Freibad-Bilanz: Auch Corona kann das Baden nicht verderben

Lübecker Nachrichten   18.08.2020

Durchwachsene erste Bilanz der Bäderbetreiber in Stormarn – Heißer August gleicht vermasselten Saisonstart nur teilweise aus

Von Bettina Albrod

Bad Oldesloe. Im Endspurt wurde es doch noch einmal gut: Das heiße Wetter der vergangenen Woche hat den Bädern und Badestellen im Kreis Stormarn noch einmal viele Besucher beschert. Die Corona-bedingten Einschränkungen zum Saisonstart werde das aber nicht mehr auffangen. So sieht eine erste Bilanz der Freibadbetreiber in Stormarn aus. Auch das Verhalten der Badegäste wird weitgehend als vernünftig beurteilt. Die meisten Menschen beachteten die Hygienekonzepte in den Anlagen, nur wenige zeigten sich verärgert.

Das Freibad im Herrenteich in Reinfeld hatte wie alle Bäder nach der Erlaubnis durch das Land mit Verzögerung geöffnet, derzeit ist es wieder geschlossen. „Im Teich sind Blaualgen festgestellt worden“, erläutert Frederik-Tim Bayer von der Reinfelder Stadtverwaltung. „Über dem Teich liegt ein Algenteppich, der die Sicht stark einschränkt. Deshalb ist die Badesicherheit nicht mehr gewährleistet.“ Das Gift der Algen sei nicht das Problem: Die fehlende Tiefensicht habe zu der Schließung geführt. „Wir weisen mit Informationsblättern aber auch darauf hin, dass durch Blaualgen Hautreizungen und allergische Reaktionen auftreten können“, sagt Bayer. Bis zur Schließung sei das Bad am Herrenteich, das nur an den Wochenenden geöffnet hatte, gut angenommen worden. „Maximal waren 200 Badegäste gleichzeitig erlaubt.“ Nun bleibt das Bad bis auf Weiteres erst einmal zu.

„Die Saison läuft gut“, urteilt Ömer Dagkesen, Leiter des Freibads Poggensee. „Die vergangenen Wochen hatten wir tolles Wetter und die Nachfrage war groß. Es sind an heißen Tagen fast 1000 Gäste gekommen.“ Die zulässige Grenze von 500 Besuchern gleichzeitig sei nicht überschritten worden. Dass im August das Bad im Poggensee immer gut besucht war, bestätigt auch Rettungsschwimmerin Janna Klagmeyer. „Im Juli war das Wetter schlecht, da sind nur wenige Gäste gekommen. Jetzt ist es immer voll.“ Weil die maximal zulässigen Badegäste gleichzeitig nie erreicht würden, gebe es auch keine Wartezeiten. „Ein paar Mal war es kurz davor.“

Einige Gäste sind trotzdem unzufrieden. „Das Hygienekonzept sieht vor, dass zwischen 13.30 und 14.30 Uhr alle Besucher die Anlage verlassen müssen und das Bad geschlossen wird“, erklärt Janna Klagmeyer. „In dieser Stunde werden die Duschen und alle Anlagen desinfiziert.“ Das führe immer wieder zu Kritik. „Wir bekommen aber auch viele positive Rückmeldungen. Die meisten halten sich an die Abstände und sind sehr freundlich.“

Bargteheide geht auf Nummer Sicher und hat vor dem Eingang und in der Anlage einen Ordnungsdienst eingesetzt, der die ganze Saison über in zwei Schichten mit je zwei bis drei Leuten dafür sorgt, dass das Hygienekonzept befolgt wird. „Vor dem Eingang achten die Ordner darauf, dass die Abstände eingehalten werden. Und im Bad haben sie ein Auge darauf, dass alles nach Vorschrift läuft“, sagt Stadtsprecher Alexander Wagner. Gebadet wird in Bargteheide in zwei bis drei Schichten, auch hier ist nach dem 500. Besucher Schluss. „Es passiert schon, dass sich draußen dann eine lange Warteschlange bildet. Der nächste Gast darf erst rein, wenn vorher jemand das Bad verlassen hat.“ Der Andrang sei groß und die Warteschlangen entsprechend lang. Aber die Gastronomie biete zum Zeitvertreib Eis aus dem Bauchladen an.

Die Erfahrung zeige, dass es helfen würde, wenn die Besucher das erforderliche Formular mit ihren Kontaktdaten zu Hause ausdruckten und bereits ausgefüllt mitbrächten. „Oft fehlen Angaben, das verzögert dann den Einlass.“ Geöffnet ist das Bad von 10 bis 13 Uhr und dann noch einmal von 14 Uhr an. Auch hier liegt eine Stunde zum Desinfizieren der Handläufe und Anlagen dazwischen. „Rutsche und Sprungturm sind jetzt abwechselnd wieder geöffnet“, erklärt Wagner. „Auch da gibt es eine Betreuung bei der Warteschlange.“ Bis Sonntagabend waren 37 140 Gäste im Freibad – sonst sind es 75 000 bis 110 000 pro Saison. Am stärksten Tag seien 1345 Besucher im Bad gewesen. „Gemessen an Corona ist die Zahl gut. Die Gäste freuen sich, dass das Freibad überhaupt geöffnet hat“, bilanziert Wagner. Bis zum Saisonende am 9. September könnten es auch noch einige Besucher mehr werden.

„Im August sind die Bäder bisher gut besucht, davor sind nur wenige gekommen“, sagt Steven Juckel, der das Strandbad im Großensee, das Schönaubad in Trittau sowie zwei Hallenbäder in Reinbek und Barsbüttel betreibt. „Insgesamt ist die Saison schlecht, weil wir erst Ende Juni öffnen durften statt wie sonst Anfang Mai.“ Bei dem heißen Wetter jetzt habe es täglich lange Schlangen an der Kasse gegeben, aber das könne die Saison nicht retten. „Jetzt, wo die Ferien vorbei sind, wird es leerer in den Bädern.“ Am Großensee ist ein Ordner vor Ort, dort laufe es gut. „Wir haben ein Hygienekonzept und die Leute halten sich gut daran.“ Blaualgen habe es im Großensee noch nie gegeben, das Gesundheitsamt kontrolliere regelmäßig die Wasserqualität.

In Trittau werde das Baden in zwei Schichten zu je 400 Badegästen gleichzeitig erlaubt. Auch dort gebe es ein Hygienekonzept mit Einbahnsystem und Abstandsvorgaben. „Das ist kein Problem. Die Leute sind geduldig und verstehen, dass das so sein muss“, erklärt Juckel. „Ich habe noch keinen Fall von Stress erlebt.“

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