Neue Blütenpracht

Stormarner Tageblatt  20.07.2020

Ein anderes Mähkonzept sorgt dafür, dass sich in der Stadt Bad Oldesloe mehr Insekten ansiedeln

Ortstermin mit Insekten: Dr. Ulrike und Klaus Gräber (li., Nabu), Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Baubetriebshof) und Bürgermeister Jörg Lembke auf einer der Wiesen im Baugebiet “West“. Niemeier
Ortstermin mit Insekten: Dr. Ulrike und Klaus Gräber (li., Nabu), Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Baubetriebshof) und Bürgermeister Jörg Lembke auf einer der Wiesen im Baugebiet “West“. Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Es surrt, summt und brummt auf der bunt bewachsenen Wiese mitten im Wohngebiet „West“ an der Straße „Weideblicken“. Hunderte Insekten sind in den diversen Blüten von Wildblumen eifrig unterwegs. Klaus Gräber vom Naturschutzbund Bad Oldesloe freut sich darüber, dass er schon drei unterschiedliche Schmetterlingsarten entdecken konnte. Zur Bestimmung der Bienen verfügt er mittlerweile sogar über ein teures Standardwerk „Die deutschen Wildbienen“ – trotzdem sind die unterschiedlichen Arten selbst für den Experten kaum zu unterscheiden. Bürgermeister Jörg Lembke versucht es eher mit Fußballvergleichen. „Die einen tragen mehr so ein Dortmundtrikot, das andere hat mehr schwarze Anteile“, beobachtet der Verwaltungschef.

Mehrere Dinge sind besonders an dieser Wiese. Denn während die Stadt vor allem außerhalb der bewohnten Gebiete zahlreiche Ausgleichs-, Biotope und Grünflächen erhält und betreut, sind die Grünflächen in den Wohngebieten jahrelang vor allem als Freizeitbereiche oder Verschönerung der Wohngebiete genutzt worden. Seit einigen Jahren werden nun insgesamt neun Bereiche in der Stadt nicht mehr komplett abgemäht. So bilden sich kleine Wildblumenwiesen auf denen sich die erwähnten zahlreichen Insekten sehr wohl fühlen. Es werden aber auch Gänge freigemäht , so dass die Anwohner zwischen den blühenden Flächen spazieren und die Natur entdecken können.

Dabei werden nicht künstlich Samenmischungen ausgesät. Die Blumen und Kräuter siedeln sich von alleine an. „Sogar Arten, die bereits auf der Roten Liste der besonders schutzwürdigen, gefährdeten Arten stehen, wurden dabei gesichtet. Es konnte damit nachgewiesen werden, dass es an jedem einzelnen der geprüften Standorte eine ganz eigene Zusammensetzung von Pflanzen gibt“, so Gräber. Das besondere Mähkonzept ermöglicht, dass Insekten Nahrung finden, sich verstecken können und auch in der kalten Jahreszeit Orte zum Überwintern finden. Das Konzept habe sich also erstklassig bewährt und soll verfeinert und ausgeweitet werden.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.