Drohender Abriss: Oldesloer Politik will Gutshaus Rethwischhof retten

Lübecker Nachrichten   27.08.2020

Jahrzehntelang wurde das historische Gemäuer im Oldesloer Ortsteil vernachlässigt – Jetzt will es der Eigentümer abreißen lassen – Doch das stößt auf Widerstand

Von Dorothea von Dahlen

Heute ist es zugewuchert: Der Eigentümer will das Herrenhaus im Oldesloer Ortsteil Rethwischfeld abreißen lassen.foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Dichtes Buschwerk und ein Wald mit riesigen Bäumen schirmen ab, was sich hinter dem schmiedeeisernen Zaun verbirgt. Sie lassen nur einen Blick auf die Spitze des Daches und einige Fenster im Giebel des Gutshauses zu, das auf der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein unter der Nummer 12560 geführt wird. Der derzeitige Eigentümer will das einst stattliche Gebäude, das 1780 für den Besitzer des landwirtschaftlichen Vorwerks in Rethwischhof errichtet wurde, jetzt abreißen lassen. Doch das wollen die Oldesloer Stadtverordneten nicht zulassen. Die Mitglieder des Wirtschafts- und Planungsausschusses schoben dem erst einmal einen Riegel vor.

„Das Herrenhaus hat eine besondere Bedeutung. Ein Abriss wäre undenkbar. Schließlich ist es die Keimzelle des Ortsteils“, setzte sich Matthias Rohde (FBO), selbst Einwohner von Rethwischfeld für den Erhalt des Gebäudes ein. Er berichtete, dass er das Haus von innen kenne, dass sich darin wertvolle Ausstattungsgegenstände befinden wie Kaminsimse und alte Tapeten. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass damit Schindluder getrieben wird“, sagte Rohde. Er appellierte an die Stadtverwaltung sich „nicht an der Nase herumführen zu lassen“. Wenn die Politik nicht einschreite, bestehe Gefahr, dass der Eigentümer Fakten schaffe.

Bereits im Juni 2018 hatten sich die Mitglieder des damaligen Bau- und Planungsausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, zum Schutz des Gutshauses, eine Erhaltungssatzung zu erlassen. Wie Angelika Müller, Leiterin der Planung im Oldesloer Bauamt gegenüber dem inzwischen umbenannten Gremium erklärte, hat der Eigentümer der Immobilie in der Zwischenzeit einen Antrag auf Abriss gestellt. In der aktuell eingebrachten Beschlussvorlage empfahl die Verwaltung, die bereits ausgearbeitete Satzung nicht zu erlassen, weil „das Gebäude heute einen sehr verwahrlosten Zustand“ aufweise und der Eigentümer des Grundstücks gemäß Paragraf 173 Baugesetzbuch fordern könne, dass die Stadt Bad Oldesloe das Objekt übernimmt. Und dies berge finanzielle Risiken, heißt es in dem Papier.

Die Frage von Annelie Strehl (FBO), ob der Zwang zum Kauf des Gutshauses auf jeden Fall bestehe, beantwortete die Leiterin Planung grundsätzlich mit Ja. Den Wert der Immobilie bestimme der Gutachterausschuss. Wenn der Eigentümer den Preis für zu gering erachte und nicht verkaufen wolle, sei er gehalten, das Haus zu sanieren, hieß es.

Aus der CDU-Fraktion kam zunächst der Vorstoß, die Entscheidung in der Angelegenheit zu vertagen. Doch Angelika Müller verwies darauf, dass der Eigentümer bereits beim Denkmalamt beantragt hat, das Gutshaus aus der Liste der geschützten Objekte zu streichen. Bei einer Besichtigung im Jahr 2019 seien laut Auskunft der Behörde zahlreiche Schäden am Mauerwerk und den Dielenböden sowie aufsteigendes Wasser im Keller zu verzeichnen gewesen. Aufgrund der Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte, das Haus instand zu setzen, erwäge die Denkmalbehörde nun, den Status abzuerkennen. „Wenn das geschieht, kann das Gebäude schon in der nächsten Woche abgerissen werden“, stellte die Leiterin Planung klar.

„Leider ist es kein Einzelfall, dass Eigentümer in Bad Oldesloe ihre Häuser vernachlässigen, um sie dann irgendwann abreißen zu können. Das sollten wir unterbinden“, merkte Hans-Herrmann Roden (SPD) an. Seine Fraktion werde sich deshalb für die Erhaltungssatzung aussprechen. Dem schlossen sich außer der FBO auch die Grünen und – nach kurzer Beratungspause – auch CDU, Familien-Partei, Linke und FDP an.

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