Lkw-Verbot ist in weiter Ferne

Lübecker Nachrichten   01.08.2020

Häuser wackeln, Kinder sind in Gefahr: Diese Argumente trugen die Anwohner der Grabauer Straße vor, auf dass ihre Petition erhört werde – Bad Oldesloes Bürgermeister appellierte, Geduld zu üben

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Ihrem Ärger über Lärm und Gefahren durch den Lkw-Verkehr haben jetzt die Anwohner der Grabauer Straße in Bad Oldesloe bei einem Ortstermin Luft gemacht. Bürgermeister Jörg Lembke, der regelmäßig zu solchen Stadtteiltreffen einlädt, war klima-korrekt mit dem Fahrrad angereist. Das Stelldichein musste letztlich auf einen unbelebten Parkplatz verlagert werden, da die fast 50 Personen zählende Gruppe an der Kreuzung Am Hohenkamp schon selbst ein Verkehrshindernis darstellte.

Eigentlich war die Problematik hinreichend bekannt, hatten die Lärmgeschädigten dem Bürgermeister doch schon zuvor eine Petition mit 100 Unterschriften überreicht, auf dass der Schwerlastverkehr aus der Straße verbannt werden sollte. „Wir fordern ein Lkw-Verbot, weil unsere Kinder gefährdet sind und die Häuser ruckeln“, umriss Jenni Boie das Anliegen der Nachbarschaft.

Lembke appellierte an die betroffenen Familien, Geduld zu üben. Erst müsse ein Lärmschutz- sowie ein Verkehrsgutachten erstellt werden, auf dessen Ergebnissen basierend dann Maßnahmen getroffen werden könnten. Der von der Anschlussstelle Bad Oldesloe Nord kommende Verkehr der A 21 können nun einmal nur über den Wolkenweher Weg und die Grabauer Straße abgeleitet werden. Und da im ersteren Fall schon ein Lkw-Verbot bestehe, bleibe nur noch die Grabauer Straße. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) befasse sich bereits mit dem Thema. Perspektivisch sei eine Entlastungsstraße geplant.

„Das wird aber noch sehr lange dauern. Dann sind unsere Kinder schon längst aus der Schule, wenn ihnen vorher nicht etwas zugestoßen ist“, entgegnete Jenni Boie. Sie verwies darauf, dass bereits in einem Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2009 auf die prekäre Situation in der Grabauer Straße hingewiesen wurde und eine Empfehlung ergangen war, den Schwerlastverkehr anders umzuleiten. Neue Erkenntnisse dürfe es inzwischen nicht gegeben haben.

Martina Zokoll-Ruster aus der Oldesloer Verwaltung sprang Bürgermeister Lembke bei und erklärte, dass es schier unmöglich sei, den Lkw-Verkehr aus der Straße herauszuhalten. „Man müsste auf der Autobahn sonst einen Vorwegweiser aufstellen, der die Fahrzeuge zur Ausfahrt Bad Oldesloe Nord weiter leitet. Da macht der LBV nicht mit. Und wir können ihn nicht zwingen“, sagte sie.

Als Kompromiss für diese große Lösung schlug Petra Köberich vor, zumindest dafür zu sorgen, dass Lkw auf dem Weg stadtauswärts auf der breiten Bundesstraße 75 bleiben, statt in die enge Grabauer Straße einzubiegen, um zur A 21 zu gelangen. „An der B 75 steht doch jetzt ein Schild, dass das als Empfehlung aussagt. Man müsste es nur in ein Durchfahrtsverbot umwandeln“, schlug sie vor. Offen blieb, ob die Stadt selbst eine solche Beschilderung vornehmen darf oder ob auch dies in den Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebes fällt.

Andere Anwohner brachten vor, dass die Kinder auf der „Lkw-Rennstrecke“ gefährdet seien. Die Grabauer Straße sei nun einmal ein Hauptschulweg. Auch litten die Häuser unter den Erschütterungen, die der Schwerlastverkehr mit sich bringe. „Schauen Sie doch vorher, wo Sie hinziehen. Dass sie Schäden aufweisen, kann auch an den Häusern selbst liegen“, entgegnete Lembke und erntete laute Proteste. „Ich habe hier schon gewohnt, als die Kinder noch auf der Straße spielen konnten“, entgegnete ein Herr. Letztlich zog sich der Bürgermeister darauf zurück, dass Tempo 30 angeordnet worden sei und die Stadtverwaltung nichts dafür könne, wenn sich die Kraftfahrer nicht daran hielten.

Auf die vielen Risse und Unebenheiten eingehend, stellte Klaus-Peter Scharnberg, Sachbereichsleiter Tiefbau, in Aussicht, dass die Fahrbahn der Straße in absehbarer Zeit saniert werden solle. Da es sich um eine Landesstraße handele, könne die Stadt eine Förderung in Höhe von 70 Prozent erhalten. Dies bedeute jedoch einen längeren Vorlauf, da die Mittel zum 1. Mai nächsten Jahres beantragt werden müssten. Die Sanierung selbst könne dann 2022 in Angriff genommen werden.

Sven Mohr pochte jedoch darauf, dass nicht allein der Belag, sondern unbedingt auch der Untergrund der Straße neu aufgebaut werden müsse. Denn die Straße sei den hohen Tonnagen der Lkw rein bautechnisch nicht gewachsen. Das sei selbstverständlich, versicherte Scharnberg.

Zum Vor-Ort-Termin hatten sich auch Lokalpolitiker sämtlicher Fraktionen eingefunden. Sie erklärten sich solidarisch mit den Anwohnern und wollen das Thema auf den nächsten Sitzungen der Ausschüsse für Wirtschaft und Planung sowie Umwelt, Energie und Verkehr diskutieren und nach geeigneten Lösungen suchen.

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