Schulessen für ein Jahr gesichert

Lübecker Nachrichten   24.06.2020

Im Turbogang kümmerte sich die Stadtverwaltung um Ersatz, nachdem die Firma „Rebional“ das Handtuch geworfen hatte – Die neuen Betreiber ernten viel Sympathie

Von Dorothea von Dahlen

Janine Irentschiuk und Timo Skudlarz von der Mensa-Crew versorgen künftig die Grundschüler in Bad Oldesloe mit Essen. Für zwei Schulen gelten Taler als Währung.Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die Sorge um die Mittagsverpflegung der Oldesloer Grundschüler ist erst einmal vom Tisch. Der Stadtverwaltung ist es gelungen, eine Zwischenlösung zu organisieren, nachdem das Cateringunternehmen „Rebional“ überraschend zum Ende des Monats Mai gekündigt hatte. Die bereits am Schulzentrum unter Vertrag stehende Mensa-Crew hat sich auf Anfrage sofort bereit erklärt, nun auch die Versorgung der drei Grundschulen zu übernehmen. Diese Regelung ist aber zunächst nur für den Übergang zulässig und auf ein Jahr befristet. Ob der Vertrag verlängert wird, hängt vom Ergebnis einer öffentlichen Ausschreibung ab, auf die sich auch andere Caterer bewerben können.

„Ob wir lange überlegt haben? Es war mir eine Herzensangelegenheit. Ich habe die Grundschulen schon unter der Firma Dussmann betreut. Die Situation jetzt ist für mich die Perfektion des Glücks“, sagt Janine Irentschiuk, Objektleiterin der Mensa am Schulzentrum an der Olivet-Allee. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, Küchenmeister Timo Skudlarz, war sie sofort bereit, für die nahtlose Beköstigung der Kinder zu sorgen. Nachdem nun am Montagabend auch die Stadtverordneten ihr Einverständnis erteilt hatten, wollen die beiden noch innerhalb dieser Woche die Eltern über die Details per Brief informieren.

Das Essen, das für die 420 Mädchen und Jungen der Stadtschule mit gebundenem Ganztag im Übrigen obligatorisch ist, wird an Ort und Stelle in der Mensa an der Königstraße zubereitet. Sowohl die Klaus-Groth-Schule als auch die Grundschule hingegen werden vom 10. August an täglich vom Schulzentrum an der Olivet-Allee mit Mittagessen beliefert. Für beide soll sich einiges entscheidend ändern, wie Janine Irentschiuk mitteilt. Als Zahlungsmittel führt die Mensa-Crew beispielsweise den Taler ein, dessen Wert exakt einer Mahlzeit entspricht und der auf Vorrat erworben werden kann. „Der Vorteil besteht darin, dass der Anspruch aufs Essen bei Krankheit nicht verfällt, sondern später noch realisiert werden kann“, sagt Timo Skudlarz. Gleichzeitig entfalle auch das bis dato praktizierte digitale Anmeldesystem fürs Essen, das sich letztlich nicht bewährt habe. „In der Vergangenheit ist es sehr oft abgestürzt und das hat für viel Ärger gesorgt“, erklärt Irentschiuk. „Im Übrigen ist es schon eine Zumutung für Kinder, zu entscheiden, was sie in zwei Wochen essen wollen. Bei uns kann je nach Appetit aus dem Angebot der Mensa ausgewählt werden.“

Auch die Stadtverordneten zeigten sich am Montagabend erleichtert, dass die Grundschüler nach den Ferien weiterhin bekocht werden. Viel Lob erfuhr die Mensa-Crew dafür, dass sie ganz unkompliziert in dieser Notsituation reagiert und ihre Dienste angeboten habe.

Bei Schülern und Lehrern sei das Unternehmen ohnehin sehr beliebt. Das Essen genieße eine hohe Akzeptanz, zumal der Caterer sich auf dem Weg hin zu einer Biozertifizierung befinde, so wie es auch von vielen Eltern gewünscht werde, hieß es. Und doch entspann sich eine längere Diskussion über die Beschlussfassung zum Thema.

Den Grünen passten einige Formulierungen in der Beschlussvorlage der Verwaltung nicht, weshalb sie einen Änderungsantrag eingebracht hatten. Dies betraf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für die Mittagessen. Wie berichtet, hatten diesbezügliche Probleme dazu geführt, dass „Rebional“ abgesprungen war. Nach Auskunft des Unternehmens waren zu viele Eltern säumig geblieben. Während die Stadt dies nach wie vor als Sache zwischen Eltern und Caterer betrachtet – die Preiskalkulation der Essen müsse Einnahmeausfälle schon mit einberechnen – plädierte Gerold Rahmann (Grüne) dafür, dass die Stadtverwaltung selbst Mahnung und Vollstreckung etwaiger Schulden übernimmt. Letztere solle als Schnittstelle zwischen Caterer und Eltern fungieren. Indem ausstehende Kosten den rechtschaffenen Zahlern zur Last gelegt würden, fördere man nur das „Trittbrettfahrertum“. Keinesfalls aber dürften Kinder vom Mittagessen ausgeschlossen werden, wenn die Eltern nicht zahlten. In diesem Punkt waren sich auch SPD, Linke, Familien-Partei und Freie Wähler einig. Kritisiert wurde auch der Vorschlag, die Schulsozialarbeiter im Bedarfsfall „bei der Aufklärung von Zahlungsrückständen“ hinzuzuziehen. „Das sind doch nicht die Deppen vom Dienst. Dass sie Geld eintreiben sollen, ist in keiner Stellenbeschreibung zu finden“, entfuhr es Wolfgang Schmidt (Freie Wähler) empört.

Letztlich wurden alle sieben Aspekte der Beschlussvorlage einzeln abgestimmt. Die Grünen scheiterten bis auf einen Punkt mit ihrem Antrag. CDU, FBO und FDP, die zusammen die Mehrheit bildeten, sprachen sich für die Ausführungen der Verwaltung aus. Demnach ist der Ausschluss von Kindern säumiger Eltern vom Schulessen rein theoretisch möglich.

„Wir gehen ganz positiv und optimistisch an die Sache heran. Wir haben Verträge für die Eltern erstellt, die über die Schulen verteilt werden. Ich denke, wir finden schon patente Lösungen für das Problem. Wichtig ist für uns ein sensibler Umgang mit dem Datenschutz“, sagt Janine Irentschiuk, in deren Hand später auch die Abrechnung des Essensgeldes von Schülern der Stadtschule liegt.

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