Neubau für Obdachlose geplant

Stormarner Tageblatt  20.07.2020

Politiker ziehen Sanierungspläne für Obdachlosenunterkunft in der Kreisstadt endgültig zurück

Das Gebäude soll nun abgerissen und das Gundstück neu bebaut werden. Niemeier
Das Gebäude soll nun abgerissen und das Gundstück neu bebaut werden. Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Obdachlosenunterkunft an der Kreuzung Berliner Ring/Lübecker Straße in Bad Oldesloe steht seit Jahren immer wieder auf der politischen Agenda. Teile des Gebäudes sind schon länger baufällig und nicht bewohnbar. Die Unterkunft kann seit vielen Jahren entsprechend nicht so genutzt werden, wie sie eigentlich genutzt werden sollte oder könnte und das obwohl der Bedarf vorhanden ist.

Denn in der Kreisstadt lebten 2019 78 Personen, die nur durch die Hilfe der Stadt ein Dach über dem Kopf hatten. Darunter waren 12 Familien mit insgesamt 25 minderjährige Kindern. Anders als es das klischeehafte Bild erwarten lässt, sind es nicht an sich selbst und ihren Biografien gescheiterte Menschen sondern zum Teil auch Familien, denen die alte Wohnung gekündigt wurde, die aber einfach keinen neuen, bezahlbaren Wohnraum mehr auf dem überhitzten Wohnungsmarkt fanden. Für Familien sei es im Gegensatz zu Singles dann noch schwieriger irgendwo kurzfristig unterzukommen. Manche hätten auch kein soziales Netz in der Umgebung, das ihnen zumindest übergangsweise Helfen kann, hieß es bei der Vorstellung des Obdachlosenberichts der Kreisstadt im Frühjahr.

2014 beschloss der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (BSKA), dass aus seiner Sicht das Gebäude saniert werden soll. Doch es passiert jahrelang nichts. Der Grund dafür war die Unterbesetzung des Bauamts. Daran hatte sich immer wieder deutliche Kritik in der Lokalpolitik geregt. Mehrfach wurde verlangt, dass die Maßnahme vorgezogen und als Priorität behandelt werde.

Schon 2017 brachte Bürgermeister Jörg Lembke einen Neubau ins Spiel. Doch die Lokalpolitik entschied sich mehrheitlich dagegen und verwies erneut darauf, dass die Entscheidung zur Sanierung ja bereits gefallen sah. Ende 2019 zeigten sich Lokalpolitiker dann enorm erstaunt, dass der Bürgermeister gemeinsam mit Investoren im Wirtschafts- und Planungsausschuss ein Konzept präsentierte, wie die Fläche großflächiger neu bebaut werden könne.

Der BSKA zeigte sich irritiert darüber, dass er quasi von dieser Entwicklung nur aus den Medien oder über Parteikollegen erfuhr. Es wurde verlangt, dass die Idee des Investors ebenfalls im BSKA vorgestellt und zur Diskussion gestellt wird. Denn immer noch gab es den bestehenden Beschluss, dass das Gebäude saniert und nicht abgerissen werden soll. Insgesamt zeigte man sich aber mit dem Blick darauf, dass so neuer Wohnraum im rahmen von 15 bis 20 Wohnungen geschaffen werden kann, der zusätzlich zu den städtischen Obdachlosenwohnungen entstehen soll.

Die Architekten Hinrich Rickmers und Jürgen Stahmer (Oldesloer Wohnstätten GmbH) stellten ihre Pläne entsprechend auch in der Stadtverordnetenversammlung nochmal vor. Festgestellt wurde hierbei erneut, dass es ja einen bestehenden Beschluss zur Sanierung des Gebäudes gebe, der einem Abriss sozusagen im Weg stehen würde.

Dieser Beschluss wurde daher nun vom Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss aufgehoben, um den Weg für einen Neubau zu ermöglichen. Die Sanierung des Gebäudes ist damit nun nach sechs Jahren vom Tisch. Dass es so lange gedauert habe, bis Lösungen in Aussicht gestellt wurden, bleibt aber ein Teil der Kritik.

Im Rahmen des Beschluss stellten die anwesenden Ausschussmitglieder einstimmig klar, dass die Verwaltung dafür Sorge tragen soll, dass die Unterbringung von Obdachlosen, das Büro der Sozialpädagogin der Obdachlosenbetreuung und des Straffälligenprojektes für Jugendliche sowie das Büro der Straßensozialarbeit auch nach Aufhebung des Beschluss sicherzustellen ist.

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