Nach zäher Debatte: Stadt finanziert eine Stelle für Schulsozialarbeit

Lübecker Nachrichten   25.06.2020

Trotz später Stunde zeigte Jugendbeiratschef Lennard Hamelberg Flagge bei den Oldesloer Stadtvertretern – Fast wäre seine Forderung aber noch abgeschmettert worden

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Selbstbewusstsein, Souveränität und Beharrungsvermögen – diese Eigenschaften zeichnen offensichtlich den amtierenden Kinder- und Jugendbeirat (KJB) in Bad Oldesloe aus. Während der Stadtverordnetenversammlung am Montag sollte sich das wieder einmal beweisen. Erneut stand der Antrag der jungen Leute zur Debatte, die Schulsozialarbeit sowohl an der Ida-Ehre-Schule als auch der Theodor-Mommsen-Schule aufzustocken. Obgleich davon auszugehen war, dass auch sie live dabei sein wollten, war der Tagesordnungspunkt auf Position 17 gelegt worden. Aufgerufen wurde dieser weit nach 22 Uhr. Beiratsvorsitzender Lennard Hamelberg blieb dennoch bei der Stange.

Er hatte bereits des Öfteren im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss (BSKA) eindringlich geschildert, wie wichtig es für die Schüler ist, ihre Nöte und Konflikte mit einer unabhängigen Vertrauensperson besprechen zu können.

Nach zähen Verhandlungen hatte das Gremium im März einen Kompromiss gefunden und sich mehrheitlich darauf geeinigt, zumindest jeweils eine halbe Stelle für die beiden Schulen zu bewilligen. Nun, nach der Corona-Pause, verfing diese Empfehlung indes nicht bei allen Stadtverordneten, sodass die Debatte wieder von vorn begann. Anita Klahn (FDP) präsentierte einen Änderungsantrag. „Wir haben Einvernehmen darüber, dass etwas passieren muss. Aber in der gegenwärtigen Haushaltslage ist es schwierig“, sagte sie. Im Übrigen habe die Ida-Ehre-Schule über das Perspektivschulprogramm zusätzliches Geld für Schulsozialarbeit bekommen, fügte sie hinzu, musste sich aber gleich korrigieren lassen. Denn Empfänger dieser Zuwendung ist die Theodor-Storm-Schule.

Klahn plädierte aber dennoch dafür, abzuwarten, bevor „zusätzliches Geld für Schulsozialarbeit ausgegeben wird“. Damit die Aufteilung der Stellen gerecht erfolge, gelte es, bis zum neuen Haushalt eine Richtlinie zu erarbeiten. Maßgabe dafür müssten sowohl die Schülerzahlen wie die Schulform sein.

Angesichts eines damit verbundenen rund dreimonatigen Aufschubs der Entscheidung regte sich Widerstand. Lennard Hamelberg gab zu bedenken, dass die Schulschließungen während des Corona-Shutdowns vielen Schülern zugesetzt hätten und so Probleme entstanden seien, die nun aufgearbeitet werden müssten. Schützenhilfe leistete ihm Björn Wahnfried (SPD). Die Schüler seien während des Homeschoolings stark isoliert gewesen seien. Deshalb bedürfe es jetzt einer Vertrauensperson, die dies auffange. Wolfgang Schmidt (Freie Wähler) sprach gar von einer „Verhinderungspolitik“ der FDP. „Wir haben die Zahlen doch etliche Male besprochen“, entfuhr es ihm.

Da der mühsam errungene Kompromiss ins Wanken zu geraten drohte, griffen einige Stadtverordnete augenscheinlich zu einer List: Tom Winter (Familien-Partei) machte seinerseits eine Rolle rückwärts und beantragte, wie ursprünglich vom Kinder- und Jugendbeirat gefordert, zwei ganze Schulsozialarbeiterstellen. Ganz knapp – mit 15 Ja und 16 Gegenstimmen – scheiterte sein Vorstoß. Damit war aber der Weg zum Kompromiss wieder geebnet, sodass nun zwei halbe Stellen finanziert werden. Bei fünf Enthaltungen wurde diese Lösung mehrheitlich angenommen.

Torsten Lohse (CDU) versuchte unterdessen zu vermitteln, auf dass Anita Klahns Antrag, eine Richtlinie für die Zuteilung von Schulsozialarbeitern zu entwickeln, nicht ganz abgeblockt würde. „Ich finde die Betrachtung wichtig und denke, als Ergänzung zum Antrag des Kinder- und Jugendbeirats ist es eine wichtige Aufgabe“, sagte er.

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