Neue Debatte um Bad Oldesloes Hochhäuser

Lübecker Nachrichten   10.06.2020

Bürgermeisters: Die beiden Hochhäuser seien ein städtebaulicher Missstand – Er befürwortet mittelfristig den Abriss

Immer wieder in der Diskussion: die beiden Hochhäuser im Hölk und Poggenbreeden. Foto: CARSTENS

Bad Oldesloe. In der Sitzung des Oldesloer Wirtschafts- und Planungsausschusses wurde am Montagabend erneut über die beiden Hochhäuser im Hölk und Poggenbreeden debattiert. Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos) hat dazu eine klare Meinung: Die beiden Häuser seien ein städtebaulicher Missstand. Allein das Alter spreche für sich. Gebaut wurden die Häuser in den 1970er Jahren. Konkrete Planungen gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Die Adler Wohnen GmbH als Verwalter investiert derzeit kräftig in die Sanierung der insgesamt 229 Wohnungen.

Auf die Tagesordnung hatten es die beiden Hochhäuser aufgrund einer Anfrage der SPD-Stadtverordneten Annika Dietel geschafft. Sie hatte einen Fragenkatalog an die Stadt zusammengestellt zum Zustand der Gebäude und zu den Einflussmöglichkeiten seitens der Stadt. Dem Ausschussvorsitzenden Hartmut Jokisch (Grüne) war es dann zu verdanken, dass das Thema nicht – wie eigentlich vorgesehen – im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung behandelt wurde.

Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung klärte die Politiker darüber auf, dass es öfter Begehungen durch die Bauaufsicht gibt, allerdings nur in den öffentlich zugänglichen Bereichen. In Sachen Brandschutz habe die Verwaltung schon einiges gemacht. Viele Punkte einer Liste seien bereits abgearbeitet worden. Die Stadt könne sich jedoch lediglich bei Fragen der öffentlichen Sicherheit einschalten.

Alles andere sei Privatsache, auch Schimmel in der Wohnung oder ein Wasserschaden, denn der Mieter gehe einen Vertrag mit dem Vermieter ein. Selbst bei einem Ausfall des Fahrstuhls – so dramatisch das für die Bewohner der oberen Stockwerke auch sei – könne die Stadt nicht einschreiten. Es gebe aber einen sehr engen Kontakt zur Wohnungsgesellschaft, die derzeit viele Schäden abstelle und daher auch keinen Abriss plane. Nach eigenen Angaben hat Adler Wohnen bereits mehr als eine Million Euro in die beiden Hochhäuser investiert.

Trotzdem ist der Eigentümer laut Bürgermeister Jörg Lembke nicht abgeneigt, mittelfristig über einen Abbruch der Häuser nachzudenken. „Wir müssen überlegen, was auf dem Gelände passieren soll“, sagte Lembke. „Wir brauchen ein Ziel und müssen an einer Lösung arbeiten, anstatt an dem Thema immer wieder herumzudoktern.“

Über einen Abriss nachzudenken, sei illusorisch, entgegnete in der Sitzung Manfred Lieder von der FBO. Er fragte: „Wo sollen wir die Mieter menschenwürdig unterbringen in der Zeit zwischen Abriss und Neubau?“ Und Tom Winter von der Familienpartei war einfach nur genervt, dass hier ein Thema in den Fokus rücke, das genau genommen gar kein Thema sei.

Zurzeit gebe es auch keine solche Bestrebungen, sagte Adler-Wohnen-Sprecher Rolf-Dieter Grass den LN. „Grundsätzlich stehen wir städtebaulichen Entwicklungen aber auch nicht im Wege und sind offen für jede Art konstruktiver und konzeptioneller Gespräche“, sagte Grass weiter. „Wir legen in solchen Fällen allerdings von vorn herein großen Wert darauf, dass die persönlichen und sozialen Interessen unserer Mieter berücksichtigt werden.“ mc

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