch am Wochenende das Staatsschutz-Kommissariat der Polizeidirektion in Lübeck, das umgehend Ermittlungen aufnahm. „Es sind eindeutig Propaganda-Aufkleber“, sagte Polizei-Sprecher Dierk Dürbrook nach Rücksprache mit den entsprechenden Fachleuten. Hinweise auf einen Zusammenhang zu den Aktivitäten der Neonazi-Szene in Bad Segeberg gebe es bislang nicht.

„Da müssen wir gegenhalten und gleich ein Zeichen setzen“, sagte Walter Albrecht vom Bündnis gegen Rechts, das die Kundgebung organisierte – wegen Corona natürlich mit Mundschutz und unter Einhaltung der Abstandsregelungen. „Wir müssen Flagge zeigen: Bad Oldesloe ist und bleibt bunt, tolerant und weltoffen“, betonte Walter Albrecht.

Er sprach von menschenverachtenden Aufklebern und rechter Hetze. „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses braune Pack die Meinungshoheit gewinnt. Dafür müssen wir jeden Tag aufs Neue kämpfen“, sagte Albrecht, der sich über die große Resonanz freute. Rund 60 Oldesloer folgten der Kundgebung, darunter auch viele junge Leute mit diversen Plakaten („Gegen Rassismus und Nationalismus“, „Black lives matter“).

„Es ist großartig, wie schnell Walter Albrecht eine solche Kundgebung organisieren kann“, sagte Bad Oldesloes Bürgerworthalterin Hildegard Pontow, die selbst einen privaten Termin verschob, um eine Rede gegen Ausländerfeindlichkeit zu halten.

Sie lobte die Demonstrationen gegen Rassismus und Rechtsextremismus und sagte: „Die populistischen Aufkleber dürfen unser gutes Miteinander in Bad Oldesloe nicht aufweichen.“ Auch Pontow forderte dazu auf, die Aufkleber aus dem Stadtgebiet zu entfernen, und verwies auf das Engagement des Sülfelder Pastors Steffen Paar. Zum Schluss zitierte die Bürgerworthalterin ein afrikanisches Sprichwort: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

„Diese Aufkleber sollen neben der kranken Ideologie der Nazis auch Angst verbreiten. Die Nazis versuchen, so ihr Revier zu markieren, und testen, wie viel Widerstand es vor Ort gibt“, sagte Hendrik Holtz, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung.

„Dem müssen die demokratischen Kräfte in der Stadt mit aller Kraft entgegentreten. Wir rufen alle Menschen in Bad Oldesloe auf, solche Aufkleber sofort zu entfernen.“ Das Thema müsse auch in der Stadtverordnetenversammlung auf die Tagesordnung. „Die Politik muss jetzt ein starkes Zeichen setzen“, so Holtz.

Für Birgit Mahner vom Oldesloer Bella-Donna-Haus haben Rassismus und Frauenverachtung die gleichen Wurzeln. Beides sei seit Jahrhunderten tief in der Gesellschaft verwurzelt. „Daher müssen wir alle zusammen und gemeinsam kämpfen.“

Die Versammlung klang aus mit Reggae-Klängen von Bob Marley: „Get up, stand up, stand up for your rights!“

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