Oldesloes Ehrenbürger Walter Busch ist tot

Stormarner Tageblatt  27.08.2020

Bis zuletzt setzte er sich für all’ das ein, was ihm am Herzen lag, besonders aber für den Sport

Walter Busch und sein legendärer „Pferdesprung“ im Travestadion.
Walter Busch und sein legendärer „Pferdesprung“ im Travestadion.
Meinungstark   am Rednerpult beim VfL Oldesloe. Nie

Meinungstark am Rednerpult beim VfL Oldesloe. Nie

Susanne Rohde Bad Oldesloe Ganz oder gar nicht – halbe Sachen waren nie sein Ding. Oldesloes Ehrenbürger Walter Busch hat sein Leben lang vollen Einsatz geleistet für Dinge, von denen er überzeugt war. Und meistens galt sein leidenschaftlicher Einsatz anderen Menschen, in erster Linie aber „seinem“ Verein, dem Oldesloer VfL, dessen Mitglied er 83 Jahre lang war. Jetzt ist Walter Busch im Alter von 93 Jahren in seiner Heimatstadt gestorben.

Walter Busch war einer der bekanntesten Oldesloer, auch weit über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus. Er war Pädagoge, Sportler durch und durch und ein kontaktfreudiger „Vereinsmensch“, wie es ihn heute kaum noch gibt. Durch seine zupackende Art konnte er andere schnell begeistern. Wo andere aufgaben, da fing er erst an. Sein Organisationstalent ist legendär. Aber er konnte auch unbequem sein, hartnäckig und eigensinnig auf seine besondere Art. Nicht wenige seiner ehemaligen Schüler verehren ihn bis heute, und er vergaß keinen, den er einmal unter seine Fittiche genommen hatte, sein Namensgedächtnis war legendär.

Walter Busch, der in Neumünster geboren wurde und als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Bad Oldesloe zog, verdiente sein erstes Taschengeld beim Oldesloer Landboten, den er nach der Schule austrug. Er besuchte die Oberrealschule und die Stadt bezahlte dem begabten Schüler die Gebühren samt Lehrmitteln. Als 16-Jähriger wurde er bis Kriegsende zur Marine-Flak eingezogen. „Diese Kriegserfahrungen waren sehr hart und prägend für mich“, erinnerte sich Walter Busch später. Nach dem Krieg holte er sein Abitur nach und studierte zunächst Sport in Hamburg. Fußball mochte er nie so sehr, aber als „Nordlicht“ war er sogar Mitglied im Deutschen Alpenverein. Skifahren, Turnen, Leichtathletik, Tennis, Hockey, Schwimmen – es gibt nur wenige Sportarten, die Walter Busch nicht ausgeübt hat.

1952 trat er seine erste Lehrerstelle an der Oldesloer Stadtschule an. Dass Bad Oldesloe in den 1970er Jahren landesweit zur sportlichsten Gemeinde gekürt wurde, ist auch Walter Busch zu verdanken. Legendär sind auch die Zeltlager, die er für Kinder und Jugendliche ausrichtete. Zehn Jahre lang leitete er die Theodor-Storm-Schule bis 1992. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zeugen von seinen jahrzehntelangen Verdiensten. Besonders stolz war er aber auf das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt, die ihm im Jahr 1996 verliehen wurde.

36 Jahre lang hatte Walter Busch das Amt des ersten Vorsitzenden des VfL Oldesloe inne, dem er im Alter von zehn Jahren beitrat. Mehr als 50 Jahre lang war er im Vorstand des größten Stormarner Sportvereins, dessen Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzender er ist. Bis zuletzt ließ er es sich nicht nehmen, bei den Mitgliederversammlungen dabei zu sein und mitzudiskutieren.

Von 1969 bis 1995 war er auch Vizepräsident des Landessportverbandes, später auch dessen Ehrenmitglied. Ganz besonders lag ihm das Mutter-Kind-Turnen am Herzen, das er jahrzehntelang organisierte, mit dabei immer sein legendäres Akkordeon. Seine robuste Vitalität bis ins hohe Alter verdankte er wohl auch seinem Credo „Keinen Schnaps, keine Zigaretten!“

Walter Busch hinterlässt seine Frau Monika, vier Kinder und fünf Enkel.

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