Oldesloer Handballer frustriert: Stadt gibt Stormarnhalle nicht frei

Lübecker Nachrichten   03.07.2020

Sportler der SC Union dürfen nicht trainieren – Lokalpolitiker kritisieren den Bürgermeister

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Eigentlich könnten die Handballer des SC Union in Bad Oldesloe schon längst wieder richtig trainieren. Doch während andere Teams in Schleswig-Holstein von den Corona-Lockerungen profitieren, welche die Landesregierung seit dem 18. Mai wieder zugelassen hat, stehen die Oldesloer Handballer nach eigenen Angaben immer noch vor verschlossenen Türen. Die Stadtverwaltung gibt die Stormarnhalle, in der sie hauptsächlich trainiert haben, nicht frei. Bis vor einigen Wochen bestand zwar noch die Notwendigkeit, sie im Falle einer eskalierenden Corona-Krise als Ersatzkrankenhaus freizuhalten. Doch angesichts rapide sinkender Infektionszahlen hat der Kreis die Reservierung dafür zurückgezogen. Deshalb hatte sich Abteilungsleiter Oliver Arndt direkt an den Bürgermeister gewandt, um eine Öffnung für den Sport zu ermöglichen – doch ohne Erfolg.

„Sieben Jugend- und drei Erwachsenenmannschaften sind dadurch völlig blockiert“, sagt Arndt geknickt. In den 1950er Jahren sei Handball auch auf dem Feld gespielt worden. Aber inzwischen sei es eine reine Hallensportart. Aus Solidarität hätten jetzt Oldesloer Fußballteams dem SC Union von ihren Trainingszeiten auf den Rasenplätzen etwas abgegeben. Doch letztlich brauchten die Teams echte Bedingungen auf festem Boden, um ihr Spiel verbessern zu können. Und da gebe es in Bad Oldesloe nun einmal kaum Alternativen zur Stormarnhalle. Nicht zuletzt müsse der Handballverband Schleswig-Holstein (HSVH) schon bald wissen, welche Mannschaften sich nach den Sommerferien wieder zum Punktspiel melden.

„90 Prozent unserer Trainingszeiten absolvieren wir normalerweise in der Stormarnhalle. Sie ist neben der Heinrich-Vogler-Halle die einzig größere, auf die die Stadt noch nach den Ferien Zugriff hat. Denn darauf kommt es uns an“, sagt Arndt. Beginne der Unterricht wieder, seien auch die Sporthallen in den Schulen so gut wie ausgebucht. „Aber der Bürgermeister bleibt dabei, dass die Stormarnhalle für politische und andere Großveranstaltungen reserviert bleiben muss. Er schreibt sogar, dass dort erst wieder Sport stattfinden kann, wenn die Landesregierung die Abstandsregelungen aufhebt. Dann können wir einpacken. Ich finde das sehr bedauerlich. So geht man mit Ehrenamtlichen in einer Stadt einfach nicht um“, sagt der Abteilungsleiter. Immerhin sei es den Oldesloer Handballern gelungen, eine Spielgemeinschaft mit dem VfL Rethwisch zu bilden.

Innerhalb der Oldesloer Lokalpolitik stößt das Verhalten der Stadtverwaltung auf Unverständnis. Als Vorsitzende des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses (BSKA) hatte bereits Janine Rausch (CDU) Kontakt zum Bürgermeister aufgenommen, um zu erfahren, welche Gründe für das Sportverbot in der Halle vorliegen. Ihr hatte Jörg Lembke mitgeteilt, dass der Verein auf andere Hallen ausweichen könne, da sie während der Ferien sogar an den Wochenenden geöffnet seien. Als weiteren Grund brachte der Bürgermeister vor, dass die Halle der einzige große Veranstaltungsort sei und deshalb allein für politische und andere Veranstaltungen freigehalten werden müsse. So plane die CDU, dort ihren Kreisparteitag abzuhalten. Das bestätigte Kreisgeschäftsführer Patrick Ziebke auf Nachfrage. „Aber das ist nur an einem Tag. Wir wollen die Sportler ja nicht vom Training abhalten“, sagte er.

SPD-Fraktionschef Björn Wahnfried kann die Argumentation von Jörg Lembke nicht nachvollziehen. „Wenn nicht die Stormarnhalle, welche andere würde sich denn für den Sport besser eignen, um die Abstandsregeln einhalten zu können?“, fragt er. Auch müsse man den Übungsleitern etwas mehr Vertrauen entgegenbringen. Schließlich seien sie die Letzten, die wollten, dass ihren Schützlingen etwas zustoße. Ebenso wie Wahnfried wollen auch die Grünen das Gespräch mit der Verwaltung suchen, um zur Lösung des Problems beizutragen. Fraktionschef Wilfried Janson bedauert, dass der BSKA bis zum Ende der Sommerpause nicht mehr zusammenkommt, um etwas beschließen zu können.

„Ich mache das nicht, weil ich den Sport ärgern will“, sagt wiederum Bürgermeister Jörg Lembke. Er müsse abwägen, wie er es schaffe, die Halle für wichtige Veranstaltungen von Verwaltung, Politik und Drittinteressierten zu sichern. Die Personalversammlung der gesamten Belegschaft des Rathauses müsse sogar auf zwei Termine verteilt werden, weil unter Wahrung des Abstands nicht alle hineinpassten. Da sie im Ernstfall als Notklinik gelte, sei in der Stormarnhalle zudem ein besonderer Schutzboden ausgelegt worden, für dessen Entfernung und Wiedereinbau vier Leute jeweils vier Stunden brauchten. Als Ersatz habe er deshalb auch sämtliche Schulsporthallen während der Ferien am Wochenende freigegeben. „Wir bitten die Vereine, das zu akzeptieren. Wie sind alle in einer schwierigen Lage“, sagt Jörg Lembke.

Als kommissarischer Leiter des Oldesloer Sportnetzwerks stellt sich Hans-Jörg Steglich hinter den Bürgermeister. „Die Gefahr, dass Corona doch verstärkt ausbricht und wir die Stormarnhalle als Krankenhaus brauchen, ist nicht gebannt. Wir können eine zweite Welle bekommen. Die Strände an der Ostsee sind voll. Die Leute kommen aus aller Herren Länder. Ich persönlich denke, das Ganze ist noch längst nicht ausgestanden“, sagt Steglich. Abgesehen davon befinde sich die Stormarnhalle in keinem so guten Zustand, dass darin ohne Risiko Sport betrieben werden könne. In der Vergangenheit sei viel vernachlässigt worden. Nicht ohne Grund sei die Halle auch heute stark renovierungsbedürftig.

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