Betrachtungen zum Wochenausklang: Verhaltensweisen à la Stormarn

Stormarner Tageblatt  04.07.2020

Stormarner Wochenschau

Verhaltensweisen à la Stormarn

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten

Fehlverhalten Müll, der in der Öffentlichkeit illegal entsorgt wird, Radfahrer in der Fußgängerzone, Jugendliche, die sich nicht an die Corona-Regeln auf dem Kunstrasenplatz oder dem Skateland halten, Raser in der 30er Zone und so weiter. Immer wieder werden Beschwerden an die Redaktion und die Oldesloer Stadtverwaltung herangetragen, die – zumindest aus der Sicht der jeweiligen Beschwerdeführer – echte Probleme darstellen. Immer häufiger lautet dabei die Antwort aus dem Bürgermeisterzimmer: „Das ist individuelles Fehlverhalten, gegen das man natürlich erstmal nichts tun kann.“ Selbstverständlich müsste das im Zweifel sanktioniert werden, aber andererseits könne man nicht überall sein. Ist das eine Art Kapitulation mit Blick auf zu wenig Personal, das Regeln durchsetzen könnte, das Eingeständnis, dass sich manche Dinge nicht kontrollieren lassen, oder ist es ein relativ erschreckendes Zeichen dafür, dass tatsächlich die gegenseitige Rücksicht und das Einhalten bestimmter Regeln eben für immer mehr Individuen nicht wirklich eine Rolle spielen? Unsere Karikaturistin fragt sich, wie weit es mit dem „individuellen Fehlverhalten“ irgendwann gehen könnte und hat sich so ihre Gedanken dazu gemacht.

Top-Verhalten In Corona-Zeiten sind Helden schnell ausgemacht. Ärzte, Krankenhaus-Personal und Pflegekräfte auf jeden Fall. Menschen in system-relevanten Berufen, klar, ebenso. Aber auch jenseits des tückischen Virus’ gibt es eine eingeschworene Gemeinschaft, die nur Gutes im Schilde führt. Die Männer und Frauen geben Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr ihr Bestes, hängen das nun wirklich nicht an die große Glocke und sind einfach unersetzbar: Gemeint sind ehrenamtliche Feuerwehrleute. Sie sind für alle Fälle die Richtigen und auf alle Fälle gut. Und sind sich auch fürs Kleinvieh nicht zu fein: In dieser Woche gab es allein in Stormarn zwei tierische Einsätze mit Happy End. Drei Entenküken, die vom rechten Weg abgekommen waren, wurden gerettet, ebenso ein in der Luft hängender Mäusebussard. „Dr. Dolittle“ lässt grüßen. Dr. Dolittle im Blaurock. Daumen hoch!

St. Florian Das alte Lied, jeder will fliegen, aber keiner will den Fluglärm, jeder produziert Müll, aber niemand will die Müllverbrennung vor der Tür, jeder fährt Auto, aber Verkehr, bitte nicht bei mir! So auch jetzt in der Grabauer Straße, durch die Lkw-Verkehre in die Kreisstadt fließen. Anwohner laufen Sturm, doch die Verwaltung verweist auf den politischen Beschluss, über den Wolkenweher Weg keine Lkw-Verkehre am Krankenhaus vorbeizuführen. „Heiliger Sankt Florian: Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“, so das St. Florians-Prinzip, das funktioniert eben nicht. Probleme dürfen nicht verschoben werden, sondern sie müssen gelöst werden. Da hat der Bürgermeister Recht, wenn er auf neue Straßenführungen durch das geplante Gewerbegebiet verweist. Doch bis da der Verkehr rollt, heißt es Geduld haben.

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