Streit um Schulsozialarbeit

Stormarner Tageblatt  25.06.2020

Stadtverordnetenversammlung lehnt Wunsch des Kinder- und Jugendbeirats ab / Es fehlt an Konzepten

Bürgerworthalterin Hildegard Pontow (Mitte) leitete die Versammlung in der Festhalle.Nie
Bürgerworthalterin Hildegard Pontow (Mitte) leitete die Versammlung in der Festhalle.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Für den Kinder- und Jugendbeirat ist die Sache klar – Bad Oldesloe benötige im Schulzentrum dringend zwei weitere Schulsozialarbeiter. Schon im Frühjahr zeigte sich der Vorsitzende des Beirats entsetzt, dass die Politik diesem Wunsch nicht mehrheitlich folgte. Damals kündigte Lennard Hammelberg an, dass man daher erneut einen Antrag dazu einbringen werde.

In der aktuellen Stadtverordnetenversammlung war es dann soweit. Hammelberg appellierte an die Lokalpolitiker, „ein Zeichen zu setzen“. Bei der Mensaentscheidung habe man – aus seiner Sicht – bereits Entscheidungen getroffen, durch die es drohe, dass Kinder ohne Essen bleiben, wenn die Eltern nicht zahlen können. Daher sollte die Politik bitte die Kinder und Jugendlichen nicht nochmal „im Stich lassen“.

Die Corona-Krise habe zu zusätzlichen Problemen und Spannungsfeldern geführt, die Stellen seien noch wichtiger geworden. Bereits im Frühjahr hatte der Beirat, genau wie die Linke, die Grünen und die SPD klar gemacht, dass zwei in Aussicht gestellte halbe Stellen zu wenig seien. Hendrik Holtz (Die Linke) sah das schon damals als Alibikompromiss. Diese Jobs seien dann so unattraktiv, dass sich niemand bewerben oder lange bleiben werde. „Wann, wenn nicht jetzt in der Corona-Pandemie, wollen wir diese Stellen bewilligen?“, fragte Dagmar Danke-Bayer (Die Grünen).

Anita Klahn (FDP) machte deutlich, weshalb sie nicht zustimme. Es gebe nämlich weiterhin ein Problem: Eine allgemeine Jobbeschreibung und ein Konzept, was genau Schulsozialarbeit in Bad Oldesloe mache, gebe es nicht.

Solche Konzepte müssten – im Zweifel für jede Schule – erstellt werden. Es müssten reale und nicht nur die gefühlten Bedarfe ermittelt werden. „Wir können nicht auf Zuruf Stellen entstehen lassen, weil jemand das will“, sagte die Liberale und brachte damit Wolfgang Schmidt (Freie Wähler) auf die Palme. „Ich bin diese Verhinderungspolitik leid. Woanders werden Millionen Euro von Ihnen und der CDU bewilligt für irgendwelche Projekte und hier ist der Bedarf glasklar und Sie müssen sich profilieren“, polterte Schmidt.

Verständnis für Klahns Einwendungen signalisierte hingegen neben CDU und FBO auch die Familienpartei. „Es spricht nichts dagegen, dass man Bedarfe ermittelt und Konzepte erstellt“, so Tom Winter. Das dürfe nur nicht verhindern, dass trotzdem Stellen besetzt werden. Die CDU stellte schließlich den Antrag, dass – wie zuvor in Aussicht gestellt – nur zwei halbe Stellen geschaffen werden. Dieser Antrag wurde genau wie Klahns Forderung nach Konzepten und Jobbeschreibungen mehrheitlich angenommen.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.