Betrachtungen zum Wochenausklang: Grenzerfahrungen im Kreisgebiet

Stormarner Tageblatt  18.07.2020

Stormarner Wochenschau

Grenzerfahrungen im Kreisgebiet

Megi Balzer
Megi Balzer

Susanne Link, Patrick Niemeier und Stephan Poost

Andere Zeiten Das hätten wir uns vor Corona nicht träumen lassen. Tausende Schülerinnen und Schüler gehen in den Ferien in die Schule, so auch in Stormarn. Die wenigsten Kinder werden dabei in ihren Defizitfächern beschult, oft stehen musische Fächer wie Theater, Kunst oder Musik im Vordergrund. Sei’s drum! Den Kindern macht es Spaß. Und seien wir mal ehrlich: Die sechs Wochen Abstand vom Schulalltag die brauchten wir doch alle jeden Sommer. Und die Corona-Monate mit dem fehlenden Präsenzunterricht und den ganzen anderen Anforderungen beim digitalen Lernen haben auch viele Kinder an ihre Grenzen gebracht. So ist zu hoffen, dass dieser Sommer eine echte Ausnahme bleibt und die in der Karikatur gestellte Frage mindestens mit einem fröhlichen “Ins Freibad!“ beantwortet werden kann.

Zwiespalt Es war keine alltägliche Begegnung, kein alltäglicher Termin (Seite 9) . Obwohl es einem eigentlich egal sein muss, wer da vor einem sitzt – aufgrund der zu wahrenden Distanz. Doch das war es nicht: Henry- Oliver Jakobs hat einen Menschen erschossen, einen weiteren schwer verletzt. Das lässt sich nicht ausblenden. „Er ist ein Mörder“, schießt es durch den Kopf. Das passt so gar nicht zu der Person, die vor einem sitzt. Nett und höflich beantwortet er die Fragen seines Gegenübers. Und genau das löst ein mulmiges Gefühl aus. Auch Tage danach bleibt der Zwiespalt. Denn die Fragen, die im Raum stehen: Was sagen die Taten über einen Menschen aus – und wie lange? Wenn man die Taten eines Menschen verurteilt, verurteilt man dann auch die Person an sich? Und was sagen eigentlich die Opfer zu seiner Läuterung? Warten sie seit Jahren auf eine Entschuldigung, die nie ausgesprochen wurde? Es bleiben viele Fragen offen, deren Antworten noch ausstehen.

Qual der Wahl Letzten Sonntag wurde in Trittau der Bürgermeister gewählt, am 26. Juli steht in Reinbek die Bürgermeisterwahl an. Sowohl in Trittau als auch in Reinbek stand bzw. steht nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel. Wo bleibt da die Demokratie? Warum soll ich noch wählen? Diese und ähnliche Stimmen werden laut. Aber das ist zu kurz gedacht. Vielleicht ist es einfach so, dass eventuelle Gegenkandidaten gleich die Segel gestrichen haben, weil sie merkten, dass der Rückhalt in der Wählerschaft für die Amtsinhaber groß ist. Diese also einen guten Job machen und die Mehrheit der Wähler zufrieden sind. Zudem gilt auch bei einem Kandidaten: Auch er braucht die Mehrheit der Stimmen, muss also gewählt werden!

Verzweifelt Monatelang wurden Soloselbstständige im Kulturbereich und Berufskünstler von der Regierung in Sachen Corona-Hilfen mehr oder weniger vergessen. Es war zu erkennen, dass keine Ahnung besteht, wie dieser Bereich funktioniert. Die Kunst- und Kulturstätte waren die ersten Orte, die geschlossen wurden und werden wohl die letzten sein, die voll öffnen. Nun klopft man sich auf die Schultern, wenn man Musikern und Künstler Brotkrumen wie das Kulturfestival.sh anbietet. Doch wie im Schulbereich die „Sommerschule“ sind es mehr Alibis. Fast alles andere – was in dieser Zeit aus der Not entstand und von manchen gefeiert wird – viele Streams, uninspirierte Konzerte in Autokinos und durch die Gegend fahrende Musiktrucks sind keine echten kreativen Angebote – es sind reine Akte der Verzweiflung.

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