Eine Schule zum Wohlfühlen

Lübecker Nachrichten   25.07.2020

In einem Jahr soll der Erweiterungsbau der Beruflichen Schule Bad Oldesloe fertig sein – Rund 500 Schüler finden dann Platz in dem 7,4 Millionen Euro teuren Anbau – Trotz Corona liegt das Projekt im Zeitplan

Von Markus Carstens

Bad Oldesloe. „Das wird ein Leuchtturm in der Stormarner Schullandschaft“, sagt Wolfgang Gerstand. Der Oldesloer CDU-Kreistagspolitiker machte sich jetzt vor Ort ein Bild vom Erweiterungsbau der Beruflichen Schule Bad Oldesloe. 7,4 Millionen Euro investiert der Kreis in die Berufsschule, die mit inzwischen 2000 Schülern aus allen Nähten platzt. Der zweigeschossige Anbau mit 22 zusätzlichen Räumen schafft nun auf fast 2500 Quadratmetern Platz für rund 500 Schüler. Wer dort ab August 2021 unterrichtet wird und lernt, steht noch nicht fest.

Könnten die Schüler wählen, würden sich wohl viele für den Neubau entscheiden. Denn, so sagte es Architekt Jürgen Möller aus Reinfeld beim Rundgang mit Wolfgang Gerstand und Sandra Mühlenbeck vom Fachbereich Bau der Kreisverwaltung, „das wird eine Schule zum Wohlfühlen“. Jürgen Möller ist einer der Inhaber des Architektenbüros AMS in Hamburg und hat bereits viele Schulprojekte auch in Stormarn umgesetzt, zum Beispiel in Bargteheide.

Für Jürgen Möller ist das Projekt also kein Neuland, für einige andere schon. Denn Schulen werden heutzutage nicht mehr als klassische sogenannte Flurschule konzipiert. Und so gibt es auch in dem Neubau an der Straße Schanzenbarg nur wenige echte Flure. Vielmehr soll jeder Platz zum Lernen genutzt werden. So gibt es zwischen den einzelnen Klassenzimmern sogenannte Differenzierungsräume. Dort können beispielsweise Schüler individuell gefördert oder Gruppenarbeiten erledigt werden. Auch auf den vermeintlichen Fluren werden Lernecken eingerichtet. „Der Brandschutz ist darauf natürlich abgestimmt“, betont Architekt Möller.

Im Eingangsbereich werden zwei große Bildschirme stehen mit aktuellen Informationen, und auch der Unterricht wird mittels moderner Technik immer digitaler. „Die EDV nimmt immer größeren Raum ein“, erklärt Sandra Mühlenbeck mit einem Blick auf unzählige noch nicht angeschlossene Kabel. So können Schüler dann zum Beispiel ihre Arbeiten übers Smartphone auf einem Bildschirm präsentieren.

Die Klassenzimmer verfügen zudem über Fenster zu den Differenzierungsräumen. Der Trend in den Schulen geht laut Architekt Möller zu einer immer offeneren Raumgestaltung. Dass diese Fenster am Ende quasi schalldicht sind, dafür sorgen gerade unter anderem Kalle Bielenberg und Hartmut Sinning von der Reinfelder Tischlerei Dunkelgut. „Mit den Firmen haben wir richtig Glück“, sagt Jürgen Möller und lobt ausdrücklich die motivierten Handwerker. Der Estrich sei drin, und es sei alles verputzt, so dass nächste Woche schon der Fliesenleger kommen kann. „Es läuft sehr gut, so dass wir auch im Kosten- und Zeitplan sind.“ Die Unternehmen kommen allesamt aus Norddeutschland, die meisten sind aus der Region.

Auch die Corona-Pandemie habe kaum für Verzögerungen gesorgt, so Möller weiter. „Nur beim Sonnenschutz mussten wir zehn Wochen auf bestimmte Teile aus Italien warten“, ergänzt Sandra Mühlenbeck, in der Stormarner Kreisverwaltung zuständig für Hochbau und Gebäudewirtschaft. Sie spricht insgesamt von einem stimmungsvollen Konzept aus einem Guss, denn neben dem Hochbau liegen auch die Möblierung und die Gestaltung der Außenanlagen in den Händen des bewährten Teams von Architekt Jürgen Möller. In drei Wochen soll zudem das Gründach installiert werden, auch eine Außenterrasse wird es geben.

Von der allerersten Planung ist das Projekt aber doch weit entfernt – sowohl vom Kostenrahmen her als auch von der Zeitplanung. Erst gab es Missverständnisse zwischen Schulamt und Schulleitung, was die zeitgemäße Raumgestaltung angeht. Dann meldete Schulleiter Kai Aagardt plötzlich weiteren Raumbedarf an, konnte sich dabei aber auf Vorgaben des Landes berufen.

Also stimmte die Kreispolitik am Ende etwas zähneknirschend dem Millionen-Großprojekt zu – und ist nun sehr zufrieden, wie Wolfgang Gerstand sagt. Er selbst sei sogar begeistert. Gerstand war als Vorsitzender des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses maßgeblich an Verhandlungen und Moderation beteiligt. „Die Planung der Architekten musste komplett überarbeitet und in direkten Gesprächen mit der Schule einvernehmlich geklärt werden“, so Gerstand. „Aber“, sagt der Bauexperte weiter, „der Kreis will bewusst die berufliche Ausbildung fördern, um den angesiedelten Betrieben die nötigen Fachkräfte bieten zu können.“

Das große Bildungsangebot der Beruflichen Schule gibt es unter www.bs-oldesloe.de.

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