Hilfe für Anlieger der „Rennpisten“

Lübecker Nachrichten   22.08.2020

Gegen Lärm und Raserei protestieren die Anlieger von Düpenau, Grabauer Straße und Theodor-Storm-Straße seit geraumer Zeit – Politiker stehen hinter den Bürgerwünschen

Von Susanna Fofana

Tagungspremiere der Oldesloer Politik in der Stormarnhalle wegen des erwarteten Besucherandrangs.Fotos: Susanna Fofana

Bad Oldesloe. Sitzungs-Premiere für die Oldesloer Politik in der Stormarnhalle: Wegen des erwarteten Andrangs der Anlieger von Düpenau, Grabauer Straße und Theodor-Storm-Straße tagte der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss (UEVA) statt im KuB in der großen Halle im Bürgerpark. Einstimmig bemühten sich die Ausschuss-Mitglieder darum, den Weg für die Wünsche der Bürger nach weniger Raserei in ihren Wohnstraßen und sichereren Schulwegen zu ebnen.

Ausschussvorsitzende Annelie Strehl (FBO) begrüßte Politiker und Gäste am ungewohnten Ort, Bauamtsleiter Dr. Kurt Soeffing erläuterte die Hygieneregeln: Das Konzept für die Sitzung war umfangreich.

Bad Oldesloe habe viel Potenzial, das genutzt werden sollte, forderten mehrere Redner. Andere Städte wären stolz darauf, wenn sie damit werben könnten, eine Stadt im Grünen zu sein. Bad Oldesloe müsse auch für die Bewohner schöner werden, Verkehrsvisionen fehlten in der Kreisstadt.

Die einmütig, zum Teil in 15-minütigen Tagungspausen verfassten Beschlüsse der Ausschussmitglieder waren eher Appelle oder Arbeitsaufträge an den Verwaltungschef, die dieser je nach Straßenwidmung in seiner Eigenschaft als Untere Verkehrsaufsicht umsetzen möge oder an die zuständige Behörde weiterreichen solle. Für den guten Willen der Politik gab es reichlich Applaus von den gut 30 Gästen. Je ein Sprecher der drei Straßen bekam das Rederecht zum jeweiligen Tagesordnungspunkt.

Für die Straße Düpenau läuft in dieser Woche gerade eine Verkehrszählung. Weil aber wegen der B-75-Sperrung bei Reinfeld derzeit weniger Fahrzeuge die Abkürzung nutzen, wird die Zählung nach Abschluss der Straßenbauarbeiten wiederholt. Eine Lösung soll dann im ersten Quartal 2021 gefunden werden, damit der Schulweg für Kinder sicherer und das bestehende Tempo 30 eingehalten wird.

„Die Straße Düpenau ist als öffentliche Straße gewidmet und dient dem Gemeingebrauch“: So lautet die Auffassung der Verwaltung als Begründung zur deshalb nicht möglichen Teileinziehung. Dies verwunderte die Anlieger, die für den Ausbau der „Anliegerstraße“ vor Jahrzehnten kräftig zur Kasse gebeten worden waren. Im damaligen Beitragsbescheid hieß es, dass es keine Durchgangsstraße sei. Die aktuelle Idee der Verwaltung ist die Anbringung von fünf Bodenschwellen. „Ich bin froh, dass die Verwaltung ein Stück auf uns zugeht“, sagte Sprecherin Claudia Michahelles im Hinblick auf den „mehr als abenteuerlichen Schulweg“ der Kinder.

Die Verwaltung sieht allerdings laut Vorlage „keine entsprechende objektive Gefahrenlage in der Straße Düpenau“. Laut Mitteilung des Polizeireviers Bad Oldesloe ist das Unfallgeschehen dort „als gen Null gehend anzusehen.“

In der Theodor-Storm-Straße vermissen die Anwohner die Blumenkübel, die nach dem Ausbau vor zwei Jahren nicht wieder aufgestellt wurden. „Seit 2018 hat sich die Situation verschlimmert“, sagte Sven Mohr. Die Anlieger hatten selbst ein Verkehrsberuhigungskonzept ausgearbeitet. Wilfried Janson (Grüne) empfahl, die Vorschläge „möglichst einstimmig als Empfehlung an die Verwaltung“ zu beschließen. „Das Rasen soll ein Ende haben“, forderte auch Anreas Lehmann (CDU) vom Hauptausschuss. Der einstimmig verabschiedete Antrag aller Fraktionen als Arbeitsauftrag an die Verwaltung: „Möglichst alle Maßnahmen umsetzen“. Eine Geschwindigkeitsmessung vom 16. bis zum 21. Juni hatte ergeben, dass 300 Autofahrer 50 oder mehr Stundenkilometer schnell waren.

Die Grabauer Straße ist die dritte der Straßen, in der eigentlich bereits Tempo 30 gilt, auf der aber trotzdem weiter gerast wird. Als eine erste Verbesserung sehen die Anlieger die an der Einmündung der Lorentzenstraße in die Grabauer Straße gut sichtbar aufs Pflaster gemalte 30.

Vor allem die Sicherheit der Schulkinder lag Sprecher Geert Oeser und anderen am Herzen. Wenn ein Schulkind aus dem Wohngebiet im Westen oder der Grabauer Straße zur Schule radele und ein LKW Begegnungsverkehr habe, könne sich das Kind nur retten, indem es rechtzeitig die Situation erkenne und vom Radstreifen auf den Gehweg wechsele. Risse an den Häusern durch die Erschütterungen der vielen Brummis kämen hinzu. Sie fielen morgens durch die Erschütterungen aus dem Bett, sagte der Anlieger. Jedoch: „Es tut sich nichts“, beklagt Oeser.

Die Politiker waren sich einig darüber, dass das Tempo 30 bis zum Kreisel erweitert werden müsse. Das Gebotsschild an der B 75 zum Rechtsabbiegen sollte zum Verbotsschild umgewandelt werden. Dann würde der LKW-Verkehr halbiert und der Schwerlastverkehr könne einen nur kleinen Umweg in Kauf nehmen. Das würde auch den Kreuzungsbereich sicherer machen. Die komplette Sperrung der Landesstraße 226 für den Schwerlastverkehr ist derzeit nicht möglich. Im Verkehrsentwicklungsplan war die Grabauer Straße 2009 von der Politik als Hauptverkehrsstraße ausgewiesen worden.

Die Verwaltung soll sich nun bei der Verkehrsbehörde dafür einsetzen, dass möglichst alle Maßnahmen umgesetzt werden. Zudem solle eine Prüfung der Tragschicht veranlasst werden. Ein Bericht wird in der Sitzung vom 29. Oktober erwartet. Außerdem sind bereits Lärmberechnungen in Auftrag gegeben worden. Dadurch könnte sich „ein neues verkehrsrechtliches Prüfverfahren zum Thema ,Lärmschutz’ in der Grabauer Straße ergeben“, heißt es in der Vorlage.

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