Betrachtungen zum Wochenausklang: Man kann es so und so sehen

Stormarner Tageblatt  25.07.2020

Stormarner Wochenschau

Man kann es so und so sehen

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Grünzeug Zwei Seiten einer Medaille. Während die Stadt Bad Oldesloe mit einem neuen Mähkonzept auf ausgewählten Flächen dem Wunsch von Biene, Hummel und Co. nachkommt und für ein größeres Nahrungsangebot sorgt, bearbeitet man die Wildkräuter auf öffentlichen Wegen und Plätzen mit einem immer größeren Maschinenpark. Waren es zu Zeiten unserer Großväter noch Hacke und Kratzer, mit denen die Fugen und versteckten Ecken bearbeitet wurden, folgte danach der Gasbrenner. Mit dem Flammenwerfer, den Hobbygärtner gern zum Abfackeln von Gartenhaus, Carport und Hecke nutzen, werden die unliebsamen Blümchen-Kräuter einfach verbrannt. Doch die Stadt ist schon einen Schritt weiter. Damit der Marktplatz nicht bald so aussieht, wie es sich unsere Karikaturistin ausmalt, gibt es nun ein neues Gerät. Der Eiweißstruktur in den Pflanzen wird mit starker Hitze zu Leibe gerückt, die Pflanzen verdorren förmlich. Das neue Gerät schafft natürlich viel mehr, als Opa mit Hacke und Kratzer und die chemische Keule bleibt auch im Schrank.

Tierliebe Unsere Feuerwehren haben ein Herz für Tiere. Egal, ob Igel, Eichhörnchen, Katze oder Ente, wer in Bedrängnis ist, scheint 112 zu wählen. So werden dann auch Igel aus Löchern geborgen, Dohlen aus Schornsteinen und Rehkitze aus Zäunen. Auch der Mäusebussard, der sich in einer Drachensehne verstrickt hat, war sicherlich für die Hilfe dankbar. Für die Feuerwehrmänner und -frauen sind diese Einsätze sicherlich schöner, als wenn sie zu Verkehrsunfällen oder Großbränden gerufen werden.

Fluch oder Segen Schnelle Paketlieferungen von Amazon – wollen alle Onlinekäufer. Eine gute Versorgung in Krankenhäusern – möchten alle Kranken, Verletzten und ihre Angehörigen. Irgendwo müssen die entsprechenden Logistikzentren stehen, die die schnelle Paketauslieferung und eine Infrastruktur für Kliniken bereithalten. Und doch möchte man diese Schuhkartons als Stadt nicht vor der Tür haben. Lager versiegeln eine große Fläche, erschaffen kaum qualifizierte Arbeitsplätze, erzeugen keinen hohen Umsatz, der sich in der Gewerbesteuer niederschlägt, und sorgen für einen deutlichen Anstieg des Verkehrs an ihren Standorten. Gut ist es für die Infrastruktur drumherum – Tankstellen, Imbisse, Supermärkte und Co. Und auch durchaus für den öffentlichen Nahverkehr. Vielleicht, so heißt es ja auch, lockt das alles auch größere Firmen, die sehen, dass der Standort der Kreisstadt durch Asklepios und Amazon genutzt und die Lage offenbar geschätzt wird. So bleibt am Ende die Frage: Ist es ein Fluch oder ein Segen für die Stadt, dass der Investor im neuen Gewerbegebiet „Teichkoppel“ den Wunsch der Lokalpolitik ignorierte, auf Logistikzentren zu verzichten? Und so können andere Orte in der Region froh sein, dass Bad Oldesloe nun das Opfer bringen muss, diese Bauten in seiner Stadt zu haben. Dass man das nächste Mal wieder nur mit der Wirtschaftsaufbaugesellschaft exklusiv kooperieren wird, ist außerdem weitergedacht dann einfach die ganz logische Konsequenz.

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