Hilfe im Notfall: Feuerwehren bekommen Defibrillatoren

Lübecker Nachrichten   08.08.2020

Gerätehäuser im ländlichen Raum in Stormarn sollen ausgestattet werden – Den Anfang machen jetzt drei Wehren in Bad Oldesloe

Von Markus Carstens

Bad Oldesloes Stadtwehrführer Olaf Klaus (r.) zeigt den Defibrillator. Dr. Michael Daul (v. l.), Jörg Schumacher von der Sparkassenstiftung und Kreispräsident Hans-Werner Harmuth halten weiteres Zubehör wie Übungspuppen in den Händen. foto: markus carstens

Bad Oldesloe. Sie können Leben retten und sind an immer mehr Standorten vorhanden, oft in öffentlichen Gebäuden und meistens im städtischen Bereich. Die Rede ist von AEDs, sogenannten automatisierten externen Defibrillatoren, die bei einem plötzlichen Herzstillstand einer Person zum Einsatz kommen können.

Was aber, wenn im Notfall kein solches Gerät vorhanden ist, vor allem in ländlichen Gebieten? Diese Frage warf vor einem halben Jahr Olaf Klaus auf, Gemeindewehrführer der Stadt Bad Oldesloe. Bei Kreispräsident Hans-Werner Harmuth fand er sofort ein offenes Ohr. Dieser nutzte seinen Draht zur Sparkassenstiftung, und seit wenigen Tagen hängen an den drei Feuerwehrhäusern in den Oldesloer Ortsteilen Rethwischfeld, Poggensee und Seefeld Defibrillatoren. Sie sind draußen angebracht und für jedermann zugänglich. Daneben gibt eine Tafel erklärende Hinweise.

„Bad Oldesloe ist unser Pilotprojekt“, sagte Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung, bei der offiziellen Vorstellung am Donnerstagabend in Rethwischfeld. „Wir suchen jetzt eine Gemeinde im Amt Bad-Oldesloe-Land, die mitmacht.“ Und im kommenden Jahr werde man dann möglicherweise den gesamten Kreis flächendeckend mit Defibrillatoren ausrüsten. Ein einzelnes Gerät kostet rund 2400 Euro, das Budget für die ersten drei Defis inklusive technischem Equipment und Lebensrettungspuppen für Übungszwecke liegt laut Schumacher bei 18 000 Euro.

„Wir können so die Erstversorgung verbessern“, sagte Kreispräsident Harmuth. Denn das Angebot richte sich nicht nur an die Feuerwehren, sondern ausdrücklich auch an die Bevölkerung; also die Menschen, die vor Ort leben und bei einem Herzstillstand schnell eingreifen können. Denn der AED arbeitet freilich nicht von allein, sondern braucht eine Person, die ihn bedient. „Es gibt genaue Anleitungen, man kann gar nichts verkehrt machen“, erklärte Dr. Michael Daul. Er ist seit gut einem Jahr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schadehorn und beruflich als Leitender Notarzt tätig.

Das Falscheste sei es, gar nichts zu tun, so der Mediziner. Zudem stammen die drei Defibrillatoren aus einer neueren Generation, die korrigierend eingreifen können, wenn beispielsweise Sensoren nicht richtig am Körper sitzen. „Die AEDs geben auch Hinweise, wenn die Herzdruckmassage etwa zu stark oder zu schwach ausgeführt wird oder an der falschen Stelle“, sagte Daul weiter. „An erster Stelle steht natürlich der Mensch“, sagte auch Jörg Schumacher, „erst danach kommt das Gerät.“ Mit dem Projekt wolle man am Ende jeden in der Bevölkerung in die Lage versetzen, eine Herzmassage vornehmen zu können.

Die Rettungsleitstelle des Kreises Stormarn ist ebenfalls mit im Boot und begrüßt die Verteilung von Defibrillatoren in ländlichen Gebieten. Andreas Rehberg, Fachbereichsleiter Sicherheit und Gefahrenabwehr bei der Kreisverwaltung, verweist in diesem Zusammenhang auf die guten Erfahrungen mit der Retter-App, die derzeit allerdings aufgrund der Corona-Krise inaktiv ist.

Wer die Retter-App auf seinem Smartphone hat, wird normalerweise bei einem Notfall – neben den Rettungskräften – ebenfalls von der Leitstelle alarmiert. Solche Ersthelfer sind dann manchmal schneller am Ort des Geschehens als die Einsatzkräfte. „Auch die Defibrillatoren können helfen, die Zeitspanne zu verringern, in der das Gehirn ohne Sauerstoff ist“, sagte Rehberg. Es komme auf jede Minute an.

„Ich war total perplex, wie schnell das jetzt ging. Eine supertolle Sache für unsere Wehren und die Bürger vor Ort“, sagte Wehrführer Olaf Klaus. „Vor den Geräten braucht niemand Angst zu haben, sie geben genaue Anweisungen.“ Außerdem habe man ja den Notruf gewählt und erhalte zusätzlich Hinweise vom Mitarbeiter der Leitstelle. Schöner Nebeneffekt wäre laut Klaus, wenn man über das Projekt nun auch noch mehr mit den Einwohnern vor Ort ins Gespräch komme.

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