Bahnhof: Radhaus kommt, Parkgebühren auch

Lübecker Nachrichten   23.06.2020

Im Frühjahr soll das Fahrrad-Parkhaus zur Verfügung stehen – Städtische Auto-Parkplätze für Pendler sollen dann nicht mehr kostenlos sein

Der Bedarf ist da: Dutzende von Rädern werden am Bad Oldesloer Bahnhof täglich angeschlossen.  Fotos: Carstens

Bad Oldesloe. Es hat lange gedauert, aber nun soll es tatsächlich gebaut werden. Die Rede ist vom Radhaus am Oldesloer Bahnhof, das die Parkplatznot der Radfahrer lindern soll – und über das seit rund drei Jahren debattiert wird. 136 Stellplätze soll es geben. Zuletzt wirbelte nicht nur Corona den Zeitplan erneut durcheinander, sondern auch ein sogenannter Gestattungsvertrag mit der Deutschen Bahn als Eigentümerin des Geländes. „Mit einem großen Partner kann es manchmal etwas zäh sein“, erklärte Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke im Rahmen eines Pressegesprächs.

Das Abstellen der Drahtesel im neuen Fahrrad-Parkhaus wird nicht umsonst sein, für die Plätze wird eine gewisse Miete fällig. „Daher werden dann auch die kostenlosen Parkplätze für Autofahrer wegfallen“, kündigt Bürgermeister Lembke an. In Klimaschutz-Zeiten Geld von Radfahrern zu nehmen, aber von Autofahrern nicht, sei nicht vermittelbar. Bislang gibt es zahlreiche Stellplätze, die für Bahnpendler kostenfrei sind. Daneben gibt es einige Parkplätze der Bahn, die für eine Tagesgebühr von 3,20 Euro angeboten werden.

Nachdem das Vorhaben Radhaus zuvor aufgrund des Personalmangels in der Stadtverwaltung um ein Jahr verschoben worden war, „geht es nun in großen Schritten voran“, wie Jörg Lembke sagt. Noch in dieser Woche solle das Baufeld abgesteckt werden. Für die Baugenehmigung fehle nur noch die Zustimmung der Wasserbehörde des Kreises, danach werde der Kampfmittelräumdienst das Gelände sondieren. Denn der Bahnhof ist ein sensibles Gelände: Gut möglich, dass aufgrund der Bombardierung Bad Oldesloes im April 1945 noch Blindgänger am und um den Bahnhof herum schlummern.

Bis zum vergangenen Winter standen an der Stelle zwischen den Gleisen 4 und 5 noch rund 80 Fahrradboxen, die nun jedoch bereits demontiert sind. Viele seien auch nicht mehr zu gebrauchen, hieß es von der Stadtverwaltung. Die anderen finden vielleicht einen anderen Platz. Denn der Bedarf ist da. Das zeigt ein Blick auf die Fahrrad-Stellplätze hinter Gleis 3. Dutzende von Rädern sind dort täglich angeschlossen. Außerdem gibt es auch dort noch rund überdachte 50 Boxen, die bislang gegen Pfand vermietet wurden. Das möchte die Stadt ändern.

Das Radhaus soll nun im Frühjahr 2021 fertig sein. Gefördert wird es zu drei Vierteln vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH). Die Gesamtkosten liegen bei rund 200 000 Euro. Die 136 Stellplätze sind aufgeteilt in mehrere Boxen. „Fünf Boxen haben jeweils 24 Plätze, eine Sonderbox hat 16 Plätze. Dort können zum Beispiel Lastenfahrräder abgestellt werden“, erklärt Bad Oldesloes Stadtsprecherin Agnes Heesch. „Dazu gibt es auch verschließbare Spinde und Lademöglichkeiten für E-Bikes“, ergänzt Bürgermeister Jörg Lembke.

Er gibt zu, dass das ganze Projekt viel zu lange gedauert habe. Wie groß das Interesse der Radfahrer ist, habe er im vergangenen Winter erfahren. „Als die Boxen abgebaut wurden, gab es regelrecht verzweifelte Hilferufe“, berichtet Lembke. Denn viele Leute hätten mittlerweile teure Räder, die sie nicht einfach im Freien abstellen wollen.

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